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Daniel GT

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Schiller-Institut Chor bei Gedenkfeier für Alexandrow Ensemble in Bayonne/USA

Am 7. Januar fand eine Gedenkveranstaltung beim „Teardrop“-Memorial1 in Bayonne, New Jersey, für die Opfer des Flugzeugsabsturzes vom 25. Dezember, bei dem Mitglieder des russischen Alexandrow-Chors auf dem Weg zu einem Neujahrskonzert auf dem Hmeymim Luftwaffenstützpunkt in Syrien ums Leben gekommen waren und insgesamt 92 Menschen starben, statt. Das Internet Videoportal Ruptly TV berichtete über die Veranstaltung.

Der Chor des internationalen Schiller-Instituts sang die russische und die amerikanische Nationalhymne sowie für das orthodoxe Weihnachtsfest den Weihnachtschoral Adeste fidelis („Herbei , oh Ihr Gläubigen“), außerdem nahm die New Yorker Polizei (NYPD) und die Feuerwehr von Bayonne, New Jersey, an der Kranzniederlegung teil. Der stellvertretende Vertreter der Russischen Föderation bei den Vereinten Nationen, Pyotr Ilyichov, sprach bei der Zeremonie sowie die Vorsitzende der Vereinigung der Opferfamilien des 11. September 2001, Terry Strada. Ilyichov bedankte sich für die Solidarität und die Musik, die über alle Worte hinaus die Menschen berührt. Kunst und Kultur sollten den Menschen Frieden bringen.

Diane Sare, die Chordirigentin des Schiller-Instituts verlas eine Grußbotschaft von Helga Zepp-LaRouche, der Präsidentin des Schiller-Instituts. TASS zitierte Frau Zepp-LaRouche in einem Bericht über die Veranstaltung mit den Worten: „Die Verbesserung der amerikanisch-russischen Beziehungen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, die Probleme, denen sich die Welt gegenübersieht, zu lösen. Ohne einen Geist der Kooperation und Freundschaft zwischen diesen Ländern ist die Welt in Gefahr.“ TASS wies auch darauf hin, daß der Chor des Schiller-Instituts am 30.12. beim Generalkonsulat in New York für die Opfer des Tu-154 Absturzes Blumen niedergelegt und die russische Nationalhymne gesungen hatte.

Zeitgleich zum Beginn der bewegenden Zeremonie vor dem Memorial in Bayonne erklärte der neue US-Präsident Trump in einem Tweet: „Eine gute Beziehung mit Rußland ist etwas gutes, nichts schlechtes. Nur ‚dumme Leute‘ oder Narren halten das für schlecht. Wir haben genug Probleme auf der ganzen Welt, ohne noch ein weiteres zu brauchen. Wenn ich Präsident bin, wird Rußland uns weit mehr respektieren als jetzt und beide Nationen werden vielleicht zusammenarbeiten, um einige der vielen großen und drängenden Probleme und Fragen der WELT zu lösen.“


Anmerkungen

1Die „Teardrop-Memorial“-Skulptur („Träne der Trauer“) ist ein Geschenk der russischen Regierung an die Vereinigten Staaten zum Gedenken an die Terroranschläge 1993 und dem 11. September 2001. Es wurde 2006 in Anwesenheit von Präsident Bill Clinton und Wladimir Putin enthüllt.

Kondolenzbotschaft an das Alexandrow-Ensemble und an das russische Volk

Im Namen des internationalen Schiller-Institutes möchte ich Ihnen unser tiefstes Mitgefühl über den tragischen Verlust der 92 Menschen aussprechen, die bei dem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Syrien ums Leben gekommen sind. Dieser Unfall ist umso mehr ein Grund zur Trauer, da die Musik und der patriotische Geist, der die Mitglieder des Alexandrow-Ensembles auszeichneten, dem syrischen Volk eine Botschaft der Hoffnung gebracht hätten – einem Volk, das seit über fünf Jahren unter der kriminellen Politik des Regimewechsels leidet und das unter völliger Mißachtung seiner Souveränität als Schachfigur in einem geopolitischen Spiel behandelt wird.

Das Alexandrow-Ensemble war Ausdruck der höchsten moralischen Werte Rußlands und spricht, wie klassischer Chorgesang im Allgemeinen, die Seele und das schöpferische Potential des Publikums an. Es ist daher besonders wichtig, daß der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu angekündigt hat, daß er Proben initiieren wird, um die besten Talente zur vollen Wiederherstellung des Alexandrow-Chores zu finden.

Die Ausbildung der Singstimme ist für jeden Menschen wichtig, da eine gut platzierte Stimme die schöpferische Absicht des Komponisten ausdrücken und direkt eben jenes Vermögen im Publikum ansprechen kann. Deshalb repräsentiert sie ein unentbehrliches Element harmonischer Charakterentwicklung. Lassen Sie mich deshalb die Idee mit Ihnen teilen, zusätzlich zum Wiederaufbau des Alexandrow-Ensembles Tausende von Alexandrow-Chören an Schulen in ganz Rußland aufzubauen, um Rußlands heroischen Beitrag zur Befreiung Syriens zu ehren und gleichzeitig die erhebende Wirkung des Chorgesangs in der jungen Generation zu verbreiten.

Es entsteht gerade ein Neues Paradigma, das sich in der Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion mit der Initiative der Neuen Seidenstraße zeigt, die eine vollkommen neue Art von Beziehungen zwischen Nationen darstellt. Damit aus diesem Neuen Paradigma eine neue Ära der Zivilisation wird, brauchen wir einen Dialog der besten Traditionen jeder Kultur. Das Wissen um das Beste einer anderen Kultur wird zur Liebe dieser Kultur führen; Fremdenfeindlichkeit und Haß werden so durch edlere Gefühle überwunden. Geopolitik wird in dieser neuen Ära für immer überwunden sein und die Hingabe an die gemeinsamen Ziele der Menschheit wird eine höhere Ebene der Vernunft schaffen.

Es soll uns allen Trost geben, daß der tragische Tod der Opfer des Flugzeugabsturzes durch ihre Unsterblichkeit dazu beitragen wird, diese bessere Welt zu schaffen.

 

Helga Zepp-LaRouche

Präsidentin des Internationalen Schiller-Institutes


Musikalische  Darbietung für das Alexandrow Ensemble und das Russische Volk

Members of the NYC Schiller Institute Community Chorus sing the Russian National Anthem outside the Russian Consulate in New York in honor of the passengers, many of them members of the Alexandrov Ensemble, who died when their plane crashed enroute to Syria, Sunday, December 25, 2016.

 

 


Ein Vorgeschmack auf die Renaissance

Stephan Ossenkopp berichtet von einem „Dialog der Kulturen“, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete.


Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen für eine längst überfällige klassische Renaissance lebendig wurden. Das Schiller-Institut hatte zum „Dialog der Kulturen“ eingeladen, um „ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“ zu präsentieren.

Das schöne Kaminzimmer des Literaturhauses in der Berliner Fasanenstraße war mit 60 Gästen und 30 Mitwirkenden vollständig ausgebucht, als die ersten Töne aus Ludwig van Beethovens Kantate „Meeresstille und glückliche Fahrt“ erklangen. Die ungeheure Spannung, die sich aus dem Kontrast zwischen dem ruhigen und dem aufbrausenden Teil des Stücks ergibt, war die perfekte Einstimmung auf das gesamte vierstündige Programm, das dem Publikum zwei völlig gegensätzliche Paradigmen vor Augen führte, die derzeit im Wettstreit um die Zukunft liegen.

Dazu nahmen drei Redner aus ihren jeweiligen Perspektiven Stellung: Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts, Harley Schlanger, Vorstandsmitglied im Schiller-Institut in den Vereinigten Staaten von Amerika, und Jochen Heibertshausen, Kontrabassist und Dirigent. So machten sowohl die Musik als auch die Vorträge dem Publikum deutlich, daß der weitaus größte Teil der Menschheit längst eine „Neue Welt“ aufbaut, die sich an einer gemeinsamen, positiven Zukunftsvision im Interesse aller Nationen und Völker ausrichtet. Nur in Deutschland herrscht noch eine gewisse „Flaute“, und keiner will so recht glauben, daß längst eine alles umwälzende Bewegung in die Welt getreten ist.

Das direkt im Anschluß an Beethovens Komposition mit Chor und Kammerorchester vorgetragene Werk „American Cantata“ folgte derselben Idee. Wie der Schöpfer des Werks, Benjamin Lylloff, in seiner Einleitung vortrug, geht es darin primär um die unveräußerlichen Rechte und Freiheiten des Menschen in Geist und Gesellschaft. Lylloff verband Teile aus Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und des Spirituals „Going Home“ mit dem Text von Abraham Lincolns Gettysburg-Rede und Benjamin Franklins Siegelspruch „Rebellion to tyrants is obedience to God“ (Rebellion gegen Tyrannen ist Gehorsam gegenüber Gott).

Rede von Harley Schlanger, Vizepräsident des Schiller Institutes in den USA, bei der Konferenz des Schiller-Instituts „Dialog der Kulturen – Ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“

Das neue Paradigma kommt

Helga Zepp-LaRouche wählte als Auftakt zu ihrem Vortrag noch ein weiteres Bild: Würde man die Nationen der Erde mit einem Chor gleichsetzen, dann singe Deutschland gerade in einem völlig falschen Takt. Anstatt das Muster der ungeheuren Veränderungen weltweit als chancenreich und positiv zu sehen, sähen die Deutschen überall nur Bedrohliches. Von Trump in Amerika bis Duterte in den Philippinen, von Putin in Rußland bis Xi in China sehe die deutsche Öffentlichkeit nichts als „Rüpel und Schurken“.

Dabei sehe die reale Welt vollkommen anders aus. Das System der Globalisierung gehe derzeit in Rekordzeit krachend unter, da es mit der Würde des Menschen überhaupt nicht vereinbar sei. Die Armut sei selbst in Europa unerträglich geworden, der Lebensstandard und die Lebenserwartung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht falle stetig ab, und die auf Lügen aufgebauten Regimewechsel-Interventionen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien etc. sorgten für endloses Chaos und Flüchtlingsströme. Die Ideologie, die dieses System hervorgebracht habe, kollidiere nun mit der Realität, sagte Frau LaRouche, nämlich, daß die Menschen sich in einem Zustand der Revolte befänden, die so lange anhalten werde, bis die begangenen Ungerechtigkeiten vollständig beseitigt seien.

Das neue Paradigma läßt gerade, fuhr Frau Zepp-LaRouche in ihrem Vortrag fort, unter dem geflügelten Wort der „Neuen Seidenstraße“ eine internationale Win-Win-Zusammenarbeit bei Infrastruktur, Grundlagenforschung und Wissenschaft entstehen. Der neue Faktor in dieser beispiellosen Dynamik sei nun Donald Trump, der für seine kommende Amtszeit als US-Präsident ein umfangreiches Infrastruktur-Aufbauprogramm für die Vereinigten Staaten, das Ende der Regimewechselpolitik und ein gutes Verhältnis zu Rußland und China angekündigt habe. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen der stellvertretenden chinesischen Außenministerin Fu Ying, die Trumps Infrastrukturplan als mögliches Verbindungsglied zur Neuen Seidenstraße bezeichnet hatte. Die USA hätten die Chance zu einer umfassenden Kurskorrektur, um sich nun an den vier Wirtschaftsprinzipien, die ihr Ehemann Lyndon LaRouche als Leitfaden aufgestellte hatte, zu orientieren.

In ihrem Vortrag wolle sie auf das vierte Prinzip, nämlich die menschliche Kreativität als Quelle allen Wohlstandes, besonderen Wert legen. China habe dies im Rahmen seiner Seidenstraßen-Initiative längst erkannt und deswegen sein Budget für die Kernfusion und die bemannte Raumfahrt enorm aufgestockt, um die Grundlagen für die neue Ära einer Helium-3-basierten Realwirtschaft zu legen, in der Energie- und Rohstoffsicherheit gewährleistet seien.

Die zukünftige Rolle des Menschen im Universum sei aber von niemandem so umfassend ausgestaltet worden wie von dem deutschen Raumfahrt- und Technikpionier Krafft Arnold Ehricke, aus dessen Schriften vom „extraterrestrischen Imperativ“ Frau Zepp-LaRouche zitierte. Das Potential des Menschen und des Kosmos, in dem er lebt, sei grenzenlos, und deswegen grenzenlos vervollkommnungsfähig. Das Ideal, das sich das Schiller-Institut für die Zukunft vorstelle, sei, daß alle Kinder eine universelle Bildung im Sinne von Wilhelm von Humboldt genießen können, um die von Friedrich Schiller so bezeichnete „schöne Seele“ zu entwickeln, für die Pflicht und Neigung, wie beim Genie, in eins fallen würden. Ihre Antwort auf die vielen Fragen des Publikums zum Vortrag war die Herausforderung, sich wie Moses Mendelssohn möglichst viele Wissensgebiete anzueignen, um sich so die höhere Ebene der Vernunft, auf der die konstruktive Zusammenarbeit aller Nationen möglich ist, zu erschließen. Sie bat das Publikum, diese Alternative des neuen Paradigmas bekannter zu machen und selbst zu Veranstaltern und Multiplikatoren zu werden.

Was bedeutet die Wahl Trumps wirklich?

