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H. Zepp-LaRouche: „Die Neue Seidenstraße transformiert den Planeten: Eine neue Ära der Menschheit“

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin des Schiller Institutes


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Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie alle zu dieser extrem wichtigen Konferenz.

Zunächst einmal möchte ich Ihnen die allerherzlichsten Grüße von Lyndon LaRouche übermitteln, der im Geiste bei uns auf dieser Konferenz weilt und dessen prophetisches Wirken maßgeblich zu einer Lösung für die heutige Welt beigetragen hat.

Allerdings muß ich Ihnen sagen, daß wir uns derzeit in einem Krisenmoment beispiellosen Ausmaßes befinden. Die Menschheit steht heute kurz vor einem Massensterben, das schlimmer werden könnte als alles, was sich in der Geschichte bisher zugetragen hat, und das wird passieren, wenn die derzeitige Politik des transatlantischen Bereichs fortgesetzt werden sollte. Kurz gesagt haben wir es mit dem Zusammentreffen von drei tödlichen Gefahren zu tun:

– Der ISIS-Terrorismus, der bereits zu einem Völkermord unter den Kurden im Irak und Syrien und auch an religiösen Minderheiten geführt hat, weitet sich immer mehr aus. Die Lage könnte schnell soweit eskalieren, daß den Ländern, gegen die sich der Terrorismus richtet, nichts anderes übrig bleibt, als Krieg zu führen, der dann die gesamte südwestasiatische Region in Flammen setzen und einen globalen Krieg auslösen könnte.

– Die zweite, genauso gefährliche Situation ist die Ebola-Pandemie, die bereits völlig außer Kontrolle geraten ist. Sie wütet nicht nur in mehreren westafrikanischen Ländern, sondern greift bereits auf Europa, die Vereinigten Staaten und Lateinamerika über. Entgegen unverantwortlichen offiziellen Versicherungen, eine Verbreitung von Ebola sei im sogenannten „entwickelten Sektor“ absolut unmöglich, da wir darauf vorbereitet seien, könnte die Lage auch hier aufgrund der Kürzungen im Gesundheitsbereich schnell außer Kontrolle geraten.

Drei Gefahren bedrohen die Menschheit: erstens die Bedrohung durch „Islamischen Staat“ im Irak und Syrien, die einen Weltkriegs auslösen könnte, zweitens die außer Kontrolle geratene Ebola-Epidemie in Westafrika, und drittens der bevorstehende Kollaps des transatlantischen Finanzsystems.

– Die dritte tödliche Gefahr besteht darin, daß uns mit absoluter Sicherheit ein neuer Finanzkrach bevorsteht, der weitaus schlimmer sein wird als der Kollaps von 2008. Wenn sich dann die EU und die Vereinigten Staaten für den sogenannten Bail-in, also das Zypern-Modell, entscheiden, also jedem, der ein Bankkonto hat, einen Zwangsschnitt verordnen, dann würde die Welt sehr schnell in einem finsteren Zeitalter landen, aus dem sich ein Krieg entwickeln kann, bei dem alle existierenden Waffen eingesetzt würden.

Wichtig ist, hervorzuheben, daß alle diese drei Gefahren nicht das Ergebnis unabwendbarer Prozesse sind, sondern alle menschengemacht sind und deswegen gelöst werden können. Dazu muß aber zuerst die Einsicht einkehren, daß sie die Folge des politischen Versagens des transatlantischen Establishments sind und daß diese Fehler nur korrigierbar sind, wenn der politische Wille dazu mobilisiert werden kann.

Die terroristische Gefahr

Nun zu der ersten Bedrohung, dem IS-Kalifat, das zur Zeit trotz der Luftangriffe immer schneller vorrückt. Mein Ehemann Lyndon LaRouche hat 1999 einen Film mit dem Titel Sturm über Asien produziert, worin er in einer prophetischen Voraussicht darstellte, wohin die Politik der Anglo-Amerikaner führen würde. LaRouche zeigte darin im einzelnen auf, wie diese Neuauflage des Großen Spiels gegen Rußland und auch gegen China mit Hilfe von Terrorismus eine Entwicklung mit sich brächte, die schließlich zu einem neuen Weltkrieg führen würde. Neben vielen anderen Aspekten betonte er dabei auch die äußerst verräterische Rolle der Türkei. Wer Interesse hat, sich diesen Film anzuschauen, kann dies auf der Webseite von LarouchePAC tun: http://larouchepac.com/storm-over-asia-15-years-later.

Die „islamische Karte“ gegen die Sowjetunion zu spielen, war ursprünglich die Idee von Zbigniew Brzezinski, der diesen Plan 1975 auf einer Konferenz der Trilateralen Kommission in Kioto vorstellte. Aber nachdem man die Mudschaheddin für den Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan ausgebildet hatte, nahm diese Bewegung ein Eigenleben an und breitete sich von Afghanistan nach Zentralasien, nach Dagestan, Tschetschenien, Pakistan und in andere Länder aus.

Damit wurde bereits genug Verwüstung angerichtet, aber dann kam noch die Politik des „Regimewechsels“ hinzu, die ein Ausdruck der Absicht der Anglo-Amerikaner ist, die Welt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in ein globales Imperium zu verwandeln. Diese Politik der Regimewechsel verschärfte die Lage, indem Staaten als Organisationsprinzip der internationalen Ordnung aufgelöst wurden.

Durch den Krieg gegen Saddam Hussein 2003, der vollkommen auf Lügen basierte, die sich Tony Blair und der MI6 ausgedacht hatten, wurde der Irak „in die Steinzeit zurückgebombt“ und wurde zu der Brutstätte der Terrorwelle, die wir jetzt erleben.

Auch der Krieg gegen Libyen basierte auf Lügen, denn die UN-Vetomächte Rußland und China wurden hinters Licht geführt, indem man ihnen sagte, es handele sich nur um eine „humanitäre Intervention“ und nicht um Krieg, weswegen sich beide Länder bei der Abstimmung im Sicherheitsrat der Stimme enthielten. Heute ist Libyen ein Land in völligem Chaos.

Mit Lügen ging man auch gegen die Regierung Assad in Syrien vor, der vorgeworfen wurde, Chemiewaffen eingesetzt zu haben, was nie bewiesen wurde – im Gegenteil, es stellte sich heraus, daß die Rebellen, die von Saudi-Arabien und dem Westen unterstützt werden, Chemiewaffen benutzt haben. Dennoch wird die Lüge, Assad habe chemische Waffen eingesetzt, bis heute von den etablierten Massenmedien weiter verbreitet. Luftschläge gegen Syrien wurden zwar in letzter Minute verhindert, doch die gesamte Region um den Irak und Syrien ist heute zu schwach, um mit ISIS fertig zu werden.

