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Prof. Shi Ze: „Eine Straße und ein Gürtel“ – Einige innovative Ideen über die Formen der Zusammenarbeit an der Seidenstraße

Prof. Shi Ze

Direktor für Internationale Energiestrategische Studien und Forschungsleiter am Chinesischen Institut für internationale Studien (CIIS) in Beijing. Seine Rede wurde aus dem Chinesischen übersetzt.

Audio (Chinesisch/中文)


Sehr verehrte Präsidentin des Schiller-Instituts Frau LaRouche, sehr geehrte Experten, meine lieben Freunde, hallo. Ich komme aus Beijing in China und bin Forschungsleiter am Chinesischen Institut für Internationale Studien. Ich freue mich sehr, heute mit Ihnen den 30. Geburtstag des Schiller-Instituts feiern zu können, und ich möchte dem Schiller-Institut und der Präsidentin des Schiller-Instituts für ihre Einladung sehr herzlich danken.

Ich war schon auf vielen Konferenzen über „Eine Straße, ein Gürtel“ in China, aber dies ist das erste Mal, daß ich an einer solchen Konferenz außerhalb Chinas teilnehme, die sich mit der Politik der chinesischen Regierung und der internationalen Diplomatie befaßt. Es ist mir wichtig, Ihnen, Frau LaRouche, meinen herzlichen Dank dafür auszusprechen, daß Sie mir diese großartige Gelegenheit geben, Ihnen die entsprechenden Konzepte und Gedanken über unseren „Wirtschaftsgürtel der Seidenstraße“ mitzuteilen.

Frau LaRouche wird in China von allen als eine sehr willkommene und respektierte gesellschaftliche Aktivistin empfangen. Ich habe ihre Reden und Interviews in vielen chinesischen Medien gelesen. Ich habe hohe Achtung für ihre Expertenmeinung über China. Und als Freundin Chinas und des chinesischen Volkes hat sie viele ernsthafte und ernstzunehmende Ideen für die Entwicklung Chinas. Wir ehren und respektieren eine solche alte Freundin Chinas sehr.

Heute will ich hier meine Gedanken über den „Wirtschaftsgürtel der Neuen Seidenstraße“ darlegen. Wie Sie alle wissen, hat unser Staatspräsident 2013 zwei sehr wichtige Entwicklungsvorschläge vorgelegt: den Wirtschaftskorridor der Seidenstraße und die Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts. Das sind zwei Vorschläge zur Weiterentwicklung und Vertiefung der Zusammenarbeit in neuer Form, mit sehr bedeutenden Konsequenzen für die Entwicklung von Chinas Verhältnis zu den anderen Nationen an der Neuen Seidenstraße.

Wie soll man nun diese Pläne, die der chinesische Präsident vorschlägt, verwirklichen?

Zunächst einmal brauchen wir Innovation, was Ideen und Konzepte betrifft. Bei der Ausarbeitung des Projekts der Neuen Seidenstraße brauchen wir auch Innovationen bei der Umsetzung. Deshalb lautet das Thema meines heutigen Vortrags „Der Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstraße und Innovationen für seine Konzeptualisierung und Umsetzung“. Ich möchte hier auf die vier Hauptpunkte eingehen.

1. Das Konzept der Innovation

Der erste Punkt ist die Innovation in Bezug auf Konzeptualisierung und Perspektive. Zu diesen Konzepten möchte ich drei Bereiche hervorheben.

Erstens: Im Laufe seiner „Reformen und Öffnung“ verfolgte China anfangs die Strategie „Hereinholen“, d.h. Technologie und Investitionen aus anderen Ländern ins Land zu holen, um China zu entwickeln. Wie nennen das auch die Strategie „Anhalter fahren“, nämlich das Heranziehen von Unterstützung aus dem Ausland als Triebkraft für unsere Entwicklung.

Diese Strategie zu Beginn der Öffnung Chinas brachte bei der Entwicklung Chinas offenkundige Resultate. Es kamen viele internationale Finanzorganisationen und befreundete Nationen nach China, um mit uns wirtschaftlich zusammenzuarbeiten.