Mit Harley Schlanger kam jemand zu Wort, der seit rund vier Jahrzehnten auf der Seite der Ideen Lyndon LaRouches in der US-amerikanischen und internationalen Politik tätig ist. Er kennt wesentliche Elemente, die die Wahl Donald Trumps am 8. November überhaupt möglich gemacht haben. Wir hätten es mit dem Phänomen des Erwachens breiter Schichten des amerikanischen Bevölkerung zu tun. Man wisse zumindest sehr genau, was man nicht mehr wolle: Kriege, Bankenrettung, Arbeitslosigkeit und ein unbezahlbares Bildungs- und Gesundheitssystem. Wut und Frust auf 16 Jahre Bush und Obama hätten sich bei dieser Wahl entladen. Auch wenn noch nicht ganz klar sei, was Trump ab dem 20. Januar, wenn er ins Amt eingeführt wird, tun werde, habe er bei den Dankensreden an seine Wähler immerhin neben dem Infrastrukturprogramm auch die Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem und die Wiederbelebung von Wissenschaft und Raumfahrt in den USA angekündigt.

Diese wachere Art zu denken habe viel mit dem historischen Einfluß von herausragenden kreativen Persönlichkeiten wie Percy Shelley, Abraham Lincoln und Alexander Hamilton zu tun. Shelley hatte den Dichter als wahren Gesetzgeber bezeichnet, weil nur der Dichter verstünde, nach welchen Ideen das Volk in einer Krise hungrig seien. Wir lebten in einer Phase des fundamentalen Umbruchs, machte Harley Schlanger deutlich, in der die Menschen neue fundamentale Vorstellungen anzunehmen in der Lage wären. Unsere Aufgabe sei es, diese Gelegenheit zu nutzen, um LaRouches Prinzipien in den USA zu verankern. Die Deutschen hätten keinen Grund mehr, in ihrem Pessimismus zu verharren, denn, auch wenn sie es noch nicht glauben könnten, sei das alte System, zu welchem auch das „Merkel-Regime“ gehöre, besiegbar.

Furtwängler als Chance

„Für mich war er Beethoven“, zitierte der Kontrabassist Jochen Heibertshausen eine der berühmtesten Opernsängerinnen, Maria Callas, die dies über den Dirigenten Wilhelm Furtwängler gesagt hatte, dessen Aufführungen sie im Italien der Nachkriegszeit erlebte. Für Heibertshausen ist Furtwängler einfach der beste Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen, da für Furtwängler die Wahrhaftigkeit im musikalischen Kunstwerk und seiner Aufführung der leitende Gedanke gewesen sei – ein Begriff, der aus der heutigen Kultur verbannt worden ist. Ein Kunstwerk sei nur lebendig, wenn es organisch sei, wenn der Dirigent seine emotionalen Entscheidungen stets für das Ganze fälle, und nicht seinen eigenen Gefühlsrausch nach vorne stelle.

Furtwängler habe, so Heibertshausen, die Parameter des Klanges wie kein zweiter in ihrer Gesamtheit beherrscht. Mit Ausschnitten aus historischen Aufnahmen von u.a. Schuberts vierter und Beethovens erster und dritter Symphonie führte er die „unerreichten Interpretationen“ Furtwänglers vor die Ohren der Zuhörer. Das „Geheimnis“ Furtwänglers sei eigentlich sein Festhalten an der Tugend und dem Streben nach dem Menschlichen, sagt Heibertshausen.

Heute herrsche eine „Kultur der Unruhe“, in der jeder dem Erfolg hinterher jage. Das habe etwas damit zu tun, daß in der Nachkriegsordnung Deutschlands eine Vernichtung der Geistigkeit betrieben wurde, in der auch Wilhelm Furtwängler schwer angegriffen und in den Entnazifizierungsprozessen geradezu gekreuzigt worden ist, während „Das Wunder Karajan“ (so hieß es 1938 in Berlin), der sogar zweimal der NSDAP beitrat, dieser Prozedur enthoben wurde und plötzlich eine Blitzkarriere hinlegte. Heute, so Heibertshausen, würde das Genie von Furtwängler dringend gebraucht, weshalb er derzeit auch eine Internetplattform mit Furtwängler-Zitaten und Hörbeispielen aufbaue.

Musikalische Grüße aus Asien

Zum musikalischen Programm des Nachmittags gehörten auch noch die von der aus Japan stammenden Mezzosopranistin Mayumi Nakamura gesungenen Lieder „Oyasumi“ und „Hatsu Koi“, und das von der in China geborenen Sopranistin Lini Gong vorgetragene Schubert-Lied „Das Veilchen“, die allesamt vom Publikum mit freudigem Applaus belohnt wurden.

In der Gesamtschau ist dieser „Dialog der Kulturen“ des Schiller-Instituts ein lebendiges Forum um die Ideen und Aktivitäten für den Paradigmenwandel zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung, in der die kreativen Kräfte der Menschheit zur raschen vollen Entfaltung gelangen können. Denn, so sagte Frau Zepp-LaRouche in ihrem Schlußwort, selbst wenn Krieg und Hunger nun überwunden werden können, geht es um eine sich immer weiter entwickelnde Zukunftsvision, in der wir uns darauf verständigen können, wie wir als Menschheit die kommenden hundert, tausend, sogar zehntausend Jahre gestalten wollen.

von Stephan Ossenkopp

 


Ein Offener Brief der Vorsitzenden der Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine, Natalja Witrenko

Stoppt den politischen Terror, verteidigt das Recht auf Leben der Führer einer ukrainischen Oppositionspartei!


An

den Präsidenten der Ukraine, P.Poroschenko

den Generalstaatsanwalt der Ukraine, J. Luzenko

den Vorsitzenden der Sicherheitsdienste der Ukraine, W. Hryzak

den Minister für innere Angelegenheiten der Ukraine, A. Awakow

die Ombudsfrau der Obersten Rada der Ukraine für Menschenrechte, W. Lutkowska

den Vorsitzenden des Ausschusses für Menschenrechte, nationale Minderheiten und ethnische Beziehungen der Obersten Rada, H. Nemyria,

die Vertretung der OSZE in der Ukraine

die Vertretung der Europäischen Union in der Ukraine

die Botschaft der Vereinigten Staaten in der Ukraine

die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine

die Botschaft Frankreichs in der Ukraine

die Botschaft Italiens in der Ukraine

die Botschaft der Republik Polen in der Ukraine

die Botschaft der Russischen Föderation in der Ukraine

die Botschaft der Republik Weißrußland in der Ukraine

die Botschaft Israels in der Ukraine

 

Stoppt den politischen Terror, verteidigt das Recht auf Leben der Führer einer ukrainischen Oppositionspartei!

Ein Offener Brief der Vorsitzenden der Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine, Natalja Witrenko

2. November 2016

Ich bin gezwungen, Sie dazu aufzufordern, daß Sie die politischen Rechte der Mitglieder der Progressiven Sozialistischen Partei der Ukraine (PSPU), die gröblichst verletzt wurden, verteidigen und den Maßnahmen, die die rechtmäßigen Aktivitäten unserer Partei behindern, Einhalt gebieten.

Am 28. Oktober 2016 besetzte eine Gruppe unbekannter Personen, darunter Kämpfer des Asow-Bataillons unter der Führung A.E. Schatilins, gewaltsam das Anwesen 3/7 Podgornaja/Tatarskaja Straße in Kiew, das rechtmäßig der Siver Ukraina LLC gehört. Dieses Besitzrecht wurde am 22. Juli 2003 durch die Entscheidung #18/519 des Handelsgerichtes von Kiew bestätigt, und wurde bisher von keiner Seite aufgehoben.

Seit 2005 hat die PSPU einen Teil des Anwesens unter der genannten Adresse von der Siver Ukraina LLC auf der Grundlage eines Mietvertrages gemietet. Die PSPU leistet die erforderlichen Zahlungen in völliger Übereinstimmung mit den Gesetzen und dem Mietvertrag. Die Vertragsbeziehungen zwischen der PSPU und der Siver Ukraine LLC wurden von keiner Seite gekündigt.

Die PSPU bewahrte ihre Partei-Dokumente, einschließlich der Originale der Satzung und des Programms der PSPU, der Protokolle ihrer Kongresse, der Plenarsitzungen ihres Zentralkomitees und der Sitzungen des Präsidiums ihres Zentralkomitees sowie das Parteiarchiv, die Embleme und Literatur in diesen gemieteten Räumlichkeiten auf. Zu diesen Parteidokumenten gehören auch die Registrierungsunterlagen der Orts-, Bezirks- und Regionalorganisationen der Partei, die persönlichen Daten der örtlichen und zentralen Parteiführung, Originale und Kopien zahlreicher Gerichtsurteile aus den 20 Jahren, in denen die PSPU aktiv war, umfangreiches Foto- und Videomaterial aus den Jahren, seit die Partei existiert, Computer und Kopiergeräte, Kameras und Videorekorder, Haushaltsgeräte und persönliches Eigentum von mir, der Vorsitzenden der PSPU und Abgeordneten der Ukraine in zwei Legislaturperioden, von W. Martschenko, dem stellv. Vorsitzenden der PSPU und Abgeordneten der Ukraine in drei Legislaturperioden, sowie mehrerer weiterer Parteimitglieder.

Darüber hinaus beherbergten die gemieteten Räumlichkeiten unsere einzigartige historische, juristische, wirtschaftliche, politische, soziologische und statistische Bibliothek, Unterlagen zu Treffen mit Bürgern über persönliche Angelegenheiten, meine wissenschaftlichen und analytischen Arbeitspapiere (als professionelle Ökonomin und Doktor der Ökonomie) sowie Papiere, die dem Chefredakteur der PSPU-Zeitung Dosvitni ogni gehören und von W. Martschenko für seine Arbeit als Journalist benötigt werden.

Ich weise darauf hin, daß weder der [Sicherheitsdienst der Ukraine] SBU noch das [Innenministerium] MVD mir selbst oder W. Martschenko irgendwelche Straftaten vorwerfen und auch keine Verfahren in solchen Angelegenheiten eröffnet haben.

Ohne eine Gerichtsentscheidung, die die Zwangsräumung der Räumlichkeiten autorisierte, und in Abwesenheit irgendeines Gerichtsbeamten war das, was am Freitag, dem 28. Oktober 2016 geschah, eine gewaltsame Besetzung des gesamten Anwesens der Siver Ukraina LLC, einschließlich der Räumlichkeiten der PSPU. Darüber hinaus wurden rechtswidrig Eigentum, Dokumente, Geräte, Literatur und Embleme der PSPU beschlagnahmt.

A.E. Schatilin erklärte am 29. Oktober 2016, der SBU habe eine Durchsuchung des Anwesens der Siver Ukraine LLC einschließlich der Räumlichkeiten der PSPU durchgeführt und zwei Wagenladungen an Eigentum, Dokumenten, Literatur, Computern etc. entfernt, die uns faktisch gestohlen wurden. Weder dem Besitzer des Anwesens, der Siver Ukraina LLC, noch mir als Vorsitzender der PSPU wurden irgendwelche Ermächtigungen zur Durchsuchung und Beschlagnahmung von Dokumenten der Partei oder persönlichem Eigentum vorgelegt.

Ich betone, daß ich am 28. Oktober 2016, als die gewaltsame Besetzung unserer Räumlichkeiten durchgeführt wurde, persönlich von den Polizeibeamten und dem Ermittler S. Soroka verlangt habe, daß sie die Sicherheit und die sichere Aufbewahrung des Eigentums, der Dokumente, der Literatur und Geräte sowie des persönlichen Besitzes der Führung und Mitglieder der PSPU sicherstellen, d.h. zu verhindern, daß Außenstehende die von uns gemieteten Räumlichkeiten betreten. Meine Forderung wurde ignoriert, und die Polizeibehörden haben unsere Rechte nicht verteidigt.

Am Montag, dem 31. Oktober, wurden ich persönlich, W. Martschenko und Vertreter anderer Mieter daran gehindert, zu unseren Arbeitsplätzen zu gelangen. Wir waren erneut gezwungen, uns an die Polizei des Schewtschenko-Bezirks von Kiew zu wenden, die diesen Gesetzesbruch protokollierte.

Ich bin überzeugt, daß die illegale Besetzung des Anwesens der Siver Ukraina LLC und das Eindringen in die von der PSPU gemieteten Räumlichkeiten zu dem Zweck erfolgte, die politischen Aktivitäten der PSPU, einer Oppositionspartei, zu behindern und fadenscheinige Vorwände für ein Verbot unserer Partei zu suchen, Strafverfahren gegen mich selbst und gegen W. Martschenko und andere Führer der Partei in Gang zu setzen sowie die Mitglieder der PSPU und die gesamte Gesellschaft einzuschüchtern.

Diese politische Maßnahme zielt darauf ab, die Freiheit der Rede und die Freiheit des Denkens und des Glaubens zu unterdrücken und diktatorische Formen der Bekämpfung der Opposition zu legalisieren. Die Behinderung der PSPU und die gesetzeswidrige Untätigkeit der ukrainischen Polizeibehörden zeichnen sich besonders durch den Umstand aus, daß die PSPU nicht nur die Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik der Regierung aus guten Gründen kritisiert, sondern unsere Partei auch eine antifaschistische Haltung einnimmt und unter Berufung auf die Normen und Prinzipien des Völkerrechts die Kollaboration der OUN-UPA [Organisation Ukrainischer Nationalisten und Ukrainische Aufstands Armee] mit Nazi-Deutschland offen angeprangert und publiziert und deren Verbrechen während der Besetzung der Ukraine durch Hitlers Kräfte aufgedeckt hat.