Aus Europa kommen jetzt völlig dümmliche Vorschläge, wie von den Grünen in Deutschland, man solle die Bundeswehr mit einem UN-Mandat dorthin schicken, was hoffentlich nie geschehen wird. Nicht zuletzt, weil die Grünen mit ihrer Unterstützung des Naziputschs in der Ukraine zur Isolierung Rußlands beigetragen haben, sind die Aussichten unter diesen Umständen auf Erteilung eines UN-Mandats für eine solche Mission äußerst gering. So hat sich auch der Bundesaußenminister geäußert, doch dann fährt er ausgerechnet nach Saudi-Arabien, um hervorzuheben, daß Saudi-Arabien eine führende Rolle im Kampf gegen den IS spielen solle. Dann kann man gleich den Bock zum Gärtner machen! Philipp Mißfelder von der CDU äußerte sich ebenfalls zu Syrien. Er meinte, natürlich könne es nur eine politische Lösung ohne Assad geben, aber vorübergehend müsse man Assad unterstützen, weil sonst der IS alles übernehmen würde. Das ist völliger Dilettantismus! Diese politischen Amateure pfuschen in einer Situation herum, die sehr schnell zum dritten Weltkrieg führen könnte.

In den Vereinigten Staaten entwickelt sich hingegen eine wachsende Revolte; immer mehr Leute wollen der aktuellen Krise mit dem IS auf den Grund gehen, indem endlich die wahren Hintergründe des 11. September offengelegt werden. Dabei geht es um die Veröffentlichung des gesamten offiziellen Untersuchungsberichts des Kongresses, der damals unter Leitung von Senator Bob Graham erstellt worden ist.

Bei der großen Auseinandersetzung in den Vereinigten Staaten, von der die weitere Zukunft der Welt abhängt, geht es darum, die bis heute geheimen 28 Seiten dieses Berichts freizugeben. George Bush hatte sie unter Verschluß genommen, und Obama hatte während des Wahlkampfs 2008 versprochen, diese Passagen freizugeben und den 3000 Familien, deren Angehörige bei dem Angriff auf die Doppeltürme in New York ums Leben gekommen waren, die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, was wirklich geschehen ist.

Nicht zuletzt wegen unserer eigenen Anstrengungen melden sich jetzt immer mehr Kongreßabgeordnete zu Wort und verlangen die Freigabe dieser 28 Seiten.

Auch das kanadische Fernsehen CBC brachte letzte Woche eine elfminütige Sendung, worin insbesondere die Bedeutung dieser 28 Seiten beleuchtet wurde. Darin wurde US-Vizepräsident Biden mit den Worten zitiert: „Unser größten Problem sind unsere Verbündeten. Unsere Verbündeten in der Region waren unser größtes Problem in Syrien.“ Biden hatte vor einigen Wochen in einer vielbeachteten Rede gesagt, das Problem bei den jetzigen amerikanischen Luftangriffen gegen ISIS sei der Umstand, daß die „Verbündeten“ – Saudi-Arabien, Katar und die Emirate – eine ganz andere Politik verfolgen und daß die Vereinigten Staaten eigentlich keine Verbündeten hätten.

Noch klarer war, was Senator Bob Graham in derselben Sendung sagte. Er ist zwar noch zur Geheimhaltung verpflichtet, aber er erhöhte noch einmal den Druck, daß die 28 Seiten veröffentlicht werden sollen: „Die Verbindung ist direkt. Saudi-Arabien fördert nicht nur diese extreme Glaubensrichtung, sondern ist auch der Hauptgeldgeber zunächst von Al-Kaida, dann von verschiedenen Al-Kaida-Ablegern auf der ganzen Welt, besonders jene in Somalia und Jemen; und jetzt unterstützen sie ISIS…“

Das ist Dynamit. Skandalös finde ich außerdem, daß sämtliche Staatschefs in Europa und darüber hinaus das wissen. Bob Graham ist zudem ein sehr bekannter und hoch geschätzter Senator. Er leitete den gemeinsamen Kongreßausschuß über den 11. September. Auch Herr Steinmeier, unter Gerhard Schröder immerhin Kanzleramtschef, war damals für die Geheimdienste verantwortlich. Jetzt, wo er zum zweiten Mal Außenminister ist, kann man mir nicht erzählen, daß er nicht Bescheid weiß, und das gilt für alle anderen europäischen Regierungen auch.

Der Skandal, den wir publik machen müssen, um eine Wende in der Politik herbeizuführen, ist die Tatsache, daß sich dieselben Länder, die zuerst die Mudschaheddin, dann Al-Kaida, dann Al-Nusra und jetzt ISIS finanziert und aufgebaut haben, jetzt in einer Koalition zur Bekämpfung von ISIS wiederfinden, was offensichtlich eine völlige Farce ist.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat in den letzten Tagen ebenfalls eine Meldung verbreitet, wonach der IS jetzt tschetschenische Kämpfer gegen Putin heranzieht. Einer der Topkommandeure von ISIS – ein Georgier mit dem Tarnnamen „Omar, der Tschetschene“, Omar Al-Schischani – habe offen erklärt, das eigentliche Ziel von ISIS sei Präsident Putin. Zudem ist bekannt, daß eine Vielzahl von ISIS-Kämpfern aus Tschetschenien kommt und sich darauf einstellt, den Kampf, der jetzt in Südwestasien wütet, nach Rußland zu tragen.

Der Anführer des Rechten Sektors in der Ukraine, Dmytro Jarosch, hat den tschetschenischen Warlord Doku Umarow dazu aufgerufen, die Waffen gegen Rußland zu erheben. Dieser Jarosch hat im übrigen im ersten Tschetschenienkrieg auf der Seite der Tschetschenen gegen Rußland gekämpft.

Daran wird deutlich, daß alle diese Operationen nicht nur den Nahen Osten betreffen, sondern sich auch gegen Rußland und auch gegen China richten. Am 4. Juli dieses Jahres hat der ISIS-Führer Abu Bakr Al-Baghdadi eine Karte verbreitet, in der das Kalifat, das sie aufzubauen versuchen, sich bis nach Xinjiang in China erstreckt. Außerdem nannte er 20 Länder, die das islamische Recht übernehmen würden.

