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Erfolgreiche Konferenz des Schiller-Instituts in Lyon und Essen: Europa muß die Chancen der Neuen Seidenstraße ergreifen!

Erfolgreiche Konferenz des Schiller-Instituts in Lyon und Essen: Europa muß die Chancen der Neuen Seidenstraße ergreifen!

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Wiesbaden, 26.10.2016  –  Die 2013 vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping angestoßene Initiative der Neuen Seidenstraße bietet Europa enorme Chancen, seine Existenzkrisen zu überwinden und sich der Entwicklungsdynamik in Asien und der Mehrheit der Entwicklungsländer anzuschließen. Bisher wird dieses Potential in der transatlantischen Welt nicht genügend erkannt, die strategischen Neukonstellationen werden in den Medien eher als Bedrohung dargestellt. Deshalb veranstaltete das Schiller-Institut Konferenzen über die Neue Seidenstraße in zwei wichtigen europäischen Städten: im französischen Lyon, dem historischen Endpunkt der alten Seidenstraße und heute auch des ersten Güterzuges von Wuhan auf der „Eisernen Seidenstraße“, und in Deutschland in Essen im Ruhrgebiet, nahe bei Duisburg, dem ersten Haltepunkt dieser eurasischen Bahnstrecke und größten Binnenhafen Europas. Die chinesische Tageszeitung People’s Daily brachte am 24. Oktober einen Bericht über die Essener Konferenz, in dem Frau Zepp-LaRouche mit den Worten zitiert wird, das chinesische Seidenstraßenprogramm sei die „wichtigste Friedensinitative auf der Welt”, die dazu beitragen werde, die Zusammenarbeit verschiedener Nationen zu stärken, eine „Win-win”-Situation zu erreichen und die regionalen Konflikte auf einer höheren Ebene zu lösen. In Kürze wird eine Dokumentation beider Konferenzen erscheinen.

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Lyon: De Gaulle hätte bei der Neuen Seidenstraße mitgemacht!

Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Oktober in Lyon gemeinsam mit dem Club China EM Lyon FOREVER, einer Absolventenvereinigung der renommierten Lyoner Wirtschaftshochschule Ecole de Management (EM), die auch eine Zweigstelle in Shanghai hat, ein Seminar über die Perspektiven der Seidenstraße. Das Seminar war Teil einer Offensive des Schiller-Instituts, die europäischen Länder – insbesondere Frankreich und Deutschland – dazu zu bewegen, daß sie sich an Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße beteiligen. Redner der Konferenz waren die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, Professor Shi Ze vom China Institute of International Affairs, Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité und führendes Mitglied der Partei Solidarité et Progrès, sowie Jean Christoph Vautrin, der Präsident des Club China EM Lyon FOREVER. Lyon ist die Endstation einer Zugverbindung nach China, die dreimal pro Woche 11.300 km in sechs Ländern durchquert, dabei achtmal die Lokomotive und dreimal die Spurweite wechselt.

Helga Zepp-LaRouche fragte in ihrer Eröffnungsrede in Lyon: „Was würde Charles de Gaulle heute tun, um das französische Volk vor den beispiellosen Gefahren auf der Welt, nämlich der Zwillingsgefahr potentieller nuklearer Konfrontation zwischen Amerika und Rußland und der akuten Möglichkeit einer Kernschmelze des transatlantischen Finanzsystems, zu beschützen?“ Da von Menschen gemachte Politik an diesen Gefahren schuld sei, könne man sie auch überwinden, indem man einen radikal anderen politischen Kurs einschlägt. Sie stellte dann Lyndon LaRouches „Vier Kardinalgesetze“ zur Lösung der Probleme vor, um dann ähnlich wie zwei Tage später in Essen die Entwicklung und Aussichten der Dynamik der Neuen Seidenstraße und Weltlandbrücke darzustellen.

Sie berichtete über Chinas atemberaubende wirtschaftliche Entwicklung, mit der in wenigen Jahrzehnten rund 700 Millionen Chinesen aus extremer Armut gehoben wurden, und betonte, es gehe bei der Neuen Seidenstraße nicht bloß um den Austausch von Waren, sondern auch von wissenschaftlichen Kenntnissen, Technologien und Kultur, um die beteiligten Nationen zu transformieren. Dann beschrieb sie die Serie von Gipfeltreffen in Ostasien – das Treffen der G-20 in Hangzhou (China), das Ostasien-Wirtschaftsforum in Wladiwostok (Rußland) und das ASEAN-Treffen in Vientiane (Laos) – bei denen innerhalb von sechs Wochen eine enorme Zahl von Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, die von eigens dafür gegründeten Finanzinstitutionen wie der AIIB und der NDB verwirklicht werden.