Die Untätigkeit der Polizeibehörden und die freie Hand, die man den Asow-Kämpfern läßt, bedeuten in Verbindung mit einem politischen Vorgehen gegen die PSPU die Gefahr der physischen Eliminierung von mir selbst, W. Martschenko und des Kerns der Aktivisten der PSPU.

Bitte widmen Sie diesem Appell Ihre vordringliche Aufmerksamkeit und verteidigen Sie die Progressive Sozialistische Partei der Ukraine gegen die Diskriminierung und die rechtswidrigen Eingriffe von Seiten staatlicher Behörden und der radikalen Guerillas. Ich bitte Sie auch, das Recht der Bürger der Ukraine sicherzustellen, sich auf der Grundlage der Verfassung der Ukraine, des Gesetzes der Ukraine „über die politischen Parteien der Ukraine“ und der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und der fundamentalen Freiheiten an den gesetzmäßigen Aktivitäten der PSPU zu beteiligen. Ich bitte Sie, für die persönliche Sicherheit von mir selbst, W. Martschenko und der Mitglieder der PSPU zu sorgen.

Natalja Witrenko, Vorsitzende der PSPU

 


Deutschlands Potential beim Ausbau der Weltlandbrücke

Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts, eröffnete am 21. Oktober mit dem folgenden Vortrag die Essener Konferenz „Deutschlands Chancen mit der Neuen Seidenstraße“.


Sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, sehr geehrter Herr Gesandter,

ich bin sehr froh, daß die Veranstaltung mit dieser wunderbaren Darbietung chinesischer Kunst angefangen hat, weil ich glaube, daß die Kunst am besten geeignet ist, um die Herzen der Menschen zu öffnen für neue Ideen.

Wir veranstalten diese Konferenz hier in Essen und haben gerade vor zwei Tagen eine ähnliche Konferenz in Lyon stattfinden lassen, zusammen mit dem „Club Chine EM Lyon FOREVER“ – die EM ist eine der größten Managerschulen Frankreichs -, und wir haben damit die Absicht ausgedrückt, daß vor allem die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich für die Neue Seidenstraße eine neue Perspektive für Europa auf die Tagesordnung setzen kann. Wir wollen durch das Veranstalten von vielen Konferenzen in vieler Hinsicht das politische, wirtschaftliche und kulturelle Potential bekannter machen, das in der Politik der neuen Seidenstraße liegt, denn die Neue Seidenstraße, die sich schon jetzt in sehr großem Tempo praktisch entwickelt, ist mit großen Schritten dabei, ein Projekt der Völkerverständigung zu werden und sich zur Weltlandbrücke zu entwickeln.

Natürlich geht es bei der Neuen Seidenstraße um ein enormes Potential an geschäftlichen „opportunities“, also geschäftlichen Beziehungen, aber es geht eigentlich noch um etwas viel wichtigeres. Es geht hier nicht nur um die Verbindung der Kontinente der Welt durch Infrastruktur und Entwicklungskorridore, und um Innovationen als Wissenschaftsmotor für die Weltwirtschaft, mit dem Ziel der Anhebung der Produktivität. Sehr viel tiefer gehend und grundsätzlicher geht es darum: Kann sich die Menschheit angesichts all der Krisen, mit denen wir im Augenblick konfrontiert sind, eine Ordnung auf dieser Welt geben, in der die Menschen friedlich zusammenleben können? Ist es der Menschheit möglich, die höhere Ebene der Vernunft zu definieren, oder sind wir gezwungen, auf den jetzt betretenen Pfaden gegen die Wand zu knallen und die Zivilisation vielleicht nicht für immer zu haben?

Ich glaube, daß es möglich ist, diese Ebene der Vernunft zu finden und auch wirksam werden zu lassen. Genauso wie die alte Seidenstraße während der Han-Dynastie vor etwa 2000 Jahren ein Austausch war nicht nur von Gütern, sondern eben auch Technologien, Kultur, Philosophie, und damals zu einer enormen Verbesserung des Lebensstandards geführt hat von allen Nationen und Regionen, die mit der alten Seidenstraße kooperiert haben, genauso, denke ich, wird es möglich sein, eine neue Seidenstraße, eine neue völkerverbindende Politik auf die Tagesordnung zu setzen.

Existentielle Gefahren

Aber ich kann über die Vorzüge dieses neuen Paradigmas nicht sprechen, ohne nicht wenigstens ganz kurz zu identifizieren, wie groß die Gefahren sind, mit denen die Welt im Augenblick konfrontiert ist, und warum meiner Meinung nach die Neue Seidenstraße nicht eine Option ist, sondern eine Notwendigkeit, wenn wir nicht wirklich in einer Katastrophe enden wollen.

71 Jahre nach Kriegsende in Europa ist das, was eigentlich undenkbar erschien – die Möglichkeit eines großen Krieges – in greifbarer Nähe, wenn der deutsche Außenminister Steinmeier kürzlich sagte, er kann eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Rußland nicht mehr ausschließen; wenn der amerikanische Vizepräsident Biden sagt, die USA würden eine Cyberattacke auf Rußland planen, zum „bestmöglichen Zeitpunkt“, wegen angeblicher russischer Manipulationen des amerikanischen Wahlkampfs, was von Konstantin Kosatschew, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates in Rußland, als die größte Bedrohung seit der Kubakrise bezeichnet wurde; wenn die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa sagt, daß die Obama-Administration eine „Politik der verbrannten Erde“ gegenüber Rußland und den USA betreibt; und wenn auf dem 7. Xiangshan-Forum in Beijing vor einer Woche russische und chinesische Militärs warnten, daß die Obama-Administration sehr weit fortgeschritten sei bei der Vorbereitung eines Erstschlages gegen diese beiden Länder auf der Basis der „Prompt Global Strike“-Doktrin!

Niemand kann behaupten, daß Europa nicht noch weitere Krisen hat. Europa, die EU nach dem Brexit: die Zukunft ist etwas unklar. Die Flüchtlingskrise hat die Fundamente Europas erschüttert, das Ansehen der EU in der Behandlung der Flüchtlingskrise ist weltweit absolut gesunken, wie ich mich selber vielfältig überzeugen mußte. Wir stehen vor einem neuen Finanzkrach wie 2008, nur diesmal potentiell viel gravierender, wobei die Krise der Deutschen Bank nur die Speerspitze ist. Und jeder weiß, daß wenn die Deutsche Bank mit ihren 42 Billionen ausstehender Derivatkontrakte bankrott gehen würde, daß dann alle die Banken, die angeblich zu groß sind zum Untergehen, die „too-big-to-fail“-Banken, mit involviert wären. Und wie ein Ex-Vorstandsmitglied einer großen europäischen Bank mir vor wenigen Tagen sagte: Wenn der Sturm losbricht und die Regierungen es nicht schaffen, die Sache unter Kontrolle zu bringen, dann werden die großen Verlierer diejenigen sein, die durch ehrliche Arbeit ihre Lebensersparnisse erarbeitet haben. Wir werden ein anderes Europa haben, voll von Unregierbarkeit – und Chaos und Revolution steht an.

Ich will das nur als das Szenario andeuten, daß wenn wir den Kurs nicht ändern, die Gefahr besteht, daß wir wirklich in eine nicht dagewesene Krise hineinkommen.

Chinas Fortschritt

Nun, da alle diese Krisen das Resultat von menschengemachter Politik sind, können wir auch optimistisch sein, daß wir, wenn wir diese Politik ändern, diese Krisen überwinden können.

Von den westlichen Medien wurde kaum berichtet, welch dramatische Veränderung sich in den letzten drei Jahren entwickelt hat, seit der chinesische Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es hat sich damit eine vollkommen neue Perspektive ergeben, die sich mit einer enormen Dynamik entwickelt, wo bereits über 70 Nationen kooperieren.

China selbst – und das werden die meisten von Ihnen wissen, entweder durch direkte Reisen oder Berichte – hat seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping eine unglaubliche Entwicklung vollzogen, von einem vollkommen unterentwickelten Land zu einem Land, das im Grunde schon teilweise eine Industrienation ist.

Und interessanterweise geschah das chinesische Wirtschaftswunder nach denselben Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, nämlich die Prinzipien, die damals von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angewandt wurden und den Ideen des deutschen Ökonomen Friedrich List nahestehen, der interessanterweise in China der bekannteste und beliebteste deutsche Ökonom ist.

China hat in 40 Jahren das an Entwicklung nachvollziehen können, wofür die Industrienationen bis zu 200 Jahre gebraucht haben. China hat längst aufgehört, auf Billigproduktion zu setzen, sondern ist bereits Weltmarktführer in vielen Bereichen, z.B. bei Schnellbahnsystemen. China hat bis Ende 2015 20.000 km Schnellbahn entwickelt, es wird bis 2025 38.000 km Schnellbahnen haben und jede große Stadt in China auf diese Weise verbunden haben. Es hat in der Digitalisierung der Industrie viele westliche Staaten überholt und ist marktführend in weiteren Bereichen.

China hat in dieser Zeit 700 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und ich behaupte, daß es kein Land gibt, das soviel für die Menschenrechte getan hat, wie eben China, denn die Armut ist die größte Menschenrechtsverletzung, und demzufolge ist das ein großer Beitrag für die menschliche Zivilisation, das getan zu haben. China hat soeben ein Weißbuch dazu veröffentlicht, daß es die extreme Armut auf der ganzen Welt überwinden will, China selbst hat nur noch drei Prozent extreme Armut und ist fest entschlossen, das bis 2020 zu überwinden.

Auf dem gerade stattgefundenen G-20-Gipfel in Hangzhou, der von China ausgerichtet wurde, hat China angekündigt, die globale Wirtschaft auf Innovation zu basieren, auf eine „Win-Win“-Kooperation, und China hat die Ambition, bis 2020 eine innovative Nation zu werden – meiner Meinung nach ist es das schon -, eine international führende innovative Nation, bis 2030 und ein „world powerhouse“ bis 2050. Die Innovation sei die primäre Antriebskraft der Wirtschaft, und China ist entschlossen, den Vorteil von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt in allen Bereichen zu eskalieren, in der modernen Landwirtschaft, in der Informationstechnologie, beim Umweltschutz, bei der Ozean- und Raumfahrtindustrie, im Bereich der Gesundheit und Dienstleistungen.

Präsident Xi Jinping hat den chinesischen Wissenschaftlern aufgetragen, in vier Bereichen fundamentale Durchbrüche zu erzielen. Erstens die Frage, was ist die Struktur der Materie? Zweitens die Frage, was ist die Evolution des Universums? Drittens, was ist der Ursprung des Lebens, und viertens, was ist die Natur des Bewußtseins?

Es überrascht vielleicht einige, aber diese chinesische Wirtschaftstheorie ist ganz nah an dem, was wir die physikalische Wirtschaft nennen, wie sie sich von Leibniz her entwickelt hat und wie sie weiterentwickelt wurde von Friedrich List, von Matthew und Henry C. Carey – die Wirtschaftsberater von Lincoln – und Wilhelm von Kardorff, der der Hauptwirtschaftsberater von Bismarck war und dem es zu verdanken ist, daß Bismarck sich von einem Anhänger der feudalen Freihandelstheorie zu einem Vertreter der physikalischen Theorie verwandelt hat und Deutschland zur Industrienation hat werden lassen.

Die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums nach dieser Theorie, die von (Lyndon) LaRouche, den wir hier auch bei uns haben, meinem Ehemann, weiterentwickelt wurde, besagt, daß die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums weder die Kontrolle der Handelsbeziehungen ist – also etwa TPP oder TTIP -, und auch nicht „billig kaufen, teuer verkaufen“, und auch nicht der Besitz an Rohstoffen, und schon gar nicht der Handel mit Derivaten und anderen spekulativen Produkten, sondern ausschließlich das kreative Potential des menschlichen Geistes und die Anwendung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts im Produktionsprozeß, der die Produktivität anhebt und damit zur Quelle der Verbesserung des Lebensstandards, der Lebenserwartung wird.

China hat mit den Staaten entlang der Seidenstraße einen umfassenden Plan entwickelt für die wissenschaftliche und technologische Kooperation, und wird gemeinsame Forschungslabors und -zentren einrichten, Technologietransfer organisieren, den Austausch von 150.000 wissenschaftlichem Personal, 5000 junge Wissenschaftler, und das Ziel ist explizit, die Produktivität in den kooperierenden Ländern anzuheben.

Beim G-20-Gipfel hat Präsident Xi Jinping angekündigt, die Durchbrüche beim wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt sofort an die Entwicklungsländer weiterzugeben, um deren Entwicklung nicht aufzuhalten.

Dieses Ideal wurde meines Wissens zum ersten Mal im 15. Jahrhundert von Nikolaus von Kues vorgestellt, der ebenfalls sagte, die menschlichen Erfindungen sind für die menschliche Gattung so wichtig, daß man sie sofort in einen internationalen Pool stellen sollte, an dem dann alle teilnehmen können, damit ihre Entwicklung nicht aufgehalten wird.

Das größte Aufbauprogramm der Geschichte

Die chinesische Seidenstraßen-Konzeption ist das größte Infrastruktur- und Industrieprogramm, das jemals auf der Erde existiert hat. Schon jetzt gibt es 30 Staatsverträge zwischen China und anderen Nationen, 70 Nationen kooperieren, insgesamt betrifft es bereits 4,4 Milliarden Menschen. Die Gesamtsumme der Investitionen beträgt 1,4 Billionen $, das ist zwölf Mal soviel wie der Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg, nach heutiger Kaufkraft bemessen.