Welchen Schluß können wir aus all dem ziehen? Anstatt uns mit Ländern zusammenzutun, die bis heute die Terrorgruppen von den Mudschaheddin bis ISIS aufbauen und finanzieren, müssen wir den Kurs vollkommen ändern, wenn wir verhindern wollen, daß die Lage bis zu einem dritten Weltkrieg eskaliert. Wir brauchen eine Allianz unter Einschluß von Rußland, China, Indien, Iran, Syrien und Ägypten, und nur wenn wir die Politik in diese Richtung verändern, läßt sich die Krise stoppen.

Eine neue Sicherheitsarchitektur

Deswegen muß dringend auch die Frage einer neuen, inklusiven Sicherheitsarchitektur auf den Tisch, denn es gibt keine Hoffnung, daß ein dritter Weltkrieg abgewendet werden kann, solange sich einige Länder auf einem Konfrontationskurs mit Rußland befinden. Wir müssen zurück zum Völkerrecht. Wir müssen zurück zur völligen Achtung der nationalen Souveränität, wie sie sich bei den Verhandlungen über den Westfälischen Frieden entwickelte und heute in der UN-Charta festgeschrieben ist.

Auch die Politik des Regimewechsels durch Farbenrevolutionen bedeutet eine Form des Krieges, selbst wenn er nicht offen erklärt wurde. Das und vor allem auch die Blair-Doktrin sogenannter „humanitärer Interventionen“ müssen geächtet werden.

1999 hatte Blair in Chicago eine Rede gehalten, welche die Doktrin der NATO und des Westens völlig umkrempelte, indem er erklärte, von nun an seien humanitäre Militärinterventionen der NATO auch ohne UN-Mandat zulässig. Zum ersten Mal wurde dies danach im Kosovo-Krieg gegen Jugoslawien angewendet. Auch die sog. „Schutzverantwortung“, ein weiterer Auswuchs dieser Blair-Doktrin, der 2005 auf dem Weltgipfel der Vereinten Nationen verkündet wurde, muß sofort wieder zurückgenommen werden, denn diese Politik hat zu der Erosion geführt, die wir jetzt in Südwestasien und Afrika sehen.

Wir müssen zu den Prinzipien des Westfälischen Friedens von 1648 zurückkehren, mit dem 150 Jahre Religionskriege beendet wurden, und dieser große Durchbruch etablierte erstmals das Völkerrecht. Das erste Prinzip des Westfälischen Friedens besagt nämlich, daß um des Friedens willen sämtliche Verbrechen beider Seiten vergessen werden müssen, und das zweite Prinzip verlangte, daß fortan die Außenpolitik jedes Landes auf dem „Interesse des anderen“ gründet. Die nationale Souveränität müsse vollkommen respektiert werden, was auf heute übertragen heißt, daß endgültig Schluß sein muß mit der Idee von geopolitischen Interessen eines Landes oder einer Gruppe von Ländern. Die Geopolitik hat zu zwei Weltkriegen im letzten Jahrhundert geführt, und die Politik des Großen Spiels und der Einkreisung Rußlands und Chinas droht nun zu einem dritten Weltkrieg zu führen.

An die Stelle der Geopolitik muß die Idee der gemeinsamen Ziele der Menschheit treten, und wir müssen eine neue Sicherheitsarchitektur errichten, welche das Interesse jeder einzelnen Nation auf diesem Planeten wahrt. Der chinesische Präsident Xi Jingpin hat wiederholt erklärt, daß es auf der Welt nicht Sicherheit für einige und Chaos für die übrigen geben kann.

Ebola – tödliche Gefahr

Schauen wir nun auf die zweite tödliche Gefahr, die Ebola-Pandemie, die bereits völlig außer Kontrolle geraten ist. Bisher gibt es gegen das extrem aggressive Ebola-Virus mit einer Sterblichkeit von 70-80% kein Heilmittel und keinen Impfstoff. Die Seuche breitet sich in Westafrika exponentiell aus, und nach derzeitigen vorsichtigen Schätzungen wird es bis Januar nächsten Jahres etwa 1,5 Mio. Infizierte geben. Derzeit gibt es zwischen 10.000 und 20.000 neue Fälle pro Woche. Im Grunde haben die Hilfskräfte bereits mit dem Zählen aufgehört, weil sich die Dinge überschlagen.

Als es im März zu ersten Ausbrüchen in den westafrikanischen Ländern kam, suchten insbesondere Sierra Leone, Liberia und Guinea bei der Weltgesundheitsorganisation und den Vereinten Nationen um Hilfe nach und wurden abgewiesen. Inzwischen ist die Lage so, daß die medizinischen Hilfsorganisationen diese Länder praktisch aufgegeben haben, denn die Umstände erinnern an die Beschreibungen von Boccaccios Dekameron: Menschen wurden zunächst in Behandlungslager gesteckt, dann in Übergangslager, weil es einfach zu viele waren; aber diese Übergangslager verwandelten sich in Todeslager, und dann sagte man den Leuten, sie sollten zu Hause bleiben, und gab ihnen ein paar Aspirin. Auf diese Weise infizierten sich dann ganze Familien.

Bereits 1972 hatte mein Ehemann eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die langfristigen Folgen der vom Weltwährungsfonds (IWF) geforderten Auflagen zu untersuchen. Er sagte damals, wenn die IWF-Politik durchgesetzt würde, wäre in der Folge eine biologische Katastrophe unabwendbar. Doch wie wir wissen, hat Henry Kissinger 1974 in seiner damaligen Eigenschaft als Nationaler Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten das berüchtigte Memorandum NSSM-200 verfaßt, worin es einfach hieß, die Bevölkerungen in einigen Ländern der Dritten Welt seien die größte Bedrohung für die nationalen Sicherheitsinteressen der USA, weil zu viele Menschen zu viele Rohstoffe verbrauchten. Deshalb müsse das Bevölkerungswachstum eingeschränkt werden, und zwar mit Hilfe der Auflagen des IWF.

Aber wenn man einem Land der Dritten Welt sagt, es dürfe nicht in das Gesundheitswesen und in die Infrastruktur investieren, sondern müsse die Schulden zurückzahlen, dann sind die Folgen davon sehr klar. Und der erbärmliche Zustand in vielen Ländern auf der Welt, besonders in Afrika heute, ist im jetzigen Weltsystem bewußt beabsichtigt.