Die zweite Phase war die Strategie „Herausgehen“. Um Chinas wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen, veranlaßten wir unsere chinesischen Firmen und Unternehmen, im Ausland aktiv zu werden, um sich an der internationalen Entwicklung überall auf der Welt zu beteiligen und international wirtschaftlich zu kooperieren. Das brachte in der jüngeren Vergangenheit meiner Meinung nach sehr sichtbare Resultate. Die nationalen Ressourcen wurden im Ausland sehr gut genutzt, damit chinesische Unternehmen fortgeschrittenere Technologien kennenlernen konnten. Das hat unsere Forschungs- und Entwicklungskapazitäten vorangebracht und förderte die Grundlagen für unsere eigenen Fortschritte. Indem wir „herausgingen“, verbreiterten und erweiterten wir den Umfang unserer „Reform und Öffnung“, wir steigerten den Umfang und das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung.

An dem Punkt schlug dann die Zentralregierung das strategische Konzept „Ein Gürtel, eine Straße“ vor, das gesetzmäßig auf der Grundlage aufbaut, die durch die Strategien „Hereinholen“ und „Herausgehen“ geschaffen wurde, und diese beiden Konzepte sowohl erweitert als auch miteinander verbindet. Wenn Chinas Freunde unseren Entwicklungsvorschlag „Ein Gürtel, eine Straße“ studieren, werden sie also feststellen, daß diese Strategie eine viel weitgehendere, reichere konzeptionelle Bedeutung hat. Das ist die Innovation auf der konzeptionellen Ebene.

Zur zweiten konzeptionellen Innovation: Wie können wir uns nach Chinas eigener wirtschaftlicher Entwicklung an die Bedürfnisse unserer eigenen „Reform und Öffnung“ anpassen und gleichzeitig einen Austausch mit den Ländern an unserer Peripherie und entlang des Seidenstraßenkorridors haben, damit sie am Nutzen unserer eigenen Entwicklung einen Anteil bekommen, und dann zur Zusammenarbeit Chinas mit den anderen Ländern der Welt übergehen, um unser aller gemeinsame Entwicklung zu erreichen? Wie kann unsere Kooperation allen gleichermaßen nützen? Nicht China allein soll Vorteile daraus ziehen, sondern in der Zusammenarbeit sollen wir alle zusammen von der Entwicklung profitieren. Das ist ein sehr wichtiger Kurswechsel in Chinas Außenpolitik.

Darüber hinaus hat unsere Führung ein neues Konzept des „Nutzens“ entwickelt. Das heißt, daß man bezüglich des „Gewinns“ oder „Nutzens“ beachtet, wie wir es unseren Partnern ermöglichen, aus der Kooperation ebenfalls Nutzen zu ziehen und sich zu entwickeln, damit unsere Partner nicht weniger Vorteil aus der Zusammenarbeit ziehen als wir.

Das ist etwas, was unsere Führung, allen voran Präsident Xi Jinping, in jüngster Zeit als die notwendige Einstellung zu unserer Kooperation mit anderen Nationen hervorgehoben hat. Meiner Ansicht nach hat er in Bezug auf unsere „Wirtschaftliche Entwicklung der Neuen Seidenstraße“ einen sehr wichtigen Gedanken betont: daß diese Art der Entwicklung ausgewogen und gleichmäßig sein muß – d.h., daß nicht nur China seine Entwicklung beschleunigt, sondern daß im Rahmen dieser Kooperation auch unsere Partner profitieren.

Das ist wichtig, denn kürzlich haben mir einige Freunde gesagt, Chinas Vorschlag der Neuen Seidenstraße ziele nur auf den Nutzen für China. Ich denke aber, daß das nur halb richtig ist. Zwar wird bei jedem Vorschlag für Chinas internationales Entwicklungsprojekt natürlich berücksichtigt, welchen Nutzen er China bringt. Aber wir berücksichtigen genauso den Nutzen für die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, und daß es ein einvernehmlicher und gleichwertiger Entwicklungsschritt für unsere Partner ist.

Drittens betont unsere Staatsführung bei der Strategie „Ein Gürtel, eine Straße“ das Konzept der „drei Negationen“, d.h.: 1. Wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten anderer ein; 2. China strebt nicht danach, die sogenannte „Einflußsphäre“ auszuweiten; und 3. China strebt keine Hegemonie an. Das bedeutet, wir sind alle gleichberechtigte Partner. Deshalb schlägt unsere Führung dieses Konzept der „drei Negationen“ oder „drei Neins“ vor. Ich denke, das ist etwas, was alle unsere Freunde, die hier bei dieser Konferenz anwesend sind, in Bezug auf Chinas Außenpolitik besonders hervorheben sollten – daß sie auf der gemeinsamen „friedlichen Entwicklung“ mit anderen basiert.

