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Dr. Fatemeh Haschemi Rafsandschani: Die Rolle des Iran in der Seidenstraße des dritten Jahrtausends

Dr. Fatemeh Haschemi Rafsandschani

Generalsekretärin der Women’s Solidarity Association (Solidaritätsverband der Frauen in Iran) in Teheran.


Sehr verehrte Gäste, meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, hier mit Ihnen an dieser Sitzung teilnehmen zu können. Ich möchte an einige historische Perioden und Fakten erinnern, die zeigen, daß der Iran entschlossen ist, die Seidenstraße zu entwickeln und zu erneuern.

Die Beziehung des Iran und seine entscheidende Rolle beim Bau, der Erhaltung und der Erneuerung der Seidenstraße treten nun in ihr drittes Jahrtausend ein. Die antiken Kulturen des Iran, Chinas und des Nahen Ostens insgesamt hatten nicht nur eine Kooperation im Bereich des Handels, sondern auch in Fragen der Sicherheit, der Diplomatie und der Kultur.

Wie die Geschichte zeigt, profitierte die Dynastie der Parther, die Persien zu Beginn des ersten Jahrtausends beherrschte, enorm von den Zöllen, die sie auf die Waren erhob, die auf der Seidenstraße zwischen dem römisch beherrschten Europa und China durch ihr Reich transportiert wurden, das sich vom Euphrat in Mesopotamien bis nach Westchina erstreckte. Die Parther-Dynastie, die die Ausweitung der Handelsbeziehungen zwischen dem Osten und dem Westen förderte, überwachte diese Straße genau und hielt sie instand.

Die Seidenstraße setzte sich aus mehreren verschiedenen Land- und Seewegen zusammen, die die verschiedenen Zivilisationen miteinander verbanden. Diese Straße leistete einen großen Beitrag zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation.

Für den Iran war die Seidenstraße von besonderer Bedeutung. Wenn man die Rolle der Seide in der Antike betrachtet, dann kann man sagen, daß die Geschichte des Iran und der Seidenstraße eng miteinander verbunden waren. Der Handel und der kulturelle Austausch zwischen den beiden großen Nationen Iran und China erfolgten über die Seidenstraße.

Offenbar hat schon im 6. Jahrhundert v.Chr. König Darius der Große militärische Kontrollposten an diesen Straßen errichtet, um für die Sicherheit der Karawanen zu sorgen. Die Straße zwischen Susa und Sardes war eine Fortsetzung der Seidenstraße, die zur Erleichterung des Seidenhandels zwischen Ost und West gebaut wurde. Indem er eine Schlüsselrolle an der Seidenstraße einnahm, leistete der Iran große Beiträge zur Zunahme des Handels mit Seide und anderen Waren nach Westen. Auch in der Parther-Ära war die Seidenstraße immer noch ein wichtiger Weg für den Austausch von Waren zwischen verschiedenen Ländern. Unter der Herrschaft des Partherkönigs Mithridates II. (d. Gr.) wurde einiges getan, um die Seidenstraße zu reparieren und auszubauen.

Gegen Ende des ersten Jahrtausends und zu Beginn des zweiten Jahrtausends stand der Iran im Mittelpunkt der Islamischen Renaissance. Die islamische Herrschaft erstreckte sich vom Westen Chinas und dem Indus bis Nordafrika und Spanien im Westen. Die Rolle des Iran als wissenschaftliches, philosophisches und kulturelles Zentrum wurde durch seine geographische Lage und sein historisches Erbe begünstigt. Mit Hilfe der chinesischen Techniken zur Herstellung von Papier wurden chinesische, indische, persische, arabische und griechische wissenschaftliche und philosophische Werke übersetzt und über den größten Teil der besiedelten Welt verbreitet. Dies war der größte Prozeß des Austauschs von Ideen zwischen verschiedenen Kulturen, den es je gegeben hatte, und er führte zur europäischen Renaissance des 14. Jahrhunderts.

Die Wiederbelebung der Seidenstraße brächte dem Iran, China und ihren Nachbarn erhebliche Vorteile und würde die geopolitische Rolle des Iran als Knotenpunkt von Handel und Diplomatie weltweit demonstrieren.

Der Iran hat in den letzten Jahrzehnten des zweiten Jahrtausends und zu Beginn des dritten Jahrtausends große Anstrengungen unternommen, um die Seidenstraße zu erneuern.

Die Eisenbahn Mesched-Sarachs-Tejen (Turkmenistan), die der Route der alten Seidenstraße folgt, wurde am 14. Mai 1996 in Anwesenheit seiner Exzellenz, des ehemaligen Präsidenten des Iran Ajatollah Haschemi Rafsandschani, der Staatsoberhäupter von elf Nationen und diplomatischen Vertretern von 45 weiteren Nationen aus aller Welt in Betrieb genommen. Bei dieser Gelegenheit erklärte Ajatollah Rafsandschani, der damalige Präsident: „Man kann leicht feststellen, daß die Seidenstraße, auch wenn sie ein Handelsweg für den Transport von Waren war, ebenso eine wichtige und wirksame Rolle im kulturellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Austausch spielte… Mit der Wiederbelebung der Seidenstraße durch den Bau der längeren Eisenbahn vom Persischen Golf (oder Bandar Abbas) nach Sarachs und Tejen, die China wieder durch Zentralasien mit dem Iran verbindet, werden die Bemühungen des Iran um den Ausbau der Seidenstraße fortgesetzt.“