Es sei aber auch daran erinnert, daß die britische Politik spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg auf Bevölkerungsreduzierung ausgerichtet war. Nach Kriegsende erklärte jedenfalls Bertrand Russell in einem Aufsatz mit dem Titel „The Impact of Science on Society“,[1] es sei wünschenswert, daß jede Generation von einer tödlichen Pandemie heimgesucht würde, weil dann die Bevölkerung reduziert würde und die Überlebenden sich freier fortpflanzen könnten, ohne eine Überbevölkerung zu erzeugen. Man sollte auch nicht vergessen, daß Prinz Philip wiederholt bei öffentlichen Gelegenheiten erklärt hat, er wolle bei seiner Wiedergeburt als tödliches Virus auf die Welt zurückkehren, um bei der Reduzierung der Bevölkerung mitzuhelfen.

2008 verfaßte die amerikanische Seuchenbekämpfungsbehörde CDC schon während des Wahlkampfs ein Memorandum für den neuen Präsidenten Obama, welches jetzt unter dem Informationsfreiheitsgesetz in der Washington Times veröffentlicht wurde. Darin schrieb die CDC, die geplanten Budgetkürzungen könnten zu einer Situation führen, in der Krankheiten wie Tollwut, Hepatitis A und Ebola zu einer tödlichen Gefahr werden. Diese Warnung wurde völlig mißachtet, und die Einsparungen waren absolut dramatisch.

Diese Situation muß heute dringend überwunden werden, denn die Lage in Europa und den Vereinigten Staaten verschlechtert sich immer weiter. So ist jetzt ein erster Ebola-Fall in Spanien aufgetreten, und mehrere Krankenschwestern haben sich angesteckt, weil es für das Pflegepersonal keinerlei Verhaltensvorschriften gab. Anstatt den Kranken in ein Krankenhaus der Schutzstufe 4 zu bringen, entstand die Situation, wo es den Pflegekräften selbst überlassen blieb, wie sie sich schützen sollten.

In den USA gibt es nur vier Kliniken, in denen Patienten mit Schutzstufe 4 behandelt werden können; in Deutschland gibt es Platz für nur 50 Patienten.

Am letzten Mittwoch [15. Oktober] veranstaltete in den Vereinigten Staaten die Gewerkschaft der Pflegekräfte einen Konferenzanruf, an dem sich 11.500 Schwestern und Pfleger beteiligten. Sie warfen Obama vor, daß das amerikanische Gesundheitswesen völlig unvorbereitet sei. Sie seien nicht dafür ausgebildet worden, es gäbe keine Schutzkleidung, keine Entsorgungsmöglichkeiten für infiziertes Material und keine Atemschutzgeräte.

Zudem hat Rebecca Milner vom International Medical Corps an der Universität Minnesota Forschungen angestellt, wonach Ebola entgegen der offiziellen Linie auch über die Luft übertragen werden kann, d.h. es trifft nicht zu, daß dies nur über Körperkontakte geschieht.

Das spanische Militär hatte im August, als der erste Fall bekannt wurde, vorgeschlagen, die gut ausgebildeten ABC-Teams der Armee – zuständig für atomare, biologische und chemische Waffensysteme – einzusetzen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Das lehnte die Regierung aber ab und ließ den Patienten vielmehr in das Madrider Klinikum Carlos III. bringen, das einmal eine moderne Infektionsabteilung hatte, die aber ein Jahr zuvor aufgrund von Einsparungen und Privatisierung geschlossen worden war. Das unvorbereitete Personal erhielt nur eine 20minütige Videoeinweisung, und in der Folge haben sich mehrere Pflegekräfte infiziert.

Ein verärgerter ABC-Experte des Militärs hat in einem Interview mit El Confidencial Digital berichtet, daß bei der Ausbildung ihrer Teams das An- und Ablegen der Schutzkleidung Hunderte Male geübt wird, wobei immer ein Offizier aufpaßt und bei jedem Fehler den Beteiligten sagt: Wenn das real wäre, wären sie jetzt tot. 500 Ärzte, Pflegekräfte und anderes medizinisches Personal haben eine Erklärung abgegeben, worin sie sagen, das gefährlichste Virus sei die Politik der spanischen Regierung und der Gesundheitsbeamten, die das öffentliche Gesundheitswesen durch Privatisierung kaputt machen. All das trifft natürlich nicht nur auf Spanien zu.

Die europäischen Gesundheitsminister bleiben bei ihrer Linie, die Lage sei nicht außer Kontrolle und Ebola könne nicht über die Luft verbreitet werden. Dazu kann man nur sagen, daß das größte Risiko für die Verbreitung von Ebola in Europa heute die Sparpolitik der Troika ist, mit der das Gesundheitswesen in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal demontiert wurde. Und es grenzt schon an kriminelle Fahrlässigkeit, wenn einige Regierungen lediglich angeordnet haben, in Flughäfen und Bahnhöfen ankommende Passagiere [aus betroffenen Ländern] auf erhöhte Temperatur zu untersuchen, was als Schutzmaßnahme völlig ungeeignet ist.

Die Angaben über die Zahl der Krankenhausbetten in Europa pro 100.000 Einwohner sprechen eine deutliche Sprache. Aufgrund der Sparpolitik der Troika sind sie zwischen 2003 und 2014 in Deutschland um 6%, in Frankreich um 16% und in Italien um 18% gesunken. Wir sind in Europa keineswegs auf Ebola vorbereitet, denn es sind bis zu 20 medizinische Fachkräfte erforderlich, um einen Patienten zu behandeln. Somit kann man sich vorstellen, was die Lage ist.

Es ist ganz klar, daß sofort eine Notstandsmobilisierung einsetzen muß, um die Krise in Afrika zu stoppen, was aber überhaupt nicht absehbar ist. Es müßten Hospitalschiffe des Militärs aus aller Welt nach Westafrika entsandt werden, da die am schlimmsten betroffenen Länder direkt an der Atlantikküste liegen. Auch sollten bereits 3500 US-Soldaten dort im Einsatz sein, um Behandlungseinrichtungen aufzubauen, aber noch wurde kein einziges Gebäude errichtet.

Anstatt weiter zu warten und noch mehr wertvolle Zeit zu verlieren, sollten einfach bestehende Gebäude in Kliniken der höchsten Schutzstufe umgewandelt werden, um zu versuchen, die Epidemie einzudämmen, bevor sie noch weiter außer Kontrolle gerät. Dafür sollten insbesondere jene Einheiten der internationalen Armeen eingesetzt werden, die in biologischer Kriegführung ausgebildet sind, denn sie verfügen derzeit über die einzigen verfügbaren Kapazitäten, die dafür geeignet sind. Und auch hier ist die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten, Rußland, China, Indien, Europa und anderen Staaten unabdingbar.