Ich denke, das Projekt der Neuen Seidenstraße spiegelt wider, welche Position China international einnehmen möchte. Indem es ein so wichtiges und innovatives Konzept vorlegt, schlägt China einen Ansatz vor, wie wir uns selbst in unseren Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft aufstellen können. D.h. wir möchten nach dem Kalten Krieg in der eurasischen Region ein Gleichgewicht schaffen.

In diesem Gebiet existiert eine Situation der gegenseitigen Kontrollen zwischen allen Großmächten, darunter China, Rußland, die Vereinigten Staaten und die Europäische Union, wo kein einzelnes, großes Land im eurasischen Raum die Vorherrschaft hat. Chinas Ziel bei der Förderung von „Ein Gürtel, eine Straße“ ist nicht, dieses Gleichgewicht in der eurasischen Region zu stören, sondern vielmehr, ihre Stabilität zu sichern. Wir möchten, daß alle Regionen gegenseitige Hilfe, gegenseitige Freundschaft und gegenseitige Kooperation ausbilden und weiterentwickeln. Ich denke, das ist eine notwendige Entwicklung, eine notwendige Grundlage und Voraussetzung, und auch ein Grund für unsere Entwicklung des Projekts der Neuen Seidenstraße.

Ich möchte noch ein paar Worte dazu sagen, daß es in der eurasischen Region bereits mehrere regionale Wirtschaftskooperationen gibt, darunter die von Rußland angeführte Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), die Südasiatische Gemeinschaft für regionale Kooperation (SAARC), die Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) und andere eurasische Kooperationsorganisationen. Wie sind die Verhältnisse zwischen diesen Organisationen? Ich denke nicht, daß diese Organisationen dazu da sind, die anderen aufzuheben oder gegeneinander zu arbeiten. Ich meine vielmehr, daß diese Organisationen dazu da sind, um zu lernen, wie man gemeinsam arbeiten und kooperieren kann, damit jeder vom anderen profitiert, und man alle diese Kooperationsorganisationen motiviert, in unsere wechselseitig nützliche Entwicklung zu investieren. Nur in dieser Weise kann unser Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstraße sich wirklich entwickeln. Ich denke daher, daß unser Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstraße ein Vorschlag ist, der als Schrittmacher dient und neue Möglichkeiten eröffnet, statt Beziehungen aufzulösen oder zu blockieren.

Hier im Publikum haben wir heute vor allem europäische Freunde, und die Basis unseres Wirtschaftskorridors der Neuen Seidenstraße ist, daß Europa am einen Ende und China am anderen Ende stehen wird. Es ist wie bei einer Hantel: Der Aufbau dieses Korridors zwischen China und Europa wird nicht bloß Europa und China an den beiden Enden stärken, sondern auch soziale und wirtschaftliche Entwicklung in allen Teilen Zentralasiens, Südasiens, des Nahen Ostens und Osteuropas mit sich bringen.

Ich denke daher, daß der Wirtschaftskorridor der Neuen Seidenstraße eine direkte Wirkung und Bedeutung für die europäischen Nationen haben wird. Die europäischen Nationen haben in dieser Hinsicht bereits eine hervorragende Grundlage in ihrer technologischen Basis, und der Korridor der Neuen Seidenstraße ist etwas, was nach unserer Meinung alle diese Nationen stark weiterentwickeln wird.

Aber nochmals: Wir müssen dabei betonen, daß wir beim Vorantreiben des Korridors der Neuen Seidenstraße eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit allen wichtigen Nationen anstreben: Gemeinsamkeiten finden, auch wenn man unterschiedlich lebt. Das ist für unser Konzept entscheidend. Wir sind also nicht dagegen, daß die Vereinigten Staaten oder Rußland oder die europäischen Nationen sich uns anschließen. Alle Nationen sind willkommen.

2. Ein neues Modell der Zusammenarbeit

Der zweite Hauptpunkt, den ich bei unserem Konzept des Korridors der Neuen Seidenstraße, „Ein Gürtel, eine Straße“, hervorheben möchte, ist der, wie man ein innovatives Modell der Zusammenarbeit entwickeln kann.