Es ist eine Perspektive für die wirtschaftliche Transformation der Erde für die nächsten 30-40 Jahre und betrifft keineswegs nur die Handelsrouten nach Europa und Afrika. Zwar ist der Name „Seidenstraße“ von dem deutschen Geologen Ferdinand von Richthofen 1877 so geprägt worden, aber tatsächlich ist Seidenstraße ein Synonym für die Integration der Regionen und Routen für einen Austausch von Wissenschaft und Technologie, und was damals Seidentechnologie war – wie produziert man Seide, wie produziert man Porzellan -, das sind heute die modernsten Technologien, etwa die Frage der Kernfusion oder der Raumfahrttechnologie.

Es ist offensichtlich, daß die Zukunft für Deutschland in der Kooperation mit diesem Projekt liegt, denn Deutschland hat etwas, was in der ganzen Welt hochgeschätzt wird, und das ist der deutsche Mittelstand, der im Grunde am meisten beiträgt für Innovationen. Die Entwicklung Deutschlands, das ja bekanntermaßen kaum Rohstoffe hat, hat nur deshalb eine hohe Produktivität und hohen Lebensstandard erreichen können, weil wir immer eine sehr hohe Rate von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt hatten, und eine sehr hohe Exportrate. Es ist der deutsche Mittelstand, wo die meisten Erfindungen und Patente gemacht werden, woher 85% der Ausgaben für das Gemeinwohl kommen, und es ist der deutsche Mittelstand, der am meisten profitieren würde bei der Kooperation mit China – nicht nur Direktinvestitionen Deutschlands in China und Chinas in Deutschland, sondern vor allen Dingen bei Joint Ventures in den verschiedenen Projekten in Drittländern.

Rasante Veränderungen

In den letzten sechs Wochen hat diese Veränderung ein enormes Tempo erreicht, und wir haben es mit einer vollkommen neuen Ausrichtung zu tun.

Anfang September war in Wladiwostok das Wirtschaftsforum, das die Neue Seidenstraße Chinas mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) unter der Führung Rußlands integriert hat. Es waren Ministerpräsident Abe von Japan da, (Südkoreas) Präsidentin Park, mit großen Wirtschaftsdelegationen.

Das ging sofort weiter unmittelbar danach in Hangzhou beim G-20-Gipfel, wo China ein neues Modell für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Nationen präsentiert hat, fokussierend auf die UN-Charta, mit der Betonung von Souveränität und Respekt für andere wirtschaftliche und soziale Modelle. Präsident Xi sagte bei dieser Gelegenheit, das alte Modell ist nicht länger tragfähig, wir brauchen jetzt eine innovationsgelenkte Strategie. Wir werden die Spitze in Wissenschaft und Technologie bilden, und Grundlagenforschung betreiben, um die wissenschaftlichen und technologischen Probleme, die die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung hemmen, zu lösen. Wir werden die Vermarktung von Forschung und Entwicklung beschleunigen, und die strategisch aufsteigenden Branchen fördern, und die Industrie auf ein mittleres bis hohes Niveau der Wertschöpfungskette anheben.

Diese Philosophie wurde dann weiter diskutiert bei dem direkt danach stattfindenden Gipfel der ASEAN-Staaten in Laos, die wirklich eine strategische Orientierung auf China vollzogen und z.B. die chinesische Position beim Konflikt im Südchinesischen Meer übernommen haben, und die in einer gemeinsamen Erklärung sagten, die Entwicklung Chinas sei eine Chance für die gesamte Region. (Der philippinische) Präsident Duterte hat gerade bei seinem Besuch in China gesagt, daß er jetzt die Beziehung zu China priorisieren wird.

Bei der ebenfalls kurz später stattfindenden Konferenz der BRICS-Staaten in Goa, die das Kernstück der eurasischen Integration sind, wurden die gemeinsamen Interessen betont, und die bestehenden Spannungen wurden kleingeredet. Und damit ist im Grunde klar: Die asiatische Dynamik nimmt weiter zu.

Das Tempo dieser strategischen Neuausrichtung zeigt ganz klar, daß das Zentrum der Weltpolitik sich nach Asien verschoben hat. Als der erste Pilotzug vor fünf Jahren aus China kam, war das noch eine große Überraschung, inzwischen kommen pro Woche 20 Züge aus den verschiedenen Wirtschaftsregionen, von Zhenjiang, Lianyungang, Harbin, Yiwu, Wuhan, Chengdou, Chongqing, nach Duisburg, Hamburg, Rotterdam, Lyon, Madrid. Die ost- und zentraleuropäischen Länder haben längst die Vorzüge davon erkannt, mit China zusammenzuarbeiten, denn China hat jetzt in die Transportkorridore investiert, die zwar 1994 von der EU auf ihrer Konferenz in Kreta beschlossen wurden, die aber aufgrund der Austeritätspolitik der Troika nie verwirklicht wurden. China hat den Hafen von Piräus ausgebaut oder ist dabei, ihn auszubauen, es baut die Eisenbahnlinie von Serbien nach Ungarn, es verbindet den Oder-Elbe-Donau-Kanal mit den europäischen Wasserwegen. Die Regierungen Griechenlands, Serbiens, Ungarns, der Tschechischen Republik, Italiens, der Schweiz und Portugals haben ausgedrückt, daß sie den Weg in die Zukunft in der Kooperation mit der chinesischen Seidenstraße sehen.

Gleichzeitig hat sich ein paralleles Bankensystem entwickelt, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), der sofort 70 Nationen als Gründungsmitglieder beigetreten sind, obwohl die USA enormen Druck gemacht haben, das nicht zu tun, darunter so enge Verbündete wir Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan, Australien und Kanada.

Gleichzeitig hat sich die New Development Bank (NDB) der BRICS entwickelt, die ihre Tätigkeit aufgenommen hat, der Seidenstraßenfonds, der Maritime Seidenstraßenfonds, die Bank der Shanghai Cooperation Organization, das Contingent Reserve Arrangement (CRA), das gegründet wurde, um spekulative Attacken abzuwehren. Und allen Städten und Regionen, die mit diesen Projekten zusammenarbeiten, ist vollkommen klar, daß es ihnen Vorteile bringt. Z.B. ist Duisburg, das ja einmal eine Stahlstadt war und eine große Wirtschaftsflaute erlebt hat, jetzt wieder im Aufschwung, weil Duisburg als größter Binnenhafen Europas eben enorm von der Seidenstraße profitiert.

China hat Europa das Angebot gemacht, voll bei der Industrialisierung Afrikas zu kooperieren. Und was sollte uns eigentlich daran hindern, gemeinsam mit dieser Dynamik Asiens den Balkan zu entwickeln, Südeuropa, das durch die Troika-Politik in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen ist? Die Industrie von Griechenland z.B. hat sich mit der Politik der Troika um ein Drittel reduziert. Mit China und der Seidenstraße könnte das alles aufgebaut werden. Gleichzeitig muß auch der Nahe Osten dringend wiederaufgebaut werden, und natürlich Afrika.

Falsche Ideologie

Was sollte uns also hindern, auf diese Angebote einzugehen? Die Antwort ist klar, daß einige Länder – die USA und Großbritannien – auf einer unipolaren Welt bestehen, obwohl diese unipolare Welt schon längst nicht mehr existiert. Die Gefahr besteht, daß die transatlantische Welt in die sogenannte „Thukydides-Falle“ hineinfällt, d.h., im Aufstieg Asiens eine geopolitische Bedrohung zu sehen, anstatt die Chance zu erkennen, daß bei einer „Win-Win“-Kooperation alle zusammenarbeiten.

Die Propaganda gegen die Neue Seidenstraße ist enorm. So hat am 12. September das Said-Zentrum (Said Business School) der Oxford-Universität einen Bericht veröffentlicht, der behauptet, daß die immensen Investitionen Chinas in Infrastruktur – vor allem in der letzten Dekade von 10,8 Billionen Dollar-Äquivalent – der Grund seien für den baldigen Kollaps Chinas und der Weltwirtschaft. Es handelt sich da offensichtlich um einen desperaten Versuch, die Seidenstraße zu verleumden, und die Argumentation ist die der typischen Investmentbanker, zu sagen, daß Investitionen in die Infrastruktur nicht genügend Profit abwerfen.

Chinesische Offizielle haben dieses Argument schon widerlegt und gesagt, daß China eben eine andere Risikobeurteilung hat als westliche Ratingagenturen, und daß sie das Potential eines Landes in der Zukunft betrachten, während die Banker die Vergangenheit betrachten.

In der Geschichte der Industrialisierung eines jeden Landes, ganz egal, ob es sich um Deutschland, USA, Rußland oder irgendein anderes Land dreht, war die Entwicklung der Infrastruktur immer die conditio sine qua non für die Transformation in eine moderne Ökonomie.

Die Idee, daß man den Ertrag von Infrastrukturinvestitionen an dem direkten Ertrag mißt, wie z.B. der Mautgebühr bei privatisierten Autobahnen, ist offensichtlich absurd. Es geht dabei um den Anstieg der Produktivität der ganzen Nation, und je höher der Grad der Entwicklung ist, desto dichter muß das Infrastruktur-Netzwerk sein.

Wenn man also Infrastruktur mitzählt – Energie, Wasser, Kommunikation, Erziehung, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung -, dann ist vollkommen klar: je höher die Infrastrukturdichte, desto höher ist die Produktivität, der Lebensstandard der Bevölkerung, die Lebenserwartung. Und je fortschrittlicher die Industrie ist, um so mehr ist der Zeitfaktor relevant, weshalb wir absolut der Meinung sind, daß die Transrapid-Technologie eine Technologie der Zukunft bleibt, und wir werden heute nachmittag einen Vortrag zu diesem Thema hören.

Die Researcher der Oxford-Universität haben dann die Katze aus dem Sack gelassen, warum sie so einen lächerlichen Bericht veröffentlichen: Sie sagen nämlich, daß auf keinen Fall das chinesische Modell das Modell werden soll für andere Entwicklungsländer, schon gar nicht für Pakistan, Nigeria oder Brasilien. Das dürfte kein Vorbild werden.

Aber alle Prognosen, daß China (wirtschaftlich) kollabiert, sind vollkommen absurd, die gerade veröffentlichten Wachstumszahlen – Bruttoinlandsprodukt 6,7%, was genau der Vorhersage entspricht, Industrieproduktion 6,1% – welches Land in Europa würde sich über 6,1% nicht freuen? – Konsumanstieg 10%, Elektrizitätsverbrauch 4,8%, was nicht zuletzt der fortlaufenden Elektrifizierung der westlichen Gebiete Chinas zu verdanken ist.

Die Haltung dieser Investmentbanker gegen Infrastruktur ist einer der Gründe, warum wir in Deutschland einen Investitions-Rückstau haben von etwa 2 Billionen, und marode Brücken, schlechte Straßen usw. Das ist auch der Grund, warum die IWF-Konditionalitäten der letzten 50 Jahre die Infrastrukturentwicklung der Dritten Welt verhindert haben, und warum wir heute so große Flüchtlingsströme etwa aus Afrika haben, die nach Europa kommen wollen.

Kulturelle Renaissance

Es gibt ein weiteres falsches Argument, daß China eigentlich nur den anglo-amerikanischen Imperialismus ersetzen wolle durch einen chinesischen Imperialismus. Ich denke, das sind Projektionen der Leute, die diese Argumente machen, die sich einfach nicht vorstellen können, daß es heute ein Land gibt, das ein positives Modell für die Organisation der Verhältnisse auf dieser Erde hat.

Dazu muß man aber wissen, daß China nicht nur eine 2500 Jahre alte konfuzianische Tradition hat, sondern im Augenblick eine gewaltige Renaissance von konfuzianischem Denken in China auf allen Ebenen der Gesellschaft stattfindet. Dazu gehört z.B. das Ideal der lebenslangen Selbstvervollkommnung, die Idee, daß jeder Mensch eine Shuntse werden soll, ein Gelehrter. Dazu gehört die Idee der harmonischen Entwicklung aller Nationen, und das entspricht exakt der „Win-Win“-Idee von Xi Jinping, und es entspricht auch, wenn wir in Europa etwas weiter in der Geschichte zurückgehen, den Ideen von Nikolaus von Kues, der im 15. Jahrhundert bereits sagte, daß es eine Harmonie im Makrokosmos nur geben kann, wenn sich alle Mikrokosmen harmonisch und im gegenteiligen Vorteil zueinander entwickeln. Es gibt eine tiefere Affinität zwischen Konfuzianismus und Humanismus in Europa, als die meisten Menschen realisieren.

Das Problem ist nicht China, sondern das Problem ist, daß wir in Europa diese Traditionen vergessen haben oder beiseite geschoben haben: das Menschheitsideal, das assoziiert war mit der italienischen Renaissance, mit der École Polytechnique in Frankreich oder der deutschen Klassik. Wer hat heute noch das optimistische Menschenbild von Wilhelm von Humboldt, der sagte, daß das Ziel der Ausbildung der schöne Charakter sein soll? Wer hat noch die Ideen von Friedrich Schiller, der sagte: Jeder Mensch hat das Potential, eine schöne Seele zu werden, für den Leidenschaft und Pflicht, Freiheit und Notwendigkeit das gleiche ist? Und der einzige Mensch, auf den das zutrifft, ist das Genie, aber Schiller meinte, alle Menschen haben das Potential zum Genie.