Es gibt also bereits zwei Situationen, in denen die Fortsetzung der Konfrontation gegen Rußland für die Menschheit absolut selbstmörderisch ist, und ich kann Ihnen versichern, daß sich in den kommenden Wochen und Monaten auf der ganzen Welt die Panik über diese Lage verstärken wird. Wir müssen dazu beitragen, daß sich diese Panik in die Erkenntnis umwandelt, daß die Menschheit ihren Kurs ändern muß – daß wir eine neue internationale Sicherheitsarchitektur brauchen, in der alle diese Länder zusammenarbeiten, um die tödlichen Gefahren zu bannen.

Bereits in den 70er Jahren forderte LaRouche im Zusammenhang mit den IWF-Auflagen eine Biologische Verteidigungsinitiative. Er wiederholte diesen Aufruf nach den Anschlägen mit Milzbranderregern im Umfeld des 11. September und forderte eine nationale Verteidigung gegen bakteriologische Kriegsführung auf Grundlage der Lehren aus dem Koreakrieg, die sich im Hill-Burton-Gesundheitsgesetz in den Vereinigten Staaten niedergeschlagen hatten.

Im Februar 2006 rief ich selbst zu einer Biologischen Verteidigungsinitiative auf, nachdem sich die Vogelgrippe auf drei Kontinente ausgebreitet hatte und die unmittelbare Gefahr einer Mutation dieses Virus bestand, so daß es direkt von Mensch zu Mensch hätte übertragen werden können. 1991 war die Weltgesundheitsorganisation schon zu dem Schluß gekommen, daß es ein Zeitfenster von zehn Jahren gäbe, in dem es noch möglich wäre, die Entstehung alter und neuer Pandemien sowie antibiotikaresistenter Krankheiten zu verhindern, die sonst die Bedingungen für einen biologischen Holocaust schüfen.

Dieses Fenster hat sich längst geschlossen, und deswegen ist es um so vordringlicher, sämtliche internationalen Ressourcen in allen medizinischen Einrichtungen zu bündeln, um doppelte Arbeit zu vermeiden, die jetzt passiert, da die meisten Pharmafirmen nur auf Patente aus sind und Profite machen wollen, obwohl wir vor der Situation stehen, daß ein Schwarzer Tod die Weltbevölkerung genauso reduzieren könnte wie im 14. Jahrhundert.

Eine solche Biologische Verteidigungsinitiative erfordert ein energisches Crashprogramm, um brauchbare Lösungen zu finden, aber die Herangehensweise sollte völlig anders sein – nicht das Profitstreben der Pharmaindustrie, sondern die Untersuchung grundlegender Fragen, was Leben wirklich ist, und das vom Standpunkt der Beziehung zwischen Biosphäre und Noosphäre im Sinne des russischen Wissenschaftlers Wladimir Wernadskij.

Der Finanzkrach kommt

Bereits in den 70er Jahren stand fest, daß wir uns auf einen neuen Finanzkrach und die Gefahr eines neuen Faschismus zu bewegen. Das war die berühmte Prognose meines Ehemanns Lyndon LaRouche am 15. August 1971, als Präsident Nixon den Dollar vom Gold abkoppelte und damit das Bretton-Woods-Abkommen außer Kraft setzte. LaRouche sagte damals voraus, daß es zu einem neuen Krach kommen werde.

In der Zwischenzeit ist das internationale Finanzsystem immer krimineller geworden. Jean Ziegler, der neue UN-Beauftragte zur Untersuchung der Geierfonds, nannte es ein „kannibalistisches System“, dessen kriminellstes Element die Geierfonds seien. Sie sind größtenteils für den Zustand verantwortlich, in dem sich nicht nur Argentinien befindet, das einen sehr mutigen Kampf gegen diese Fonds führt, sondern auch Afrika. So will derselbe Geierfonds, der von Argentinien 850 Mio.$ als volle Rückzahlung von Ramschanleihen verlangt, die er für 48 Mio.$ aufgekauft hatte – ein Profit von 1606% über sechs Jahre! – auch genauso mit Kongo-Brazzaville verfahren. Das ist ein Fonds namens Elliott Management im Besitz desselben Paul Singer, der den Finanzkrieg gegen Argentinien führt.

Man sollte einfach einmal ausrechnen, wieviel Medikamente, wieviel Nahrungsmittel und wieviel Wohnungen mit diesen Millionen, die diese Geierfonds und ihre kriminellen Aktivitäten kosten, finanziert werden könnten. Viele Menschenleben hätten in den letzten vier Jahrzehnten gerettet werden können, weswegen wir damals auch gesagt haben, die IWF-Politik ist hundertmal schlimmer als die Adolf Hitlers, und wenn man sieht, wieviel Menschen seither umgekommen sind, ist das keineswegs eine Übertreibung.

Doch dieses System, das heute dazu geführt hat, daß 85 einzelne Personen genausoviel besitzen wie 3,5 Mrd. Menschen, ist zum Scheitern verurteilt. Es wird auseinanderfallen, und wenn sich bis dahin nichts ändert, wird der Krach noch schlimmer sein als 2008, denn die systemrelevanten „Too-big-to-fail“-Banken sind heute 50% größer [als 2008], sie sind um 50% mehr verschuldet, und ein ganzer Chor von Finanzexperten ist der Meinung, daß „das ganz große Ding“ jederzeit eintreten kann. William White, Ex-Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, und Guy Debelle, Vorsitzender des Finanzmarktausschusses der BIZ, sagen, es werde ein ziemlich heftiger Krach sein. Thomas Hoenig, Vizedirektor der US-Einlagensicherungsfonds, sagte kürzlich, wenn eine der Too-big-to-fail-Banken kollabiere, werde das ganze System folgen. Und das einzige, was die USA und die europäischen Regierungen zu bieten haben, ist ein Bail-in, d.h. eine Kontenenteignung nach dem Zypern-Modell.

Ich sagte eingangs bereits, daß alle diese drei existentiellen Bedrohungen zusammenfallen, und wenn es nicht zu einer dramatischen Veränderung des Paradigmas kommt, sind wir alle ebenso wie die Verantwortlichen selbst schon so gut wie tot.

Alternative zum Kasinosystem

Zum Glück gibt es eine Lösung und einen Ausweg, in direkter Reaktion auf das vollkommen unmoralische und kriminelle Kasinosystem der Profitmaximierung einiger weniger und der Verarmung und des Tods von Millionen, wenn nicht sogar von Milliarden Menschen, hat nämlich eine parallele Entwicklung eingesetzt. Die Vorbereitungen für dieses alternative System laufen bereits seit langer Zeit.