1998 stellte der Iran eine Eisenbahnverbindung nach Nordwesten fertig, von Täbris nach Van in der Türkei. Nun war die Seidenstraße wieder mit Europa verbunden. 2001 wurde die Linie Mesched-Bafq-Bandar Abbas fertiggestellt, die das landeingeschlossene Zentralasien mit dem Persischen Golf verbindet. Der Iran hat auch die Eisenbahn Bafq-Kerman-Zahedan zur pakistanischen Grenze fertiggestellt, die den Iran mit dem Indischen Subkontinent verbindet. Gegenwärtig wird durch Armenien und den Kaukasus der Nord-Süd-Korridor zwischen Rußland, dem Iran und Indien gebaut. Von Indien über den Hafen Tschahbahar im Südosten des Iran und das fertiggestellte iranische Eisenbahnnetz werden Südostasien und der Indische Subkontinent mit dem nördlichen Europa verbunden sein.

Durch den Bau dieses Eisenbahnnetzes wurde der Handelsverkehr im Weltmaßstab zwischen Ost und West und Nord und Süd gegenüber den Schiffahrtswegen um Wochen verkürzt. Neben dem Handel hat dieser Aufbau von Entwicklungskorridoren große Auswirkungen auf die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der betreffenden Völker. Der Bau dieser Eisenbahnen und die Erneuerung der Seidenstraße, die dank der Erfindungsgabe der iranischen Behörden erreicht wurden, dienten von Anfang an dazu, die Grundlage für die Förderung des Wirtschaftswachstums und der diplomatischen Beziehungen in der Region zu schaffen. Wie er schon 1996 bei der Eröffnungsfeier sagte, wünschte Ajatollah Haschemi Rafsandschani, daß durch diese Eisenbahnverbindung die Seidenstraße zur Straße zum Frieden und zur Freundschaft wird.

Die Islamische Republik Iran begrüßte auch die jüngste Initiative des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, den Wirtschaftsgürtel der Neuen Seidenstraße zu schaffen. Im vergangenen Mai sprach Präsident Hassan Ruhani nach seinem Treffen mit Präsident Xi in Schanghai vor Journalisten über die iranisch-chinesischen Beziehungen. Er sagte: „China ist jetzt der größte Handelspartner des Iran. Wir haben viele Kooperationsabkommen mit China über internationale und regionale Fragen… Wir stimmen mit der Idee überein, die Seidenstraße zu erneuern. In der Vergangenheit engagierte sich China in Aspekten der Kultur, der Wirtschaft und des Handels mit den Ländern an der Seidenstraße, auch in anderen Bereichen, wie Energie und Verkehr. Diese Beziehungen zwischen China und dem Iran und anderen Ländern in der Region können wiederaufgenommen werden. Der Plan des Wirtschaftsgürtels an der Seidenstraße kann also Erfolg haben.“

Das Gipfeltreffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) im tadschikischen Duschanbe im vergangenen Monat war eine nachdrückliche Erinnerung daran, daß die alte Seidenstraße jetzt wieder aufgebaut wird.

Die Welt braucht Frieden und Freundschaft. Die Neue Seidenstraße kann bis nach Europa führen und unser Botschafter für Europa und die Welt werden. Das bedeutet nicht, daß wir Frieden und Freundschaft in anderen Bereichen vergessen sollten. In meiner Eigenschaft als Präsidentin der Gemeinnützigen Stiftung für seltene Krankheiten (CFSD) erleben wir die Schmerzen und Leiden vieler Patienten, die besonders unter unfriedlichen Maßnahmen leiden, wie etwa Sanktionen, welche die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen können. Wir sollten auch unser bestes für den Frieden in allen Bereichen des menschlichen Lebens tun. Die CSFD hat entsprechend reagiert, sie weist auf das Leid hin und spricht im Namen der Patienten für den Frieden und gegen die Illegalität von Sanktionen, die sich gegen Unschuldige richten.

Auch als Generalsekretärin des Solidaritätsverbands der Frauen in Iran (WSAI) habe ich stets versucht, zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen in aller Welt für den Frieden zu arbeiten, für den die Frauen innerhalb und außerhalb des Iran wirken können. Der WSAI tut sein bestes, um die Frauenorganisationen und die aktive Präsenz der Frauen im sozialen und kulturellen Bereich und den Prozeß der Entwicklung ihrer Gesellschaft zu unterstützen, indem wir danach streben, die Probleme, mit denen die Frauen konfrontiert sind, zu lösen.

Das Schiller-Institut mit seinen hervorragenden, glaubwürdigen Beiträgen zur Erhaltung und Sicherung des Friedens und des Fortschritts aller Nationen, im Kampf gegen Krieg und Gewalt und seinen Einsatz für die Achtung der Menschenrechte und Menschenwürde kann heute die öffentliche Meinung auf den Weltfrieden lenken, indem es Konferenzen wie diese veranstaltet.

Zum Schluß möchte ich Ihnen allen für Ihre Initiativen und Bemühungen danken.

Vielen, vielen Dank!