Wie können wir den Ausbau von „Ein Gürtel, eine Straße“ vorantreiben? Wenn innerhalb und außerhalb Chinas über die Idee der Neuen Seidenstraße gesprochen wird, dreht sich die Diskussion meist mehr um das Praktische: Wenn China das vorschlägt, was beinhaltet sein Vorschlag, z.B.: „Welche Regionen sollen dazugehören?“ oder „Was bezweckt China damit?“ Aber was dabei oft übersehen wird, ist die Frage: Wie arbeiten wir zusammen? Was ist das Modell der Zusammenarbeit? Wie kann man die Zusammenarbeit entwickeln?

Wenn wir diese Frage nicht beantworten, dann wird die Initiative nicht umgesetzt werden.

Ein Punkt, der meiner Ansicht nach hervorgehoben werden muß, wenn wir darüber nachdenken, wie wir das Projekt der Neuen Seidenstraße vorantreiben können: Der Stand der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern Eurasiens ist sehr verschieden. Es gibt entwickelte Länder, große Länder, relativ entwickelte Länder und einige unterentwickelte Nationen. Unter den Bedingungen dieser sehr großen Unterschiede des Grades der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen diesen Nationen sehe ich ein beträchtliches Maß an Schwierigkeiten dabei, die Umsetzung dieses Projekts voranzutreiben.

Wir glauben nicht, daß wir dieses Projekt des Wirtschaftskorridors der Neuen Seidenstraße schon in drei oder fünf oder auch in zehn Jahren verwirklicht haben werden. Es ist ein langfristiges Ziel von Seiten Chinas. Es hat kein klar definiertes Ende. Wo immer und wann immer man dieses Projekt vorantreiben kann, werden wir das tun.

Wenn China sich für die Initiative der Neuen Seidenstraße einsetzt, dann geschieht dies ohne Gewalt oder Zwang. Kooperationspartner werden nur die sein, die sich uns freiwillig und bewußt bei diesem Projekt anschließen. Jeder, der daran interessiert ist, ist willkommen, mitzumachen.

Und für diejenigen, die sich dem Projekt anschließen, gilt: gleiche Rechte für alle Seiten. Das Projekt der Neuen Seidenstraße ist also eine Entwicklungschance für alle Nationen, wo Chinas Politik der „Öffnung“ genutzt wird, um die gegenseitige wirtschaftliche Kooperation auszuweiten. Dies bedeutet Chancen aller Art für die Privatwirtschaft und die Beschäftigung.

Was also ist das Modell für das gemeinsame Handeln? In der eurasischen Region ist das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung sehr unterschiedlich, anders als in der europäischen Region, wo die meisten Länder entwickelt sind.

Zweitens, wenn wir das Kooperationsmodell betrachten, reden wir bei der eurasischen Region über einen Prozeß der Stärkung der Region. Es ist nicht wie in einigen anderen bestehenden Wirtschaftsregionen auf der Welt, wo das Ziel „Expansion“ oder „Flächendeckung“ ist.

So ist beispielsweise die Zusammenarbeit der ASEAN, der EU oder Lateinamerikas „flächendeckend“. Dagegen liegt unser Schwerpunkt in Eurasien darauf, die Region zu stärken. Was nun die Frage betrifft, ob wir die Erfahrungen der ASEAN, der EU oder Lateinamerikas nutzen können – ich denke, wir werden ihre Erfahrungen nicht ignorieren. Wir müssen sie studieren und daraus lernen. Wichtiger ist aber, daß wir uns die einzigartigen Potentiale der verschiedenen Regionen entlang des Korridors zunutze machen. Ich denke, die wichtige Frage für uns ist: Wie organisieren wir unsere Kooperation? D.h., wie gehen wir an diesen Prozeß der Stärkung der Region heran? Wir können nicht einfach die bestehenden Modelle übernehmen.

Oft nehmen Wirtschaftsexperten, sogar bei uns in China, das westeuropäische Modell und versuchen einfach, das ganze Modell dem neuen Konzept überzustülpen. Nun, wir lehnen die Modelle der anderen nicht ab, aber wir müssen versuchen, neue zu entwickeln. In dieser Hinsicht hoffe ich sehr, daß unsere eurasischen Freunde uns ihre Gedanken und Vorschläge mitteilen.