Ich denke dabei an den Kampf der Blockfreienbewegung für eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung in den 60er und 70er Jahren, der damals erstickt wurde und viele Rückschläge einstecken mußte. Unsere Organisation kämpft für dieses parallele System, seit Lyndon LaRouche 1975 zum Aufbau einer Internationalen Entwicklungsbank aufrief, und wir haben uns dafür in den ganzen letzten 40 Jahren eingesetzt.

Doch jetzt hat eine neue Ära der Zivilisation begonnen, seit [Chinas] Präsident Xi Jinping bei einem Besuch in Kasachstan im letzten Jahr seine Politik der Neuen Seidenstraße verkündet hat.

Die chinesische Regierung unter Präsident Xi Jinping schlug einen „Wirtschaftsgürtel der Seidenstraße des 21. Jahrhunderts“ und an der „Maritimen Seidenstraße“ zu schaffen, um ganz Eurasien wirtschaftlich zu entwickeln.

Die alte Seidenstraße entstand unter der Han-Dynastie vor etwa 2000 Jahren. Es entwickelte sich damals ein umfangreicher Austausch von Gütern, Technologien, Ideen und Kulturen, was ein ungeheurer Durchbruch war, denn dazu mußten unglaubliche Hindernisse wie die Taklamakan-Wüste überwunden werden, und die Menschen mußten sich mit Pferden, Kamelen, zu Fuß und mit dem Schiff fortbewegen.

Ich hatte im August das Glück, selbst diese Gegend besuchen zu können. Auf Einladung der chinesischen Soong-Ching-Ling-Stiftung und der Dunhuang-Akademie unternahmen wir eine Reise entlang der alten Seidenstraße von Lanzhou bis zur Großen Mauer in Jiayuguan und weiter westwärts bis zur Wüste Gobi.

Auf diesem Bild sieht man nur Wüste, aber interessant daran sind diese Bögen. Sie sind der Beginn einer neuen Bahnstrecke, die von Lanzhou bis nach Urumqi und weiter führen wird. Sie wird mit großem Tempo gebaut.

Die Neue Seidenstraße ist nicht nur eine Verbindung von China über Zentralasien bis Europa; sie ist ein offenes Konzept: Jeder auf dieser Erde ist eingeladen, mitzumachen.

Im November letzten Jahres ergänzte Xi Jinping dies durch die Maritime Seidenstraße, und im Mai fand ein wichtiger Gipfel zwischen Präsident Putin und Präsident Xi Jinping in Shanghai statt, auf dem beide ein 30 Jahre langes Gasgeschäft und 40 weitere Abkommen schlossen.

Im Sommer trafen in Fortaleza/Brasilien die Staatsoberhäupter der BRICS-Staaten und der südamerikanischen Staaten zusammen, die zusammen mehr als die Hälfte der Menschheit vertreten.

Im Juli fand dann im brasilianischen Fortaleza das Gipfeltreffen der BRICS-Staaten sowie der CELAC- und der UNASUR-Länder statt.

Dieses neue System vertritt inzwischen mehr als die Hälfte der Menschheit, und diese Länder folgen einem ganz anderen Paradigma, als wir es hier in Europa oder den Vereinigten Staaten auch nur erahnen können.

In China herrscht ein ungeheurer kultureller Optimismus. China ist ein Land, das sich in den letzten 30 Jahren unglaublich entwickelt hat. In diesen 30 Jahren fand eine Entwicklung statt, für die meisten Länder des sogenannten entwickelten Sektors mehrere Jahrhunderte brauchten, und China bietet jetzt allen an der Neuen Seidenstraße beteiligten Ländern diese Art der Entwicklung an.

Dahinter steht auch ein neues Menschenbild: Der Mensch definiert sich von der Zukunft her und durch seine Beziehung zur kosmischen Ordnung. Dieser Teil der Welt folgt heute ganz anderen Prinzipien, und die Seidenstraße ist kein geopolitisches Konzept, sondern sie hebt auf der Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Nationen im gemeinsamen Interesse der Menschheit die nationalen Interessen auf. In Fortaleza einigte man sich unter verschiedenen Ländern auf eine Vielzahl großer Entwicklungsprojekte, und ich möchte gleich nur einige davon benennen, um Ihnen eine Vorstellung von deren Umfang zu geben.

Außerdem wurden neue Kreditmechanismen geschaffen und grundsätzliche Vereinbarungen geschlossen, wodurch der gesamte Planet auf eine ganz neue Entwicklungsplattform gehoben wird. Drei Banken werden hierfür geschaffen – die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank, die Neue Entwicklungsbank und die Shanghai-Kooperationsbank -, die keine Kredite mehr für die Spekulation, sondern nur noch zur Finanzierung realer Projekte vergeben. Diese drei Banken sind zwar noch nicht voll entwickelt, sie werden aber das Rettungsboot sein, wenn die Titanic des alten transatlantischen Systems untergeht.

Zu den vielen Projekten, die in Angriff genommen werden, gehört der auch Plan, mit chinesischer Hilfe in Nikaragua einen zweiten Panamakanal zu bauen, der den Pazifik mit der Karibik verbindet und damit zu einem Brennpunkt der Entwicklung im gesamten mittelamerikanisch-karibischen Raum werden soll. An dem Entwurf hierfür ist ein chinesisches Unternehmen für Bahn-, Luftfahrt- und Hafenplanung beteiligt, es hat bereits zwei Seehäfen, einen Flughafen, einen künstlichen See und ein Zement- und Stahlwerk entworfen. Es ist das Changjiang-Institut für Vermessung, Planung, Gestaltung und Forschung, das schon den Dreischluchtendamm geplant hat. Auch Rußland hat inzwischen sein Interesse bekundet, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Das nächste Projekt ist die transkontinentale Bahnstrecke zwischen Brasilien und Peru – ein gigantisches Projekt, mit dem erstmals eine Eisenbahnverbindung zwischen der brasilianischen Atlantikküste und der Pazifikküste in Peru geschaffen wird. Auf einem Treffen zwischen der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff und Xi Jinping sagte Rousseff, dieses Projekt sei entscheidend für die südamerikanische Integration und ein wichtiger Absatzweg für brasilianische Exporte nach Asien. Bolivien hat inzwischen China um Hilfe beim Bau des bolivianischen Anteils einer alternativen transkontinentalen Route von Brasilien über Bolivien nach Peru gebeten.