Sie zitierte aus der wunderbaren Rede an die deutsche Jugend, in der de Gaulle 1962 in Ludwigsburg sagte, die Menschen sollten danach streben, „daß Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, sodaß er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und Guten beiträgt.“ Sie  verwies auf die „tiefe Affinität“ zwischen der europäischen humanistischen Tradition und dem konfuzianischen Konzept der Selbstvervollkommnung des Menschen. „Was ist heute unser Ziel? Reichen wir uns die Hand, um Afrika durch die Erweiterung der Seidenstraße zu industrialisieren, und sicherzustellen, daß alle Kinder auf dem Planeten Zugang zur universellen Bildung erhalten.“

Prof. Shi Ze erläuterte in der darauffolgenden Rede, die neue Seidenstraße kopiere nicht bloß die alte Seidenstraße. Sie übernehme, was an jener positiv war, verwende es aber in der heutigen Welt als eine Strategie für Kooperation und Frieden, wobei das grundlegende kulturelle Konzept das der Harmonie in der Vielfalt sei. Chinas Rolle habe sich in jüngster Zeit verändert: es sei nicht mehr bloß eine Handelsmacht, sondern ein Investor. Das schaffe ein enormes Potential für die Zusammenarbeit zwischen Europa und China. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere wünschten eine finanzielle Kooperation mit China. Schon jetzt gebe es 700 Mrd. Yuan an Swaps zwischen den Europäern und den Chinesen. Shi Ze betonte besonders die enge Partnerschaft zwischen China und Frankreich, seit Präsident de Gaulle ein Jahrzehnt früher als andere westliche Länder diplomatische Beziehungen zu Beijing aufnahm. Er betonte, es sei ungemein wichtig, gemeinsam in Afrika in Infrastruktur, Energie, Verkehr usw. zu investieren, so wie dies eine gemeinsame französisch-chinesische Erklärung von 2015 fordert.

Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité, sagte, paradoxerweise mache Präsident Hollande gegenüber China offenbar eine viel bessere Politik als im eigenen Land. Als privilegierter Verbündeter Chinas seit 1964 – dank de Gaulle – teile Frankreich wichtige Hochtechnologie im Austausch für Aufträge im Rahmen der rasanten Wirtschaftsentwicklung Chinas.

So werden in China Airbus-Maschinen montiert und beide Länder arbeiten seit 30 Jahren bei der Kernenergie eng zusammen. Am 30.6.2015 schlossen sie ein Abkommen über den gemeinsamen Bau von Reaktoren in Drittländern. Bierre schlug vor, im Geist von Gottfried Leibniz’ großer eurasischer Wissenschaftsstrategie aus dem 17. Jahrhundert die Kooperation bei der Raumfahrt, neuen Kernkraftgenerationen (Fusion, Kugelhaufenreaktor, Thorium-Salzschmelze-Reaktor, Spaltungs-Fusions-Hybridreaktor), der Modernisierung der Bahnverbindungen sowie Gemeinschaftsprojekten in Afrika zu stärken. All dies mache eine Rückkehr Frankreichs zu einer klaren Industrieorientierung für die Zukunft erforderlich.

Abschließend stellte Jean-Christophe Vautrian, Präsident des Club China EM (Ecole de Management) Lyon FOREVER, die Aktivitäten seiner Absolventenvereinigung vor, die Konferenzen und andere Veranstaltungen über chinesische Wirtschaftspolitik, Geschichte und Kultur organisiert.

Essen: “Win-Win” für Deutschland mit der Neuen Seidenstraße

Zur Konferenz des Schiller-Instituts, die am 21. Oktober im Essener „Haus der Technik“ stattfand, sprach der Gesandte der chinesischen Botschaft in Berlin, Herr Zhang Junhui, über den Fortschritt der Neuen Seidenstraße und über den Wunsch der chinesischen Regierung, dabei enger mit Deutschland zusammenzuarbeiten, zumal beide Länder die größten Volkswirtschaften an den beiden Enden der Seidenstraße sind.

