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Malcolm Fraser: „Der Westen sollte mit BRICS zusammenarbeiten“

Malcolm Fraser

Malcolm Fraser war von 1975-1983 Premierminister Australiens. Er übermittelte der Konferenz die folgende Grußbotschaft.


Ich wünsche Ihnen Erfolg bei Ihren Beratungen. Wir brauchen dringend eine kooperativere und inklusivere Welt. Der Westen muß bereit sein, die Folgen schwerwiegender Fehler der Vergangenheit zu erkennen und anzuerkennen. Die Ostausweitung der NATO hat der ganzen Welt verkündet, daß der Westen Rußland nicht als Partner für Zusammenarbeit haben wollte, sondern als einen besiegten Feind, der immer weiter an den Rand gedrängt wird. Es ist keine Überraschung, daß das Vorgehen der NATO zu einem kühlen oder sogar verdorbenen Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten, der NATO und Rußland geführt hat. Ein kooperatives Verhältnis wurde praktisch unmöglich gemacht.

Andere westliche Initiativen endeten im allgemeinen als Fehlschlag. Der Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits war ein überwältigender Erfolg, aber die Chancen, die sich aus diesem Krieg hätten ergeben können, an dem 34 Nationen mit Bodentruppen teilnahmen, wurden verworfen wegen der Politik der Neokonservativen mit ihren Vorstellungen von der Einzigartigkeit Amerikas und seiner besonderer Bestimmung. Nach dieser Vorstellung war alles, was Amerika tat, richtig, nur weil Amerika es tat. Der zweite Krieg im Irak war eine völlige Katastrophe, die absehbar religiöse Gewalt entfesselte, die die ganze Region erfaßte und immer noch plagt.

Der Westen hat einen neuen Krieg gegen den Islamischen Staat im Irak und in Syrien angefangen, doch ohne die Mittel, diesen Krieg zuende zu führen oder Frieden zu schaffen. Wir brauchen eine neue und offenere Gesellschaft, wo andere an der Aufstellung der Regeln, die alle betreffen, mitwirken können. Es gibt einen Währungsfonds und eine Weltbank, die von amerikanischen und westlichen Interessen beherrscht sind, da ist es keine Überraschung, daß es nun Vorstöße gibt, diese Institutionen zu umgehen und Alternativen zu schaffen.

Es gibt eine Option, indem nämlich die mächtigsten westlichen Nationen erkennen, daß auf der Welt große Veränderungen stattfinden, daß der strategische Kontext sich gewandelt hat, daß andere Mächte wie die BRICS aufsteigen und daß der Westen mit ihnen als Partner zusammenarbeiten sollte, um eine gleichberechtigtere und gerechte Welt aufzubauen.