Das heißt, wir haben uns von diesen humanistischen Idealen entfernt, bzw. es betrifft nur noch einen sehr kleinen Teil der deutschen Bevölkerung. Und wenn wir unsere Jugendkultur betrachten, kann niemand bezweifeln, daß die einem sehr weit fortgeschrittenen Grad der Verrohung unterliegt; Häßlichkeit ist überall zu sehen, Gewaltverherrlichung, Lehrer haben Angst vor ihren Schülern, der BDI hat vor einigen Jahren veröffentlicht, daß 25% der 15jährigen nicht anstellbar sind, weil sie keinerlei Interesse haben.

Es ist zum ersten Mal in der Geschichte in Europa und Amerika so, daß wir anscheinend akzeptieren, daß die nächste Generation schlechter dastehen wird als die jetzige. Für Jugendliche bedeutet das, daß sie keine Zukunft haben, keinen Grund, zu lernen und zu studieren.

Und das ist ganz anders in China. Die junge Generation in China hat die Erfahrung des chinesischen Wirtschaftswunders gemacht, und die meisten – nicht alle natürlich, aber die meisten – haben ein enorm optimistisches Selbstbild von sich selbst und ihrem Land.

Das heißt, auch in dieser Hinsicht könnten Europa und Deutschland mit der Seidenstraße kooperieren, damit unsere Jugendlichen wieder eine Perspektive bekommen. Deutschland ist die wichtigste Ökonomie in Europa, und ich denke, wenn wir es schaffen, daß Deutschland ganz bewußt Ja sagen würde, offiziell, zur Kooperation mit der Neuen Seidenstraße, daß das vielleicht der entscheidende Schritt wäre, den Deutschland tun könnte für die Erhaltung des Weltfriedens.

Gemeinsame Ziele der Menschheit

Es geht um ein vollkommen neues Paradigma, um eine vollkommen neue Ära in der Geschichte der Menschheit. Es geht um die Idee, daß die Menschheit als ganze eine höhere Ordnung repräsentiert als alle Nationen. Wenn wir auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit fokussieren, das, was Xi Jinping „Schicksalsgemeinschaft“ nennt oder „Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit“, dann, denke ich, ist alles möglich.

Was sind diese gemeinsamen Ziele?

Zum Beispiel die Industrialisierung Afrikas. Wenn Deutschland und Europa mit China kooperieren würden, mit Japan und Indien, die sich auch bereits in Afrika engagieren, können wir es schaffen, daß nicht mehr Zehntausende von Menschen entweder in der Sahara verdursten oder im Mittelmeer ertrinken, weil sie vor Krieg und Hunger weglaufen.

Wir könnten den Nahen Osten und den Mittleren Osten wieder aufbauen, was unsere moralische Verpflichtung ist, denn wir haben Kriege erlaubt, von denen jeder weiß, daß sie auf Lügen aufgebaut waren.

Wir könnten im Grunde allen Kindern den Zugang zur universellen Bildung geben und damit das wirkliche kreative Potential der Menschheit freisetzen.

Wir müssen uns auf neue wissenschaftliche Revolutionen konzentrieren: das Prinzip des Lebens, die kreative Fähigkeit des menschlichen Geistes als physische Kraft im Universum. Wir müssen die Prozesse im Sonnensystem besser verstehen lernen, in der Galaxie, im Universum als ganzem.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Astronauten, Kosmonauten, Taikonauten stellen, die alle berichten, daß wenn man auf die Erde vom Weltraum herabschaut, die Erde nur ein kleiner blauer Planet ist, der keine Grenzen hat, der aber auch unendlich verletzbar ist.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Krafft Ehricke stellen, dem deutschen Raketenforscher und Weltraumforscher, der die drei Gesetze der Astronautik genannt hat:

Das erste Gesetz: daß unter dem Naturrecht dieses Universums nichts und niemand dem Menschen irgendwelche Beschränkungen auferlegt, außer er selbst.

Zweitens: Das rechtmäßige Betätigungsfeld des Menschen ist nicht nur die Erde, sondern das ganze Sonnensystem und soviel vom Universum, wie er unter den Naturgesetzen erreichen kann.

Und drittens: Indem er sich im Universum ausbreitet, erfüllt der Mensch seine Bestimmung als Element des Lebens, ausgestattet mit der Macht der Vernunft und der Weisheit des Moralgesetzes in sich.

Die Infrastrukturentwicklung der Neuen Seidenstraße bedeutet deshalb nicht nur die Erschließung der landeingeschlossenen Regionen der Erde, sondern auch die Erschließung der näheren Umgebung des Weltraums. Das chinesische Mondprogramm plant mit Chang’e 4 und 5 die Landung von Raumfahrzeugen auf der erdabgewandten Seite des Mondes in zwei Jahren, mit der Absicht, später dort Helium-3 abzubauen für eine zukünftige Fusionsökonomie auf der Erde, was letztendlich der Menschheit Energie- und Rohstoffsicherheit bringen wird.

Gerade gab es das erfolgreiche Andocken des Raumfahrzeugs Shenzhou-11 an der Tiangong-Raumstation, wo jetzt zwei chinesische Taikonauten 30 Tage lang experimentieren werden. China wird in wenigen Jahren eine permanente Raumstation haben, schon 2020 oder 2022.

D.h. die Zusammenarbeit bei der Raumfahrt ist einer der wichtigsten Bereiche der gemeinsamen Ziele der Menschheit, weil sie den Menschen praktisch an allen Fronten seiner physischen und geistigen Existenz herausfordert und im höchsten Grade die Unabhängigkeit es menschlichen Geistes widerspiegelt und die Philosophie seiner Existenz überhaupt berührt.

Ich denke, daß wir nur in dieser Zukunftsorientierung und auf dieser Ebene der Vernunft die Herausforderungen, mit denen wir jetzt auf der Erde konfrontiert sind, bestehen können. Aber ich denke, wir können es.

 


Erfolgreiche Konferenz des Schiller-Instituts in Lyon und Essen: Europa muß die Chancen der Neuen Seidenstraße ergreifen!

Programm in PDF

Wiesbaden, 26.10.2016  –  Die 2013 vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping angestoßene Initiative der Neuen Seidenstraße bietet Europa enorme Chancen, seine Existenzkrisen zu überwinden und sich der Entwicklungsdynamik in Asien und der Mehrheit der Entwicklungsländer anzuschließen. Bisher wird dieses Potential in der transatlantischen Welt nicht genügend erkannt, die strategischen Neukonstellationen werden in den Medien eher als Bedrohung dargestellt. Deshalb veranstaltete das Schiller-Institut Konferenzen über die Neue Seidenstraße in zwei wichtigen europäischen Städten: im französischen Lyon, dem historischen Endpunkt der alten Seidenstraße und heute auch des ersten Güterzuges von Wuhan auf der „Eisernen Seidenstraße“, und in Deutschland in Essen im Ruhrgebiet, nahe bei Duisburg, dem ersten Haltepunkt dieser eurasischen Bahnstrecke und größten Binnenhafen Europas. Die chinesische Tageszeitung People’s Daily brachte am 24. Oktober einen Bericht über die Essener Konferenz, in dem Frau Zepp-LaRouche mit den Worten zitiert wird, das chinesische Seidenstraßenprogramm sei die „wichtigste Friedensinitative auf der Welt”, die dazu beitragen werde, die Zusammenarbeit verschiedener Nationen zu stärken, eine „Win-win”-Situation zu erreichen und die regionalen Konflikte auf einer höheren Ebene zu lösen. In Kürze wird eine Dokumentation beider Konferenzen erscheinen.

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Lyon: De Gaulle hätte bei der Neuen Seidenstraße mitgemacht!

Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Oktober in Lyon gemeinsam mit dem Club China EM Lyon FOREVER, einer Absolventenvereinigung der renommierten Lyoner Wirtschaftshochschule Ecole de Management (EM), die auch eine Zweigstelle in Shanghai hat, ein Seminar über die Perspektiven der Seidenstraße. Das Seminar war Teil einer Offensive des Schiller-Instituts, die europäischen Länder – insbesondere Frankreich und Deutschland – dazu zu bewegen, daß sie sich an Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße beteiligen. Redner der Konferenz waren die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, Professor Shi Ze vom China Institute of International Affairs, Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité und führendes Mitglied der Partei Solidarité et Progrès, sowie Jean Christoph Vautrin, der Präsident des Club China EM Lyon FOREVER. Lyon ist die Endstation einer Zugverbindung nach China, die dreimal pro Woche 11.300 km in sechs Ländern durchquert, dabei achtmal die Lokomotive und dreimal die Spurweite wechselt.

Helga Zepp-LaRouche fragte in ihrer Eröffnungsrede in Lyon: „Was würde Charles de Gaulle heute tun, um das französische Volk vor den beispiellosen Gefahren auf der Welt, nämlich der Zwillingsgefahr potentieller nuklearer Konfrontation zwischen Amerika und Rußland und der akuten Möglichkeit einer Kernschmelze des transatlantischen Finanzsystems, zu beschützen?“ Da von Menschen gemachte Politik an diesen Gefahren schuld sei, könne man sie auch überwinden, indem man einen radikal anderen politischen Kurs einschlägt. Sie stellte dann Lyndon LaRouches „Vier Kardinalgesetze“ zur Lösung der Probleme vor, um dann ähnlich wie zwei Tage später in Essen die Entwicklung und Aussichten der Dynamik der Neuen Seidenstraße und Weltlandbrücke darzustellen.

Sie berichtete über Chinas atemberaubende wirtschaftliche Entwicklung, mit der in wenigen Jahrzehnten rund 700 Millionen Chinesen aus extremer Armut gehoben wurden, und betonte, es gehe bei der Neuen Seidenstraße nicht bloß um den Austausch von Waren, sondern auch von wissenschaftlichen Kenntnissen, Technologien und Kultur, um die beteiligten Nationen zu transformieren. Dann beschrieb sie die Serie von Gipfeltreffen in Ostasien – das Treffen der G-20 in Hangzhou (China), das Ostasien-Wirtschaftsforum in Wladiwostok (Rußland) und das ASEAN-Treffen in Vientiane (Laos) – bei denen innerhalb von sechs Wochen eine enorme Zahl von Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, die von eigens dafür gegründeten Finanzinstitutionen wie der AIIB und der NDB verwirklicht werden.

Sie zitierte aus der wunderbaren Rede an die deutsche Jugend, in der de Gaulle 1962 in Ludwigsburg sagte, die Menschen sollten danach streben, „daß Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, sodaß er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und Guten beiträgt.“ Sie  verwies auf die „tiefe Affinität“ zwischen der europäischen humanistischen Tradition und dem konfuzianischen Konzept der Selbstvervollkommnung des Menschen. „Was ist heute unser Ziel? Reichen wir uns die Hand, um Afrika durch die Erweiterung der Seidenstraße zu industrialisieren, und sicherzustellen, daß alle Kinder auf dem Planeten Zugang zur universellen Bildung erhalten.“

Prof. Shi Ze erläuterte in der darauffolgenden Rede, die neue Seidenstraße kopiere nicht bloß die alte Seidenstraße. Sie übernehme, was an jener positiv war, verwende es aber in der heutigen Welt als eine Strategie für Kooperation und Frieden, wobei das grundlegende kulturelle Konzept das der Harmonie in der Vielfalt sei. Chinas Rolle habe sich in jüngster Zeit verändert: es sei nicht mehr bloß eine Handelsmacht, sondern ein Investor. Das schaffe ein enormes Potential für die Zusammenarbeit zwischen Europa und China. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere wünschten eine finanzielle Kooperation mit China. Schon jetzt gebe es 700 Mrd. Yuan an Swaps zwischen den Europäern und den Chinesen. Shi Ze betonte besonders die enge Partnerschaft zwischen China und Frankreich, seit Präsident de Gaulle ein Jahrzehnt früher als andere westliche Länder diplomatische Beziehungen zu Beijing aufnahm. Er betonte, es sei ungemein wichtig, gemeinsam in Afrika in Infrastruktur, Energie, Verkehr usw. zu investieren, so wie dies eine gemeinsame französisch-chinesische Erklärung von 2015 fordert.

Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité, sagte, paradoxerweise mache Präsident Hollande gegenüber China offenbar eine viel bessere Politik als im eigenen Land. Als privilegierter Verbündeter Chinas seit 1964 – dank de Gaulle – teile Frankreich wichtige Hochtechnologie im Austausch für Aufträge im Rahmen der rasanten Wirtschaftsentwicklung Chinas.

So werden in China Airbus-Maschinen montiert und beide Länder arbeiten seit 30 Jahren bei der Kernenergie eng zusammen. Am 30.6.2015 schlossen sie ein Abkommen über den gemeinsamen Bau von Reaktoren in Drittländern. Bierre schlug vor, im Geist von Gottfried Leibniz’ großer eurasischer Wissenschaftsstrategie aus dem 17. Jahrhundert die Kooperation bei der Raumfahrt, neuen Kernkraftgenerationen (Fusion, Kugelhaufenreaktor, Thorium-Salzschmelze-Reaktor, Spaltungs-Fusions-Hybridreaktor), der Modernisierung der Bahnverbindungen sowie Gemeinschaftsprojekten in Afrika zu stärken. All dies mache eine Rückkehr Frankreichs zu einer klaren Industrieorientierung für die Zukunft erforderlich.