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Eröffnet wurde die Konferenz von der Vorsitzenden des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, später sprach der französische Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade. Beide betonten, Europa müsse Imperialismus und Geopolitik aufgeben, und Frankreich und Deutschland sollten am politischen und wirtschaftlichen Erbe de Gaulles und Adenauers anknüpfen, die die jahrhundertelangen Kriege und Konkurrenz zwischen beiden Ländern beendeten, indem sie sich auf Kooperation im Interesse beider Seiten konzentrierten.

Helga Zepp-LaRouche sagte, die Neue Seidenstraße sei das größte Industrie- und Infrastrukturprogramm der Geschichte, Europa dürfe die Chance der Beteiligung daran nicht verstreichen lassen. Tatsächlich beruhe Chinas „Wirtschaftswunder“ der letzten 40 Jahre auf den gleichen realwirtschaftlichen Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.

Prof. Shi Ze vom Chinesischen Institut für Internationale Studien betonte, die Beteiligung an der Neuen Seidenstraße stehe allen Ländern offen. Deutschland sei Chinas wichtigster Handelspartner in Europa mit einem Volumen von 163 Mrd. Euro in Jahr 2015, und 1700 chinesische Unternehmen sind in Deutschland präsent. Chinas Effizienz mit Deutschlands Qualität zu verbinden und das „Made in China“ mit „Made in Germany“ zu harmonisieren – das sei das Ziel der Seidenstraßenpolitik. Der Bau von Straßen und Pipelines und die Modernisierung der Landwirtschaft entlang der gesamten Seidenstraße schaffe Chancen für die deutschen Unternehmen.

Über die Bedeutung von Chinas Programm „Gürtel und Straße“ für Afrika sprach in Essen der äthiopische Generalkonsul aus Frankfurt/M., Mehreteab Mulugeta Haile. Mit einer auf Infrastrukturaufbau gestützten wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie hat sein Land seit 25 Jahren erstaunliche Erfolge erzielt, wobei China Äthiopien entscheidende Unterstützung leistet, u.a. durch zinsgünstige Kredite. So wurde gerade am 5. Oktober die erste Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Addis Abeba und dem Hafen Dschibuti eröffnet, die den Transport äthiopischer Im- und Exporte von sieben Tagen auf nur noch zehn Stunden verkürzt. Dies ist nur das erste Teilstück eines geplanten landesweiten Bahnnetzes, das Äthiopien mit allen Nachbarstaaten verbinden soll.

Die Diskussion nach Konsul Mehreteabs Vortrag drehte sich insbesondere darum, daß Europa gemeinsam mit China zur Entwicklung Afrikas beitragen muß, da dies die einzige Möglichkeit ist, die starke Migrationswelle nach Europa – die viele Todesopfer fordert – zu beenden. Cheminade sagte, Frankreich und Deutschland müßten sich dies zur gemeinsamen Aufgabe machen. Helga Zepp-LaRouche fügte hinzu, man solle auch Italien einbeziehen, zumal Regierungschef Matteo Renzi kürzlich die Neue Seidenstraße unterstützte. Shi schlug vor, da es bisher noch keine institutionelle Zusammenarbeit gebe, zur Förderung dieser neuen Orientierung einen geeigneten neuen Mechanismus einzurichten.

Generalkonsul Mehreteab unterstützte dies nachdrücklich: statt „Entwicklungshilfe“, die unter dem Vorwand von „Menschenrechten“ an politische Bedingungen geknüpft wird, brauche Afrika Technologietransfer und Infrastruktur: „Gebt uns keinen Fisch, bringt uns lieber das Fischen bei.“ Europa solle Chinas Beispiel folgen, das Investitionen, Technologie und günstige Kredite zu international üblichen Bedingungen bereitstelle.

Cheminade erinnerte daran, daß bereits ein vordringliches Projekt auf dem Tisch liegt, zu dessen Finanzierung und Verwirklichung Europa und China viel beitragen können, nämlich die Wiederauffüllung des Tschadsees. Die beste Methode dafür sei das Transaqua-Projekt zur Umleitung eines kleineren Teils des Wassers im Kongobecken in den Tschadsee.

Die Zuhörer in Essen genossen auch eine Auszeit von der technik- und industriefeindlichen „grünen“ Ideologie, die in der deutschen Öffentlichkeit vorherrscht. Die vier weiteren deutschen Redner neben Helga Zepp-LaRouche befaßten sich damit, wie Deutschland am Aufbau der Neuen Seidenstraße mitwirken und gleichzeitig selbst vom neuen Paradigma profitieren kann.