Dieses Projekt der Neuen Seidenstraße ist also etwas ganz neues, es gibt dafür kaum Vorbilder in der Weltgeschichte. Sie umfaßt zahlreiche Regionen; die Länge des Korridors ist beachtlich; die Zahl der Länder, die er erreicht, ist hoch. Es gibt dafür kein Vorbild. Wir müssen also Neues entwickeln – neue Ideen und Gedanken, um einen Weg zu finden, der für die gemeinsamen Ziele, die Hoffnungen Chinas und die Nationen entlang des Korridors der Neuen Seidenstraße gangbar ist.

3. Der Inhalt der Kooperation

Nun der dritte Punkt: Was die Zusammenarbeit an unserem Korridor der Neuen Seidenstraße beinhaltet.

Ich habe zunächst über die Konzepte und die Methoden gesprochen. Nun will ich über die Details der Entwicklungsgebiete, den Inhalt der Entwicklung sprechen. Dazu muß ich nochmals betonen, daß der lange Prozeß des Aufbaus von „Ein Gürtel, eine Straße“ nichts ist, was in wenigen Jahren vollendet werden kann. Darüber sind wir uns völlig im Klaren. Es gibt Chancen, aber auch Herausforderungen. Wir müssen also einen klaren Kopf behalten.

Angesichts des innovativen Charakters dieser Zusammenarbeit müssen wir beim Prozeß des Aufbaus von „Ein Gürtel, eine Straße“ einige neue Elemente einbeziehen, die man erkennen und hervorheben muß. Wir sollten unsere Anstrengungen zunächst auf diese Bereiche richten: Energiequellen, Verkehrsnetz, Stromleitungen, Kommunikationsnetze und ähnliche grundlegende Infrastrukturplattformen, wie man sie miteinander verbindet.

Es gibt in China ein Sprichwort: „Um reich zu werden, mußt du zuerst Straßen bauen.“ Die Wirtschaft des Entwicklungskorridors kann nur prosperieren, wenn die menschlichen Ressourcen, die Logistik und die wirtschaftlichen Ströme allesamt eingesetzt und integriert werden. Diese Grundvoraussetzung muß gegeben sein.

Wenn wir den Aufbau von „Ein Gürtel und, eine Straße“ vorantreiben, dann reden wir nicht davon, einen völlig neuen Mechanismus der Kooperation zu schaffen. Vielmehr bauen wir auf der bestehenden regionalen Zusammenarbeit auf – wir erweitern beständig ihren Umfang. Das ist ein gemeinschaftlicher Prozeß, wir wollen diesem Prozeß keinen bestimmten Mechanismus aufzwingen.

Das zweite ist, daß wir die Entwicklungsstrategie und -planung jedes Landes verbessern und stärken müssen und die gegenseitige Kommunikation und Integration dieser Verbesserungen fördern müssen. Wir tun dies, damit jedes Land verstehen kann, was die Entwicklungsziele der anderen für die kommenden fünf bis zehn Jahre sind und in welchen Bereichen die Strategie des anderen der eigenen ähnlich ist, um auf dieser Grundlage gemeinsam zu arbeiten. Und wir müssen bestimmte Bereiche und Projekte finden, in denen wir auf der Grundlage dieser einvernehmlichen, gemeinsamen Strategien kooperieren können.

Indem China für „Ein Gürtel, eine Straße“ wirbt, strebt es nicht unilateral nach Einheit. Wir versuchen nur, den Prozeß der Kooperation voranzutreiben.

Drittens denke ich, wir müssen bei diesem gemeinsamen Handeln an der Spitze des technischen Fortschritts sein, Leistungen, die weltweit erbracht werden, fördern und ihnen große Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen unter Berücksichtigung des vorhandenen Entwicklungsniveaus aller Nationen in der Region eine Zusammenarbeit im großen Maßstab durchführen, aber nicht auf der Grundlage, sich Rohstoffe oder Energieträger anzueignen. Denn in der eurasischen Region spielen die natürlichen Reichtümer jedes Landes – ihre nationalen und natürlichen Ressourcen – ohnehin schon eine große Rolle bei der bestehenden Kooperation.

Ich denke, es gibt zuwenig gemeinsames Handeln, das auf anderem als natürlichen Rohstoffen beruht. Das bedeutet vor allem eine Entwicklung der Landwirtschaft, der Infrastruktur, der Industrie. Das sind alles Bereiche, wo Verbesserungen notwendig sind. Wie sollten uns auf Bereiche konzentrieren, die nicht auf der Ausbeutung von Rohstoffe beruhen, damit unser wirtschaftlicher Forschritt ein neuen, hohen Maßstab der Zusammenarbeit erreicht.