Dann gibt es eine ganze Reihe von Projekten (insgesamt 29 Großprojekte) zwischen Rußland und Nikaragua, zwischen Rußland und Kuba und zwischen China und Kuba. Rußland und Bolivien kooperieren beim Bau eines Kernkraftwerks und bei der Infrastruktur; China und Bolivien haben eine Satellitenkooperation vereinbart; zwischen Argentinien und Rußland geht es um Infrastruktur, Planung, Bau und Betrieb von Kernkraftwerken und einem Forschungsreaktor, um Wasserentsalzung und viele andere Projekte. Zwischen Rußland und Brasilien geht es um Handel, Rüstung und Kernkraft. Der Handel soll sich pro Jahr verdoppeln, und man will zusammen ein Flugabwehrsystem entwickeln und das Glonass-GPS-Navigationssystem erweitern.

Zwischen Brasilien und China hat sich praktisch eine strategische Partnerschaft entwickelt. Sie vertiefen ihre Zusammenarbeit bei der Raumfahrt und fördern die gemeinsame Satellitenarbeit mit Afrika. Brasilien verkauft Düsenflugzeuge an China und es gibt eine breite wissenschaftliche Zusammenarbeit. Zwischen Argentinien und China geht es um Infrastruktur, nukleare Kooperation und um insgesamt 19 Abkommen. Ähnlich zwischen Venezuela und China, China und Mexiko, China und Indien. Als Xi Jinping vom 17.-20. September zu einem großen Staatsbesuch in Indien war, einigte man sich auf zehn große Wirtschaftsabkommen, auf Zusammenarbeit bei der Kernenergie, besonders dem Thoriumreaktor und dem chinesischen Kugelhaufen-Versuchsreaktor.

Alle diese Projekte sind extrem wichtig, weil sie den Weg in die Zukunft weisen. Es geht um Hochgeschwindigkeitsbahnen und um die Kernenergie, von der sich die gesamte transatlantische Region derzeit zugunsten wertloser Geldspekulation und reiner Profitgier verabschiedet.

Eine neue Renaissance

Alle diese Projekte sind offensichtlich sehr bedeutsam, aber noch wichtiger ist der neue Renaissancegeist, der die BRICS-Länder und ihre Verbündeten erfüllt. Weil die Menschen in den USA und Europa so kulturpessimistisch geworden sind, kann man sich hierzulande nur schwer vorstellen, daß es auf der Welt Staatsführungen gibt, die sich tatsächlich für das Gemeinwohl ihres Volkes einsetzen. Ich kann nur alle auffordern, sich die Rede anzuschauen, die Xi Jinping bei seinem Staatsbesuch in Neu-Delhi gehalten hat, denn diese Rede verkörpert die höchste Ebene der Staatskunst und die Prinzipien des Westfälischen Friedens.

Er sagte, China und Indien teilen eine lange Geschichte der Freundschaft von über 2000 Jahren. Der Buddhismus sei in Indien entstanden und von den Mönchen nach China gebracht worden. Er erwähnte Ju Xianlin, den Meister chinesischer Studien, der auch ein Sanskritexperte war. Er erwähnte Admiral Zheng He aus der Ming-Dynastie, der sieben Entdeckungsreisen unternahm und Indien sechsmal besuchte. Aus Indien gelangten Astronomie, Kalender, Literatur und Architektur nach China, während China die Papierherstellung, Seide, Porzellan, Tee und Musik nach Indien brachte.

Indien, sagte Xi Jinping, habe China während des Opiumkriegs geholfen, und China habe die indische Unabhängigkeitsbewegung unterstützt. Dann zitierte er ausführlich den großen indischen Dichter Rabindranath Tagore, der von den Chinesen bewundert wird. Er zitierte Tagore mit einem Satz, den dieser sagte, als er nach China kam: „Ich weiß nicht warum, aber wenn ich in China bin, habe ich das Gefühl, daß ich nach Hause komme.“ Und als er wieder abfuhr, sagte er: „Mein Herz bleibt hier.“

Xi Jinping wandte sich an die jungen Chinesen und Inder im Publikum und sagte: „Ich hoffe, ihr könnt die Weisheiten der alten chinesischen und indischen Geschichte in euch aufnehmen und im Streben nach Wahrheit weiter voranschreiten. Bewahrt euch jugendliche Herzen in China, bewahrt euch jugendliche Herzen in Indien. Leben wir im gleichen Geiste und schaffen wir Hand in Hand eine bessere Zukunft. Wer erfolgreich sein will, suche anderen dabei zu helfen, ebenfalls erfolgreich zu sein. Wer verstanden sein möchte, versteht andere. Während China seine eigene Entwicklung sucht, wünschen wir aufrichtig, daß Indien blühend, strebsam und stark werde. Wir sind die treibende Kraft für Asien und für die globale Entwicklung, und heute, wo wir uns erneut an der Spitze der Zeit befinden, arbeiten China und Indien zum Vorteil des anderen, der asiatischen Region und der ganzen Welt zusammen.“

Xi äußerte, er habe schon in seiner Jugend ein besonderes Interesse an der indischen Zivilisation gehabt, und dann verwies er sehr bewandert auf die großen Perioden der indischen Geschichte: die Ganges-Zivilisation, die vedische Kultur und die Gupta-Periode, eingerahmt mit vielen wunderbaren Tagore-Zitaten.

In genau dem gleichen Geist wurde vor 30 Jahren das Schiller-Institut gegründet, entsprechend dem Grundsatz: Wenn eine Nation mit anderen Nationen in Frieden leben will, dann muß sie die Hochkulturen der anderen hervorheben und betonen. Die Neue Seidenstraße wird nicht nur wirtschaftlich den anderen nutzen und eine höhere wirtschaftliche Plattform zum Fortschritt aller beteiligten Nationen schaffen, die Neue Seidenstraße ist auch eine Metapher für eine neue kulturelle Renaissance, die das beste und Schönste der Dichtung, Musik und Philosophie wieder mit Leben erfüllt und weiterentwickelt.

Anläßlich des 1565. Geburtstages von Konfuzius sagte Xi Jinping auf einem internationalen Seminar: „Wenn ein Land oder eine Nation nicht ihr eigenes Denken und ihre eigene Kultur wertschätzt, wenn sie ihre Seele verliert, kann sie, ganz gleich, um welches Land oder Nation es sich handelt, nicht bestehen.“ Genau das ist das Problem Europas und der USA, denn wir haben unsere Kultur und unsere Seele verloren.