Abschließend stellte Jean-Christophe Vautrian, Präsident des Club China EM (Ecole de Management) Lyon FOREVER, die Aktivitäten seiner Absolventenvereinigung vor, die Konferenzen und andere Veranstaltungen über chinesische Wirtschaftspolitik, Geschichte und Kultur organisiert.

Essen: “Win-Win” für Deutschland mit der Neuen Seidenstraße

Zur Konferenz des Schiller-Instituts, die am 21. Oktober im Essener „Haus der Technik“ stattfand, sprach der Gesandte der chinesischen Botschaft in Berlin, Herr Zhang Junhui, über den Fortschritt der Neuen Seidenstraße und über den Wunsch der chinesischen Regierung, dabei enger mit Deutschland zusammenzuarbeiten, zumal beide Länder die größten Volkswirtschaften an den beiden Enden der Seidenstraße sind.

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Eröffnet wurde die Konferenz von der Vorsitzenden des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, später sprach der französische Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade. Beide betonten, Europa müsse Imperialismus und Geopolitik aufgeben, und Frankreich und Deutschland sollten am politischen und wirtschaftlichen Erbe de Gaulles und Adenauers anknüpfen, die die jahrhundertelangen Kriege und Konkurrenz zwischen beiden Ländern beendeten, indem sie sich auf Kooperation im Interesse beider Seiten konzentrierten.

Helga Zepp-LaRouche sagte, die Neue Seidenstraße sei das größte Industrie- und Infrastrukturprogramm der Geschichte, Europa dürfe die Chance der Beteiligung daran nicht verstreichen lassen. Tatsächlich beruhe Chinas „Wirtschaftswunder“ der letzten 40 Jahre auf den gleichen realwirtschaftlichen Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.

Prof. Shi Ze vom Chinesischen Institut für Internationale Studien betonte, die Beteiligung an der Neuen Seidenstraße stehe allen Ländern offen. Deutschland sei Chinas wichtigster Handelspartner in Europa mit einem Volumen von 163 Mrd. Euro in Jahr 2015, und 1700 chinesische Unternehmen sind in Deutschland präsent. Chinas Effizienz mit Deutschlands Qualität zu verbinden und das „Made in China“ mit „Made in Germany“ zu harmonisieren – das sei das Ziel der Seidenstraßenpolitik. Der Bau von Straßen und Pipelines und die Modernisierung der Landwirtschaft entlang der gesamten Seidenstraße schaffe Chancen für die deutschen Unternehmen.

Über die Bedeutung von Chinas Programm „Gürtel und Straße“ für Afrika sprach in Essen der äthiopische Generalkonsul aus Frankfurt/M., Mehreteab Mulugeta Haile. Mit einer auf Infrastrukturaufbau gestützten wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie hat sein Land seit 25 Jahren erstaunliche Erfolge erzielt, wobei China Äthiopien entscheidende Unterstützung leistet, u.a. durch zinsgünstige Kredite. So wurde gerade am 5. Oktober die erste Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Addis Abeba und dem Hafen Dschibuti eröffnet, die den Transport äthiopischer Im- und Exporte von sieben Tagen auf nur noch zehn Stunden verkürzt. Dies ist nur das erste Teilstück eines geplanten landesweiten Bahnnetzes, das Äthiopien mit allen Nachbarstaaten verbinden soll.

Die Diskussion nach Konsul Mehreteabs Vortrag drehte sich insbesondere darum, daß Europa gemeinsam mit China zur Entwicklung Afrikas beitragen muß, da dies die einzige Möglichkeit ist, die starke Migrationswelle nach Europa – die viele Todesopfer fordert – zu beenden. Cheminade sagte, Frankreich und Deutschland müßten sich dies zur gemeinsamen Aufgabe machen. Helga Zepp-LaRouche fügte hinzu, man solle auch Italien einbeziehen, zumal Regierungschef Matteo Renzi kürzlich die Neue Seidenstraße unterstützte. Shi schlug vor, da es bisher noch keine institutionelle Zusammenarbeit gebe, zur Förderung dieser neuen Orientierung einen geeigneten neuen Mechanismus einzurichten.

Generalkonsul Mehreteab unterstützte dies nachdrücklich: statt „Entwicklungshilfe“, die unter dem Vorwand von „Menschenrechten“ an politische Bedingungen geknüpft wird, brauche Afrika Technologietransfer und Infrastruktur: „Gebt uns keinen Fisch, bringt uns lieber das Fischen bei.“ Europa solle Chinas Beispiel folgen, das Investitionen, Technologie und günstige Kredite zu international üblichen Bedingungen bereitstelle.

Cheminade erinnerte daran, daß bereits ein vordringliches Projekt auf dem Tisch liegt, zu dessen Finanzierung und Verwirklichung Europa und China viel beitragen können, nämlich die Wiederauffüllung des Tschadsees. Die beste Methode dafür sei das Transaqua-Projekt zur Umleitung eines kleineren Teils des Wassers im Kongobecken in den Tschadsee.

Die Zuhörer in Essen genossen auch eine Auszeit von der technik- und industriefeindlichen „grünen“ Ideologie, die in der deutschen Öffentlichkeit vorherrscht. Die vier weiteren deutschen Redner neben Helga Zepp-LaRouche befaßten sich damit, wie Deutschland am Aufbau der Neuen Seidenstraße mitwirken und gleichzeitig selbst vom neuen Paradigma profitieren kann.

Prof. Reinhart Poprawe, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik an der RWTH Aachen und Ehrenprofessor der Tsinghua-Universität in Beijing, sagte, China sei heute nicht mehr der Hauptproduzent von Billigwaren für die Welt, sondern mache sehr schnelle Fortschritte in verschiedenen Pionierbereichen der Forschung, wo es Deutschland, Japan und die USA eingeholt hat. Poprawe sieht Deutschland mit seinem Programm „Industrie 4.0“ in guter Ausgangsposition, um mit Chinas ehrgeizigem Programm „China 2020“ zu kooperieren.

Prof. Dieter Ameling, ehemaliger Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der etliche hohe Positionen in der deutschen Stahlindustrie innehatte, beschrieb die Perspektive einer engen Zusammenarbeit zwischen der Eisen- und Stahlindustrie in Deutschland und China, das inzwischen ein großer Stahlerzeuger geworden ist. Ameling warnte eindringlich, wenn die deutsche Regierung ihre energiefeindliche Politik beibehalte, werde die energieintensive Industrie in Länder abwandern, wo der Strompreis nicht durch eine „Energiewende“ künstlich überteuert wird. Strom in Deutschland koste schon doppelt soviel wie in den USA und 50% mehr als in Frankreich. Ameling kritisierte auch die verbreitete falsche Sichtweise, die CO2-Emissionen seien am Klimawandel schuld.

Prof. Reinhold Meisinger von der Technischen Hochschule Nürnberg, seit vielen Jahren auch an der Tongji-Universität in Shanghai tätig ist, berichtete ausführlich über die revolutionäre Magnetbahntechnik des Transrapid, die zwar in Deutschland entwickelt wurde, bisher aber nur in Shanghai kommerziell genutzt wird. Ein Teil der neuen Schnellbahnstrecken in China sei so angelegt, daß künftig darauf auch Magnetbahnen verkehren können. Allerdings wäre der Stromverbrauch eines landesweiten Magnetbahnnetzes in China viel zu hoch für „erneuerbare“ Energien, deshalb baue China Wasser- und Kernkraft stark aus.

Willy Pusch berichtete von dem Projekt der von ihm vertretenen „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ für einen Güterbahntunnel zur Umgehung des Mittelrheintals, eines wesentlichen Teils der Bahnstrecke Rotterdam-Genua. Der vorgeschlagene 118 km lange Westerwald-Taunus-Tunnel – doppelt so lang wie der neue Gotthardtunnel in der Schweiz – könnte bis zu viermal mehr Fracht bewältigen als die heutige, sehr alte Bahnstrecke. Gleichzeitig wäre es eine enorme Entlastung der Bürger im Rheintal zwischen Bonn und Mainz, die vor allem nachts unter dem unerträglichen Lärm der Güterzüge leiden.

Musikalisch eingeleitet wurden die beiden Sitzungen der Konferenz vom Gu Feng Ensemble, bestehend aus den chinesischen Musikerinnen Lini Gong (Gesang), Ya Dong (an der Pipa, der chinesischen Laute) und Zhenfang Zhang (an der Erhu, der chinesischen Spießgeige), die mehrere traditionelle chinesische Instrumentalstücke und Lieder vortrugen: Jin she kuang wu („Tanz der goldenen Schlange“), Mo li hua („Jasminblüte“), Xiao beilou („kleiner Tragekorb“) und Song wo yizhi meiguihua („Schenk mir eine Rose”). Franz Schuberts „Ständchen“, das für diese Konferenz eigens für die Begleitung durch die chinesischen Instrumente arrangiert worden war, wurde zum ersten Mal in dieser Form aufgeführt – ein Beispiel für den  Dialog der Kulturen durch die Neue Seidenstraße.

Präsentationen

 

Helga Zepp-LaRouche

Transkript von Helga Zepp-LaRouche


Prof. Shi Ze


Zhang Junhui


Jacques Cheminade


Willi Pusch


Prof. Dr. Dieter Ameling


Prof. Dr. Reinhart Poprawe


Panle 1 – Diskussion


Mehreteab Mulugeta Haile


Prof. Dr. Reinhold Meisinger


Panel 2 – Diskussion


 


EIN NEUES PARADIGMA FÜR DIE GEMEINSAMEN ZIELE DER MENSCHHEIT!

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von Helga Zepp-LaRouche

Es ist unerläßlich, daß die in diesen Tagen zusammenkommende Vollversammlung der Vereinten Nationen an die Fortschritte anknüpft, die der G20-Gipfel unter der Führung Chinas in Hangzhou erreicht hat. Die Weichen für eine neue Finanzarchitektur sind gestellt; die Chance, daß alle Nationen am Ausbau der Neuen Seidenstraße auf der Basis einer Win-Win-Kooperation teilnehmen, daß die Produktivität der Weltwirtschaft auf der Basis von Innovation gesteigert und so die Armut und Kriegsfolgen überwunden werden können, ist vorhanden wie nie zuvor.

Das Hauptproblem besteht jedoch darin, daß der „Westen“ am Status quo der unipolaren Welt und des neoliberalen Finanzsystems festhalten will, obwohl beides längst unhaltbar geworden ist. Der Aufstieg Asiens bedeutet, daß nicht eine Nation die Regeln bestimmen kann, sondern Lösungen durch Dialog und Verhandlungen gefunden werden müssen. Und das neoliberale System befindet sich in einer existentiellen Krise.

Der eine Zwilling der Globalisierung – die Politik der Regimewechsel und angeblich „humanitären“ Interventionen – hat Millionen von Menschen das Leben gekostet, unsägliches Leid für viele weitere Millionen gebracht, ganze Regionen zerstört, der Ausbreitung des Terrorismus einen Nährboden geliefert und riesige Flüchtlingswellen in Bewegung gesetzt. Alleine die Kriege gegen den Irak und Afghanistan haben laut einer Untersuchung von Professor Neta Crawford von der Brown University bisher fünf Billionen
Dollar gekostet – und mit welchem Ergebnis?

Der andere Zwilling – das System der Profitmaximierung der „too big to fail“-Banken, die angeblich zu groß sind, als daß man sie untergehen lassen dürfte – hat zu einer unerträglichen Öffnung der Schere zwischen Reich und Arm geführt. Und wenn gewisse Banken die volle Summe als Strafe für ihre kriminellen Methoden zahlen müssen, können sie Insolvenz anmelden, weil ihre Kapitaldecke nicht ausreicht. Eine neue Kernschmelze droht, die noch katastrophalere Folgen hätte als der Kollaps von Lehman Brothers 2008, weil die Instrumente der Zentralbanken nicht mehr greifen.

Zwei Berichte, die in Großbritannien veröffentlicht wurden, bieten daher eine hervorragende Gelegenheit zur Bewertung und Korrektur der bisherigen Politik. Nach dem Chilcot-Bericht, der Tony Blair die Schuld für den illegalen und auf Lügen aufgebauten Irakkrieg zuwies, veröffentlichte ein Ausschuß des britischen Parlaments jetzt eine nicht minder vernichtende Anklage gegen den früheren Premierminister David Cameron bezüglich des Krieges gegen Libyen, der auf einer fehlerhaften Einschätzung erfolgt sei und zu einem „politischen und wirtschaftlichen Kollaps, Kämpfen zwischen Milizen und Stämmen, humanitären und Flüchtlingskrisen, weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, zur Verbreitung von Waffen des Gaddafi-Regimes in der ganzen Region und zum Erstarken von ISIS“ geführt habe. In dem Bericht heißt es zur entsprechenden Rolle der USA:

„Die Vereinigten Staaten waren entscheidend bei der Ausweitung der Bestimmungen der Resolution 1973 über die Durchsetzung einer Flugverbotszone auf ‘alle notwendigen Maßnahmen’ zum Schutz der Zivilbevölkerung. In der Praxis führte dies zur Durchsetzung einer ‘Fahrverbotszone’ und zu der unterstellten Befugnis, die gesamte Führung und Kommunikation der libyschen Regierung anzugreifen.“

In die gleiche Überprüfung der bisherigen Politik gehören natürlich die Implikationen der 28 Seiten des offiziellen Berichtes der Untersuchungskommission des US-Kongresses, der die Umstände der Anschläge des 11. September 2001 beleuchtet, und des sogenannten JASTAGesetzes, die eine vollkommen neue Untersuchung erfordern.