Schließlich muß ich hier noch die vielfältigen Aspekte unseres Projektes „Ein Gürtel, eine Straße“ hervorheben. Wir brauchen vor allem eine multidimensionale Kooperation auf hoher Ebene. So können und sollten beispielsweise die Nationen entlang der Seidenstraße so etwas wie „Städtebündnisse“ gründen. Man sollte Bündnisse von Städten in verschiedenen Wirtschaftsbereichen schaffen – beispielsweise internationale Eisenbahnverbände, internationale Transportverbände und ähnliche Vereinigungen, darunter auch internationale Verbände von Kooperationsnetzwerken. D.h. wir sollten die bestehenden industriellen Kooperationen zwischen den Regionen vernetzen, um bilaterale oder multilaterale Netzwerke und Systeme der Kooperation zu schaffen.

Gleichzeitig regt China zu Plänen und Programmen an, die den Vorschlag „Ein Gürtel, eine Straße“ umsetzen, auch wenn China selbst dabei gar kein Beteiligter ist. Es wird also einige Programme geben, an denen China nicht beteiligt sein wird, aber auch solche Programme werden für alle von Nutzen sein. Was wir anstreben, ist die Förderung der regionalen Entwicklung, und China wird jedes Programm unterstützen, das der Entwicklung der Region dient. Es ist nicht so, daß wir nur Programme fördern werden, an denen China selbst beteiligt ist, nein: Wir unterstützen auch Programme, die andere betreffen und von anderen entwickelt werden. Wir streben also einen inklusiven und offenen Rahmen der Zusammenarbeit an.

4. Die Innovation des Systems

„Ein Gürtel, eine Straße“ ist eine großartige Vision. Für China bedeutet sie große Herausforderungen. Zunächst einmal betrifft es nicht nur die notwendige Kooperation zwischen den Regionen und den Ministerien in China, sondern auch Chinas Organisationen und Einrichtungen im Ausland. Es betrifft nicht nur die inländischen Interessen und Vorrechte jeder Region und jedes Ministeriums, sondern berührt auch die Interessen und Vorrechte der privaten und staatlichen Unternehmen mit ihren vielfältigen Einnahme- und Gewinnquellen. Man muß die Entwicklung dieser unterschiedlichen Gewinnquellen bedenken. Man muß die Koordinierung dieser nationalen und internationalen Maßnahmen bedenken.

Um den Aufbau des Korridors der Neuen Seidenstraße zu fördern, war unsere Zentralregierung gezwungen, das Tempo unser Wirtschaftsystems und seiner Reform zu erhöhen, damit dieses System den Aufbau des Korridors der Neuen Seidenstraße besser fördern kann.

Bei der Förderung der Neuen Seidenstraße haben wir uns auch Vorbilder daran genommen, wie andere Nationen ihre internationalen Strategien verfolgt haben. So haben beispielsweise die Vereinigten Staaten bei der Umsetzung ihres eigenen „Plans für die Neue Seidenstraße“ Süd- und Zentralasien in Bezug auf seinen Entwicklungsbedarf als Einheit aufgefaßt und die ursprünglichen Abteilungen für zentralasiatische Angelegenheiten und für südasiatische Angelegenheiten zu einer einzigen Abteilung für süd- und zentralasiatische Angelegenheiten zusammengelegt. Ich denke, daß wir aus solchen Erfahrungen lernen können.

Rußland hat, um die Entwicklung seines Fernen Ostens und die regionale Kooperation dort zu fördern, ein Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens geschaffen. Wir beabsichtigen, in ähnlicher Weise Beispiele aufzugreifen, die zur Entwicklung des Systems „Ein Gürtel, eine Straße“ passen, und sie anzuwenden, um unseren Vorschlag auszuarbeiten.

Wir hoffen daher sehr aufrichtig, daß wir in Zukunft im Verlauf der Entwicklung von „Ein Gürtel, eine Straße“ mit der internationalen Gemeinschaft, den verschiedenen Nationen und den verschiedenen Regionen auf der Grundlage einer gleichwertigen und einvernehmlichen Entwicklung zusammenarbeiten können, um ein Programm voranzubringen, das dem Wohl der ganzen Menschheit dient.

Vielen Dank.