Prof. Reinhart Poprawe, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik an der RWTH Aachen und Ehrenprofessor der Tsinghua-Universität in Beijing, sagte, China sei heute nicht mehr der Hauptproduzent von Billigwaren für die Welt, sondern mache sehr schnelle Fortschritte in verschiedenen Pionierbereichen der Forschung, wo es Deutschland, Japan und die USA eingeholt hat. Poprawe sieht Deutschland mit seinem Programm „Industrie 4.0“ in guter Ausgangsposition, um mit Chinas ehrgeizigem Programm „China 2020“ zu kooperieren.

Prof. Dieter Ameling, ehemaliger Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der etliche hohe Positionen in der deutschen Stahlindustrie innehatte, beschrieb die Perspektive einer engen Zusammenarbeit zwischen der Eisen- und Stahlindustrie in Deutschland und China, das inzwischen ein großer Stahlerzeuger geworden ist. Ameling warnte eindringlich, wenn die deutsche Regierung ihre energiefeindliche Politik beibehalte, werde die energieintensive Industrie in Länder abwandern, wo der Strompreis nicht durch eine „Energiewende“ künstlich überteuert wird. Strom in Deutschland koste schon doppelt soviel wie in den USA und 50% mehr als in Frankreich. Ameling kritisierte auch die verbreitete falsche Sichtweise, die CO2-Emissionen seien am Klimawandel schuld.

Prof. Reinhold Meisinger von der Technischen Hochschule Nürnberg, seit vielen Jahren auch an der Tongji-Universität in Shanghai tätig ist, berichtete ausführlich über die revolutionäre Magnetbahntechnik des Transrapid, die zwar in Deutschland entwickelt wurde, bisher aber nur in Shanghai kommerziell genutzt wird. Ein Teil der neuen Schnellbahnstrecken in China sei so angelegt, daß künftig darauf auch Magnetbahnen verkehren können. Allerdings wäre der Stromverbrauch eines landesweiten Magnetbahnnetzes in China viel zu hoch für „erneuerbare“ Energien, deshalb baue China Wasser- und Kernkraft stark aus.

Willy Pusch berichtete von dem Projekt der von ihm vertretenen „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ für einen Güterbahntunnel zur Umgehung des Mittelrheintals, eines wesentlichen Teils der Bahnstrecke Rotterdam-Genua. Der vorgeschlagene 118 km lange Westerwald-Taunus-Tunnel – doppelt so lang wie der neue Gotthardtunnel in der Schweiz – könnte bis zu viermal mehr Fracht bewältigen als die heutige, sehr alte Bahnstrecke. Gleichzeitig wäre es eine enorme Entlastung der Bürger im Rheintal zwischen Bonn und Mainz, die vor allem nachts unter dem unerträglichen Lärm der Güterzüge leiden.

Musikalisch eingeleitet wurden die beiden Sitzungen der Konferenz vom Gu Feng Ensemble, bestehend aus den chinesischen Musikerinnen Lini Gong (Gesang), Ya Dong (an der Pipa, der chinesischen Laute) und Zhenfang Zhang (an der Erhu, der chinesischen Spießgeige), die mehrere traditionelle chinesische Instrumentalstücke und Lieder vortrugen: Jin she kuang wu („Tanz der goldenen Schlange“), Mo li hua („Jasminblüte“), Xiao beilou („kleiner Tragekorb“) und Song wo yizhi meiguihua („Schenk mir eine Rose”). Franz Schuberts „Ständchen“, das für diese Konferenz eigens für die Begleitung durch die chinesischen Instrumente arrangiert worden war, wurde zum ersten Mal in dieser Form aufgeführt – ein Beispiel für den  Dialog der Kulturen durch die Neue Seidenstraße.

Präsentationen

 

Helga Zepp-LaRouche

Transkript von Helga Zepp-LaRouche


Prof. Shi Ze


Zhang Junhui


Jacques Cheminade


Willi Pusch


Prof. Dr. Dieter Ameling


Prof. Dr. Reinhart Poprawe


Panle 1 – Diskussion


Mehreteab Mulugeta Haile


Prof. Dr. Reinhold Meisinger


Panel 2 – Diskussion


 

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