Xi Jinping sagte auch: „Die Klassik sollte im Geist des Schülers eingebettet sein und zum Erbgut der chinesischen Kultur werden.“ Für China werden Konfuzius, Menzius und seine 5000jährige Geschichte heute wieder zur Identität des gesamten Landes, und die chinesische Regierung unternimmt große Anstrengungen, daß jeder Chinese mit den etwa 5000 Jahren chinesischer Geschichte vertraut ist und sich darin wiederfindet.

In Indien bemüht man sich ebenso darum, daß die alten vedischen Schriften, wie der Rigveda, das wunderschöne Lied der Schöpfung, wieder studiert werden. Ebenso der Sanatana-Dharma, worin es heißt, daß es eine ewige Religion jenseits aller anderen Religionen gibt. Genauso dachte auch Nikolaus von Kues, der sagte, daß es eine höhere Wahrheit gibt, welche die gesamte Menschheit vereint, und ein höheres Wesen, das über der Religion steht. Oder wie sich Tagore in seinem berühmten Dialog mit Einstein ausdrückte: „Wenn unser Universum in Harmonie mit dem Menschen ist, empfinden wir das Ewige, das wir als Wahrheit kennen, als Schönheit.“

Für Rußland heißt dies, daß die Größe der Puschkinschen Dichtung und die Voraussicht Wernadskijs gleichfalls zu einer Frage der nationalen Identität gemacht werden müssen. Wenn wir in Europa überleben wollen, täten wir gut daran, die große Tradition von Platon, Leonardo da Vinci, Cervantes, Rabelais, Rembrandt, Nikolaus von Kues, Leibniz, Bach, Beethoven und Schiller wieder aufzugreifen und uns an dem edlen Menschenbild orientieren, das diese Menschen hatten.

Wir brauchen, wie Narendra Modi sagte, eine Massenbewegung für Entwicklung, nicht nur in Indien und anderen Entwicklungsländern, sondern wir brauchen eine Massenbewegung für Entwicklung ganz besonders in Europa und den Vereinigten Staaten. Wir brauchen eine Bewegung dafür, zusammen mit den BRICS-Staaten eine bessere, harmonischere Welt aufzubauen, damit sich alle Nationen auf dem Planeten entwickeln können. Und die Massenbewegung für Entwicklung muß von einer leidenschaftlichen Liebe zur Menschheit getragen sein!

In Rußland muß sich dieses Paradigma auf die Schönheit von Puschkins Dichtung und auf Wernadskij gründen, der, wie Lyndon LaRouche bereits in seinem Buch Die kommenden 50 Jahre schrieb, als höchster inhaltlicher Bezugspunkt verstanden werden sollte. Dahinter stecken ernsthafte Fragen, wie: Was sind die quasi axiomatischen Unterschiede zwischen Nationen? Wie wird die Noosphäre zwei Generationen in der Zukunft aussehen? Was ist der beste Weg, um im Laufe der nächsten zwei oder mehr Generationen nationale und persönliche Souveränität zu erreichen und um die Eigenschaften und Qualität der Noosphäre so zu verbessern, wie es notwendig ist?

Wir müssen die Lösung für die heutigen Probleme der Welt vom Standpunkt der Zukunft aus definieren: Wo wollen wir als Menschheit in zwei Generationen oder in hundert Jahren stehen? Wenn wir nicht in einem finsteren Zeitalter enden wollen, wo nur ein paar Millionen Menschen elendiglich in Höhlen vor sich hin vegetieren oder die Menschheit ganz untergeht, weil wir uns nicht rechtzeitig vom Britischen Empire befreien konnten, um die thermonukleare Auslöschung zu verhindern – dann müssen wir uns auf die Identität der Menschheit als einzige bisher bekannte kreative Gattung in diesem Universum zurückbesinnen.

Schaffen wir deshalb eine Massenbewegung für die gemeinsamen Ziele der Menschheit, für eine Vision der Zukunft; eine Welt, in der wir die Energie- und Rohstoffversorgung für die gesamte Menschheit gesichert haben, weil es inzwischen eine industrielle Basis auf dem Mond zum Abbau von Helium-3 für die Kernfusionsenergie gibt, für die Herstellung von Rohstoffen, mit denen wir eine Isotopenökonomie aufbauen können, für gezielte medizinische Therapien und für die Erzeugung einer Beschleunigung von 1G im Weltraum, um mit konstanter Beschleunigung zu entfernten Himmelskörpern wie dem Mars und Asteroiden zu reisen. Und dann werden wir auch in der Lage sein, die Erde vor Asteroiden, Meteoriten und Kometen zu schützen.

Es wird neue wissenschaftliche Revolutionen geben, um herauszufinden, was unser Sonnensystem, unsere Galaxis und das Universum mit seinen Milliarden Galaxien wirklich ist. Die neue Sicherheitsarchitektur muß auf dieser Perspektive beruhen. Die Neue Seidenstraße ist nicht nur eine Verbindung zwischen den Ländern auf der Erde wie die alte Seidenstraße, sondern sie wird eine Weltlandbrücke sein, die alle Kontinente miteinander verbindet, aber sie wird die Menschheit auch zu den Sternen erheben, zu einem Denken auf der Ebene der coincidentia oppositorum, dem Zusammenfall der Gegensätze, wie es Nikolaus von Kues entwickelt hat.

Das muß die Identität der Menschheit in der Neuen Seidenstraße werden: Eine kreative Gattung, die in Übereinstimmung mit den Gesetzen der kosmischen Ordnung lebt.

(Frau Zepp-LaRouche zeigte an dieser Stelle einen kurzen Videoclip über die Landung chinesischen Sonde Chang’e-3 auf dem Mond.)

Ausschnitt aus dem Gemälde „Die Erschaffung Adams“ von Michelangelo Buonarroti (1508-1512); Kollage eines chinesischen Grafikers zur Illustration der Idee der Neuen Seidenstraße.

Es liegt in unserer Hand. Wollen wir eine Menschheit, die wirklich menschlich ist? Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus dem Fresko in der Sixtinischen Kapelle, worin Gott die Hand Adams berührt, was ein Symbol dafür ist, daß der Mensch eine göttliche schöpferische Gattung geworden ist. Und als letztes Bild möchte Ihnen eine Kollage zeigen, die ein Chinese kürzlich auf einer Konferenz gezeigt hat, um darzustellen, wie China nach den Vereinigten Staaten die Hand ausstreckt… In diesem Sinne…


Anmerkung:

[1] Dt. „Wissenschaft wandelt das Leben“, Paul List Verlag, München 1953.

 

 


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