Angesichts des horrenden Leids, das diese verfehlte Politik verursacht hat – den Millionen von Toten und Verwundeten, traumatisierten Kindern und Soldaten (durchaus auch bei den angreifenden Nationen), Zerstörung von Städten, Dörfern, Infrastruktur und unersetzbaren Kulturgütern –, ist es nicht nur angebracht, sondern eine moralische Bringschuld, daß die Staaten, die sich in diversen „Koalitionen der Willigen“ an diesen Kriegen beteiligt haben, den politischen Prozeß in ihren Parlamenten aufarbeiten und sich am Wiederaufbau der zerstörten Regionen voll und ganz beteiligen. Dadurch werden die Toten nicht wieder lebendig, aber das Eingeständnis der Schuld und die beherzte Wiedergutmachung würde den heute lebenden Menschen die Hoffnung auf eine Zukunft geben.

Der Status quo ist nicht zu halten. Ein enormer Vertrauensverlust der Bevölkerung in der transatlantischen Welt ist das Resultat der beiden Zwillinge der Globalisierung. Rechtspopulistische bis rechtsextreme Parteien gewinnen massiven Zulauf, die Verhältnisse der 1930er Jahre drohen sich in neuer Form zu wiederholen, die EU zerbröckelt; die Flüchtlingskrise wird durch die Sicherung der Außengrenzen der EU nicht gelöst, sondern nur verlagert und aus den Nachrichten entfernt. Die amerikanische Wirtschaft kollabiert und die Gesellschaft dort ist zerrissen und von Gewalt erfaßt wie nie zuvor. Entweder dieser Prozeß führt zu einer Eskalation der Konfrontation gegen Rußland und China und zur Auslöschung der Menschheit in einem großen Krieg – oder die führenden Politiker des Westens haben die moralische Integrität, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Die Weichen sind gestellt

Um zu der positiven Aussage des Anfangs dieses Appells zurückzukehren: Die Weichen für den Ausweg aus dieser zivilisatorischen Krise sind seit dem G20-Gipfel gestellt. China hat nicht nur eine neue Ebene der Zusammenarbeit präsentiert, die nicht auf Geopolitik sondern auf einer Politik im gegenseitigen Interesse basiert, sondern es hat zusätzlich die Industrialisierung Afrikas und anderer Länder mit geringem Einkommen versprochen und damit einen Lösungsweg aufgezeigt, wie sowohl die Flüchtlingskrise als auch das Umfeld des Terrorismus beseitigt werden können. Offensichtlich erfordert der Ausbau der Neuen Seidenstraße in den Nahen Osten und nach Afrika Wachstumsraten von 7-10 Prozent.

Und prompt meldet sich der Club of Rome mit einem neuen Bericht mit dem zynischen Titel „Ein Prozent [Wachstum] ist genug“, was in der Konsequenz auf eine Bevölkerungsreduktion hinausläuft – eine faschistische Politik, für die der Club of Rome berüchtigt ist. Die UN betonte kürzlich in einer Stellungnahme, daß Afrika mindestens 7-8% Wirtschaftswachstum braucht. Wenn einer der Autoren, Jorgen Randers aus Norwegen, die abstruse Aussage macht: „Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt“, weil sie 30mal soviel Energie verbrauche wie ein Mädchen in einem Entwicklungsland, dann zeigt dies, auf der Basis welchen Menschenbildes der Club of Rome argumentiert, nämlich einem bestialischen.

Der Mensch ist aber im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen fähig, sein kreatives Potential immer wieder zur Entdeckung neuer Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten des Universums einzusetzen – das nennt man wissenschaftlichen Fortschritt –, und diesem unbegrenzten Vervollkommnungsprozeß des menschlichen Geistes entsprechen die Gesetze des physischen Universums, das sich zu immer höheren Energieflußdichten entwickelt. Wir befinden uns nicht in einem geschlossenen System auf der Erde, wie der Club of Rome und ähnliche Organisationen behaupten, sondern unser Planet ist integraler Teil des Sonnensystems, der Galaxis und des Universums, und die Weltraumforschung ist dabei, diese immer mehr zu entdecken. Diese Forschung bringt uns viele Vorteile auf der Erde, und deshalb ist es phantastisch, daß China auf dem G20-Gipfel gerade die Einbeziehung der Entwicklungsländer in die am weitesten entwickelten Forschungsergebnisse angekündigt hat.

Die Menschheit ist an einem Scheidepunkt angelangt. Wenn wir auf ausgetretenen Pfaden wandeln, mit einer Politik des „weiter so“, dann droht die Welt vollends aus den Fugen zu geraten. Wenn wir uns hingegen auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit einigen können – eine Wirtschafts- und Finanzordnung, die dem Gemeinwohl der ganzen Menschheit dient und ein menschenwürdiges Leben für jeden Menschen auf dieser Erde ermöglicht, die Sicherung von Rohstoffen und Energie durch entwickelte Technologien wie die Kernfusion, die Erforschung des Weltalls zur Sicherung unseres Planeten, eine Renaissance der klassischen Kulturen –, dann können wir eine neue, bessere Epoche in der Geschichte unserer Gattung einläuten.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen ist der würdige Ort, an dem das neue Paradigma der einen Menschheit, jenseits der Differenziertheit der Nationen, etabliert und zelebriert werden muß.


Presseerklärung

28. Juni 2016 – Auf der zweitägigen internationalen Konferenz des Schiller-Instituts in Berlin versammelten sich mehr als 300 Gäste aus 24 Nationen und vier Kontinenten zu einem intensiven und fundierten Dialog darüber, wie die unmittelbare Weltkriegsgefahr gestoppt und statt dessen ein neues Paradigma weltweiter Zusammenarbeit und Entwicklung auf Grundlage eines Dialogs der Zivilisationen und der einzigartigen menschlichen Kreativität geschaffen werden kann. Die Konferenzteilnehmer waren extrem besorgt über die eskalierende geopolitische Konfrontation des Westens gegen Rußland und China und die daraus resultierende Gefahr eines thermonuklearen Krieges. In einer Resolution forderten sie ein sofortiges Ende der Sanktionen gegen Rußland und Syrien. Die Beendigung des Krieges in Syrien und der Wiederaufbau dieses kriegszerrütteten Landes wie auch der Gesamtregion Südwestasiens war einer der Schwerpunkte der Konferenz. Sehr eindringlich äußerte sich hierzu per Videobotschaft Frau Dr. Bouthaina Shaaban, Beraterin und Sprecherin der Präsidentschaft der Syrischen Arabischen Republik, die anschließend per Livestream Fragen aus dem Publikum beantwortete.

Die Konferenzteilnehmer waren auch zu einem gemeinsam von NICE e.V. und dem Schiller-Institut ausgerichteten „Musikalischen Dialog der Kulturen“ eingeladen, der als Konzert mit freiem Eintritt in einer Gemeindekirche stattfand. Vor fast 500 Zuhörern führten die Camerata Geminiani, der Chor des internationalen Schiller-Instituts und andere Musiker klassische Werke in der Verdi-Stimmung auf, und zwei weitere Chöre präsentierten Volkslieder aus Rußland, der Ukraine und China. Es wurde deutlich, daß nur durch die Schaffung eines neuen Paradigmas für die Menschheit, eine Renaissance des Schönen, mit der die kulturellen Höhepunkte der jeweiligen Zivilisationen bekannt gemacht und gefördert werden, die Menschheit vor dem Abgrund gerettet werden kann.

Die Konferenz-Panels

Das erste von fünf Panels „Die strategische Krise ist gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges“ wurde eingeleitet von Helga Zepp-LaRouche, Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts. Weitere Redner waren Chas Freeman, ehemaliger US-Botschafter in Saudi-Arabien, Oberst i.R. Alain Corvez, ehemaliger Berater des französischen Verteidigungs- und Innenministeriums, OTL a.D. Ulrich Scholz, ehemaliger Luftwaffenoffizier, NATO-Planer und Dozent über Luftkampfführung, sowie der amerikanische Ökonom und Staatsmann Lyndon LaRouche.

Sprecher des zweiten Panels „Die Krise des transatlantischen Finanzsystems und ihre Lösung“ waren Jacques Cheminade, französischer Präsidentschaftskandidat, Marco Zanni, Leiter der M5S-Delegation im Ausschuß des Europaparlaments für Wirtschafts- und Währungsfragen, Daisuke Kotegawa vom Canon Institute und ehemaliger Vertreter Japans beim Weltwährungsfonds, und Leonidas Chrysanthopoulos, ehemaliger Botschafter Griechenlands in Polen, Kanada und Armenien und ehemaliger Generalsekretär der Organisation für Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation.

Im dritten Panel „Die Neue Seidenstraße – Inbegriff des neuen Paradigma“ sprachen Dr. Ren Lin von der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CSS) mit der „Ein Gürtel, eine Straße“-Politik Chinas als Forschungsschwerpunkt, S.E. Hamid Sidig, Botschafter und Außerordentlicher Repräsentant der Islamischen Republik Afghanistan in Deutschland, und Egbert Drews, Vorstandsmitglied der Marwiko AG, Berlin.

Die Konferenzberatungen am Sonntag setzten das Panel über die Neue Seidenstraße fort, mit besonderer Betonung der Syrien-Krise und der Notwendigkeit, die geopolitische Konfrontation und

den vom Ausland finanzierten Terrorismus zu beenden. Nach einem vorbereiteten Videobeitrag über die Lage in Syrien von Frau Dr. Bouthaina Shaaban hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu einem bewegenden 30minütigen Livedialog direkt aus Damaskus mit Frau Dr. Shaaban, die dazu aufrief, statt Krieg und Zerstörung ein neues Paradigma kreativer menschlicher Entwicklung („eine intellektuelle Seidenstraße“) zu schaffen.

Michel Raimbaud (ehemaliger französischer Botschafter in der arabischen Welt, Afrika und Lateinamerika und ehemaliger Direktor des Französischen Amts für den Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen) hatte zuvor das Panel mit einem leidenschaftlichen Appell eröffnet, den Frieden in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht wiederherzustellen – in Syrien und überall sonst. Hussein Askary, Arabien-Korrespondent von EIR, präsentierte ein Video über den Wiederaufbau von Aleppo im Kontext der Neuen Seidenstraße, gefolgt von einem Beitrag von Prof. Talal Moualla, Aufsichtsrat des Syrischen Entwicklungsfonds und Vorstandsdirektor des Projekts „Transformation des syrischen kulturellen Erbes“ im syrischen Kultusministerium. Abgeschlossen wurde die Vortragsrunde von Bereket Simon, Vorsitzender der Commercial Bank of Ethopia und Berater des äthiopischen Premierministers, und einer Videobotschaft von Fouad Al-Ghaffari, Vorsitzender des Beratenden Komitees für die Koordinierung mit den BRICS-Staaten aus dem kriegsgeschüttelten Jemen.

Sprecher des vierten Panels „Die Pioniergebiete der Wissenschaft: Die neue Wirtschaftsplattform auf der Grundlage der Kernfusion und die Zukunft der Menschheit im Weltraum“ waren Adeline Djeutie, ehemalige Mitarbeiterin der IAEA und jetzt selbständige Beraterin in Wien, Alain Gachet, Vorsitzender von Radar Technologies International aus Frankreich, und Rainer Sandau, Technischer Direktor für Satelliten und Weltraumanwendungen der Internationalen Akademie der Astronautik (IAA).

Nach einer musikalischen Einleitung mit klassischer Musik erläuterte der Geiger Gian Marco Sanna, Gründer und künstlerischer Leiter des Camerata-Projekts in London, im letzten Panel die Bedeutung der wissenschaftlichen Stimmung von A=432 Hz („Verdi-Stimmung“), für die sich das Schiller-Institut seit Jahrzehnten einsetzt. Hussein Askary präsentierte die „Elefantenuhr“ als Beispiel der Schönheit der islamischen Renaissance und deren Beziehung zur alten Seidenstraße. Danach kamen die Podiumsredner mit Frau Zepp-LaRouche und Lyndon LaRouche zu einer abschließenden Diskussionsrunde darüber zusammen, wie eine globale Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit erreicht werden kann. Die Hauptaussage dabei war, daß die derzeitige tödliche Gefahr für die Zivilisation nur abgewendet werden kann, wenn das schöpferische Potential in jedem einzelnen Menschen gefördert wird.

Für weitere Informationen:

Frau Leona Meyer-Kasai, Schiller-Institut, Berlin, mail: konferenz2016@schiller-institut.de

Konferenzprogramm PDF

 


TASS-Interview mit Zepp-LaRouche: USA und Europa brauchen Neue Seidenstraße dringender als Asien

Die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche – in China als „Seidenstraßen-Lady“ bekannt, da sie sich zusammen mit ihrem Ehemann Lyndon LaRouche als erste in Europa für die Politik der Neuen Seidenstraße eingesetzt hat -, gab am 31. Mai der offiziellen russischen Nachrichtenagentur TASS ein Interview. In der Einleitung zu dem Interview heißt es: „Eine wachsende Zahl von Ländern und anderen Kräften weltweit erkennt, daß die Sanktionen [gegen Rußland] keine Zukunft haben und daß eine globale Kooperation notwendig ist. Helga Zepp-LaRouche, die Präsidentin des Schiller-Instituts, äußerte diese Meinung in einem Interview mit TASS.“


TASS: Wie bewerten Sie die gegenwärtige internationale Lage?

Zepp-LaRouche: Es gibt derzeit zwei vollkommen entgegensetzte Dynamiken auf der Erde. Auf der einen Seite konvergieren Putins sehr erfolgreiche militärische Flankenaktionen, wie seine Intervention in Syrien, die das Potential für einen Frieden geschaffen hat, mit seinen verschiedenen diplomatischen Interventionen in Asien, die den chinesischen Seidenstraßen-Initiativen parallel laufen. Diese Bemühungen bedeuten eine Win-Win-Perspektive für jetzt schon mehr als 70 teilnehmende Länder.

Auf der anderen Seite betreiben die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die EU und die NATO eine extrem gefährliche Konfrontation gegen Rußland und China, was die Welt in eine vielschichtige Krise gestürzt hat, die gefährlicher ist als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.

TASS: In welchen Bereichen ist dies besonders aktiv, und in welchen nicht?

Zepp-LaRouche: Im Falle Syriens sind die Kooperation zwischen Außenminister Lawrow und US-Außenminister Kerry sowie die Kooperation zwischen Rußland und den USA in Genf sehr positiv. Aber solange die USA ihre Politik des Regimewechsels nicht aufgeben, bleibt die Situation gefährlich. Präsident Putin hat sich als ein brillanter Stratege erwiesen. Dies macht zuversichtlich, daß es den Kriegstreibern in der NATO nicht gelingen wird, Rußland in eine Falle zu locken und ihnen einen Vorwand für einen präventiven Angriff zu liefern.

TASS: In welchen Bereichen muß die Kooperation zwischen dem Westen und Rußland verstärkt werden? Und warum?

Zepp-LaRouche: Die Realität ist, daß der gesamte transatlantische Sektor bankrott ist und kurz vor einem noch größeren Kollaps steht als 2008. Nach seinem sehr wichtigen Besuch in Rußland hat Japans Ministerpräsident Abe beim jüngsten G7-Gipfel nachdrücklich auf diesen Umstand hingewiesen, aber Präsident Obama hat ihm widersprochen und betont, daß der „Aufschwung voranschreitet“, was angesichts der Negativzinsen der Zentralbanken und der Debatte über das „Helikoptergeld“ absurd ist.

Deshalb braucht der Westen noch mehr als Asien eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nach Art der Politik „Ein Gürtel, eine Straße“ und der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Eurasien von Wladiwostok bis Lissabon eint, aber auch die Vereinigten Staaten einlädt, sich an dieser Perspektive zu beteiligen. Eine Katastrophe kann nur vermieden werden, wenn es uns gelingt, die Geopolitik zu überwinden und ein neues Paradigma auf Grundlage einer globalen Entwicklungspartnerschaft und den gemeinsamen Zielen der Menschheit zu erreichen.

TASS: Warum behindert der Westen, trotz der offensichtlichen Bedrohung durch Terrorismus, Cyberkriminalität und andere internationale Herausforderungen, die Kooperation mit Rußland?

Zepp-LaRouche: Fast alle wichtigen Konflikte beruhen auf dem Versuch des anglo-amerikanischen Empire, eine unipolare Welt zu erhalten, obwohl es diese schon gar nicht mehr gibt. Immer mehr Kräfte auf der Welt erkennen, daß sie existentielle Entscheidungen treffen müssen, und daß dem Interesse ihrer Länder weit besser gedient ist, wenn die Sanktionen und die Konfrontation gegen Rußland und China beendet werden. Die Tatsache, daß Rußland und China eine starke strategische Partnerschaft – mit Indien als drittem Partner – geschlossen haben, hat das strategische Gleichgewicht der Welt verändert. Immer mehr Länder sehen es als vorteilhafter an, für ihre Entwicklung zusammenzuarbeiten, als unter dem Joch militärischer Konfrontation zu stehen. Wir stehen an einer Wegscheide der Geschichte, und in solchen Momenten kommt es auf die Führung an, wie wir sie bei Präsident Putin sehen.

Quelle: http://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/3325807

 

 

 


Frankfurter Seminar: „Pessimist zu sein, ist zu einfach“

„Die Wirtschafts- und Flüchtlingskrisen mit der Neuen Seidenstraße lösen!“ – Unter diesem Titel fand am 23. März ein halbtägiges Seminar statt, das vom Wiesbadener Verlag EIR in Zusammenarbeit mit dem äthiopischen Generalkonsulat in Frankfurt veranstaltet wurde.

Das Publikum setzte sich zu einem guten Drittel aus Angehörigen diplomatischer Vertretungen in Frankfurt zusammen, insgesamt waren – dem Thema des Seminars angemessen – mit allen Teilnehmern etwa 20 Nationen präsent. Mit Ausnahme des äthiopischen Generalkonsuls waren die Redner von weither angereist – aus Italien, aus Schweden, aus dem Tschad, und Hussein Askary kam direkt aus Kairo, wo er wenige Tage zuvor im Beisein des ägyptischen Verkehrsministers die erste arabischsprachige Übersetzung des EIR-Berichts über die Weltlandbrücke der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Parallel zum Frankfurter Seminar fand übrigens auch in Jemen ein Seminar zum selben arabischsprachigen Bericht statt – quasi unter dem Bombenhagel saudischer Luftangriffe auf jemenitische Städte.

Das Seminar wurde eröffnet mit einer Grundsatzrede von Helga Zepp-LaRouche, der Vorsitzenden des internationalen Schiller-Instituts und Bundesvorsitzende der BüSo, gefolgt von Hussein Askary, dem Arabien-Redakteur von EIR in Stockholm, danach sprach Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Föderalen Demokratischen Republik Äthiopien. Reden von Marcello Vichi und Andrea Mangano, beide führend beteiligt am Transaqua-Projekt, schlossen den ersten Teil des Seminars ab. Mohamad Bila vom Vorstand der Tschadsee-Kommission und Ulf Sandmark vom Schiller-Institut in Stockholm eröffneten den zweiten Teil, dem dann über zwei Stunden intensive Diskussionen folgten. Das gesamte Seminar wurde moderiert von Claudio Celani vom EIR-Verlag.

Eingeleitet wurde der Diskussionsteil mit Ausführungen Helga Zepp-LaRouches zur anhaltenden Rolle des Britischen Empires im globalen Finanzsektor und vor allem in führenden Institutionen der internationalen „Umweltbewegung” wie dem Club of Rome und dem World Wildlife Fund, die vehement große Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte wie Transaqua bekämpfen. Das stark wankende transatlantische Finanz- und Wirtschaftssystem mit London im Zentrum ist in seinem Versuch, die nicht länger zu haltende globale Vorrangstellung selbst durch Kriege und sogar einen neuen Weltkrieg zu behaupten, eine Bedrohung der gesamten Menschheit im Zeichen der atomaren Überrüstung! Dazu passe, daß der Umwelt-Guru von Bundeskanzlerin Merkel, Joachim Schellnhuber (Träger des Ordens „Commander of British Empire”) eine maximale Weltbevölkerung von einer Milliarde anstrebe. Die Alternativen liegen auf dem Tisch, betonte Helga Zepp-LaRouche, wie im Falle des ersten, 1976 veröffentlichten Afrika-Programms einer Arbeitsgruppe um Lyndon LaRouche schon seit 40 Jahren; Wenn man wirklich wolle, könnten der Hunger in Afrika in einem halben Jahr und die Armut auf dem Kontinent innerhalb von fünf Jahren beseitigt und in 10-20 Jahren ein würdiger Lebensstandard für alle Afrikaner erreicht werden, sagte Helga Zepp-LaRouche.

In seiner Antwort auf eine Frage aus dem Publikum nach seiner Ägyptenreise sagte Hussein Askary dann, es gebe ganz klar eine neue Dynamik in der internationalen Politik, und die Entwicklungen in Ägypten seien Teil der sich ausbreitenden Revolte gegen das westliche System. Wenn man 25 Jahre zurückblicke, als die Idee der „Neuen Seidenstraße” von Helga Zepp-LaRouche in die Diskussion gebracht wurde, und mittlerweile die offizielle chinesische Politik hinter demselben Konzept sehe, werde diese neue Dynamik sichtbar.

Ägypten selbst, so erläuterte er weiter, stehe unter Bedrohung durch Terrorismus von innen und durch finanzielle Kriegsführung von außen, habe deshalb auch enorme Probleme, die es aber bisher im Griff hat, weil die Ägypter eine Vision des Fortschritts haben und sich nicht abhängig machen von äußeren Finanzquellen. Immerhin gebe es 400,000 Ingenieure im Lande, das Potential für eine breite wirtschaftliche Entwicklung sei also vorhanden.

Mohamad Bila erwähnte auf eine Frage zum Stand des Tschadsee-Projekts die vielen Widerstände, auf die das Transaqua-Konzept in den letzten 30 Jahren auch in Afrika selbst gestoßen sei, erläuterte dann aber, daß es bei diesem Konzept nicht nur um Wasser für den Tschadsee gehe, sondern um ein umfassendes Entwicklungsprojekt für gesamt Zentralafrika. Die Region habe keine nennenswerte Infrastruktur – weder Straßen noch Strom, andererseits sei Wasser im Kongo und seinen Zuflüssen reichlich vorhanden. Das Wasserprojekt sei Teil eines größeren Programms für die gesamte Region, nur so könne man es verwirklichen, sagte Bila.

Claudio Celani wies in diesem Zusammenhang auf die zerstörerische Rolle der Terroristen von Boko Haram in der Region um den Tschadsee hin, wo sie für lange Zeit die wichtigsten Verkehrsverbindungen unterbrochen hatten, jetzt aber durch die unter nigerianischer Führung stehende militärische Eingreiftruppe von sechs afrikanischen Staaten niedergekämpft wurden, so daß die Sicherheitslage wieder unter Kontrolle und somit eine der wichtigsten Bedingungen für die Verwirklichung des Transaqua-Projekts erfüllt sei.

Der äthiopische Generalkonsul demontierte in einem Diskussionsbeitrag die westliche Propaganda über die angebliche Rohstoffgier der Chinesen in Afrika mit dem nüchternen Hinweis, sein Land besäße gar kein Öl und kein Gas, auf das China scharf sein könne, sondern unterstütze das Land als Entwicklungspartner ohne Vorbedingungen.

Ulf Sandmark berichtete in der Diskussion über seine erste Reise nach Syrien 2014, die darauf folgende Arbeit am Phönix-Aufbauplan für das Land und das große Interesse, das dieser Plan während des zweiten Syrien-Besuchs auch in den Landesmedien fand. Dieser Plan wie auch der Landbrückenbericht von EIR in englischer und jetzt auch arabischer Sprache müsse, so Sandmark, gewissermaßen zum Lehrbuch für alle werden, die eine neues Paradigma schaffen wollen; überall müßten sich Arbeitsgruppen bilden und regelmäßig zusammentreffen, und vor allem müsse der Druck auf die politischen Eliten massiv erhöht werden, damit sich die Dinge zum Besseren ändern.
Kamil Maqsou verlas als Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde in der Schweiz eine Erklärung, in der er darauf hinwies, daß ein erheblicher Teil der syrischen Flüchtlinge Christen sind, die ihr Land verlassen, um der Verfolgung durch den Islamischen Staat zu entgehen.

Gegen Ende der Diskussion kam aus dem Publikum die Frage, wieviel Zeit noch bleibe zur Umsetzung der vorgestellten Programme; die akute Gefährlichkeit der Krise sei ja nicht zu übersehen, die Ereignisse von Brüssel machten die Dringlichkeit nur noch deutlicher. Hierauf antwortete Helga Zepp-LaRouche, in der Tat gehe es ja nicht nur um die Seidenstraßenpläne, da sei ja schon viel auf dem Wege, es gehe eben auch um den Ausstieg aus dem unhaltbaren westlichen Finanz- und Wirtschaftssystem, das Bankenwesen müsse sich gemäß dem Glass-Steagall-Standard umorientieren, ehe alles in sich zusammenbreche und möglicherweise in Chaos und Krieg münde. Die Alternativen zum transatlantischen System müsse man jetzt aus den Schubladen herausholen und verwirklichen – niemand könne unbeteiligter Beobachter bleiben, weil wir alle eben auf einem Pulverfaß säßen, das jede Sekunde explodieren könne. Optimistisch könne man nur in die Zukunft blicken, wenn man von diesen Alternativen ausgehe, sagte Helga Zepp-LaRouche.

Dem schloß sich Marcello Vichi an, indem er sagte, man müsse Optimist sein, denn Pessimist zu sein, sei wirklich zu einfach, zumal heutzutage. In seiner Firma Bonifica (die den Transaqua-Plan erstellt hat) habe er seine Mitarbeiter jedenfalls immer daran erinnert, sie würden für Optimismus bezahlt und nicht für Pessimismus.

Im Schlußwort des Seminars, bei dem es viel Applaus für die Redebeiträge gegeben hatte, richtete Helga Zepp-LaRouche einen Appell an alle Teilnehmer, mitzuwirken an einer neuen Renaissance, an einer Massenbewegung für Entwicklung, wobei das Beste jeder Kultur, die deutsche und europäische Klassik ebenso wie der chinesische Konfuzianismus, die Gupta- und Vedenperioden Indiens, und die besten Traditionen Persiens und Afrikas eingebracht würden. Schließlich sage man ja, die gesamte menschliche Entwicklung komme letztendlich aus Äthiopien. Wenn man all das mobilisiere, werde man die barbarische Kultur von heute überwinden.


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